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Psychopathische
Serienmörder sind immer für eine Überraschung gut
und deshalb äußerst beliebte Filmfiguren - muss der
unberechenbare
Wahnsinnige doch für jede unlogische Wendung oder
Unglaubwürdigkeit
des Plots herhalten. In "Taking Lives" übernimmt
ein verrückter Killer namens Martin Asher diesen Part und
versetzt
das pittoreske Montreal in Angst und Schrecken. Die
kanadischen
Ermittler stehen ratlos vor einer Reihe bestialischer
Morde und
rufen schließlich Special Agent Illeana Scot (Angelina
Jolie),
die Top Profilerin des FBI, zur Hilfe - sehr zum Leidwesen
von Detective
Paquette (Oliver Martinez), der keine Gelegenheit
auslässt,
der unwillkommenen Kollegin das Leben schwer zu machen.
In die Ermittlungen kommt Bewegung, als sich Rebecca Asher
(Gena
Rowlands) bei der Polizei meldet. Die aufgelöste ältere
Dame behauptet, ihren Sohn Martin auf einer Fähre gesehen
zu
haben - obwohl dieser vor 19 Jahren einem Verkehrsunfall
zum Opfer
fiel. Wenig später überrascht James Costa (Ethan Hawke)
den Serienmörder auf frischer Tat. Der smarte Kunsthändler
wird für die Polizei zum wichtigsten Zeugen, da er der
Erste
ist, der den Mörder gesehen hat und sogar ein
detailliertes
Phantombild anfertigen kann. Doch weil auch Costa vom
Killer erkannt
wurde, schwebt er nun in höchster Gefahr. Anhand des
Phantombildes
identifiziert Rebecca Asher ihren vermeintlich toten Sohn
Martin
(Kiefer Sutherland), den sie selbst als gemeingefährlich
einstuft.
Die smarte Agentin Scott kann nun das Motiv des Mörders
erkennen
- er eignet sich die Identitäten
seiner Opfer an, lebt Woche bis Monate als diese weiter
und sucht
sich dann ein neues "Leben". Die Zusammenarbeit mit Costa
stellt die professionelle Top-Ermittlerin jedoch auf eine
harte
Probe, als sie sich in den gefährdeten Tatzeugen verliebt.
Als der Mörder die Jagd auf Costa beginnt und dieser von
der
Polizei ganz bewusst als Lockvogel eingesetzt wird, findet
sich
Illeana Scott inmitten eines mörderischen Strudels wieder,
in dem ihr scharfer, analytischer Blick sich mehr und mehr
trübt.
Regisseur D.J. Caruso ("The Salton Sea") nimmt sich
Zeit,
um den Mörder rückblickend bei seiner ersten Tat zu
beobachten.
Ein überzeugendes Psychogramm seines unheimlichen
Protagonisten
kann er jedoch nicht liefern - ist es schon zweifelhaft
genug, wie
ein Mensch unerkannt über 20 Jahre hinweg die Identitäten
seiner zahlreichen Opfer annehmen kann, so wirkt die
spätere
Wandlung, die hier natürlich nicht verraten sei, kaum noch
nachvollziehbar. Dies ist das große Manko des Films, der
ansonsten
weniger auf Effekthascherei denn auf das Gefühlsleben
seiner
Protagonisten setzt und starke Bilder dafür findet.
Im
Mittelpunkt steht hier Illeana Scott, eine
hochprofessionelle, kühle
Profilerin, die die Sticheleien ihres kanadischen Kollegen
souverän
pariert und die schließlich eine zutiefst menschliche
Seite
offenbart, als der Tatzeuge Costa ihre Gefühlswelt
durcheinander
bringt. Die Chemie zwischen Scot und Costa bleibt für den
Zuschauer
jedoch rätselhaft - warum die toughe FBI-Agentin ihr Herz
ausgerechnet
an den unscheinbaren Kunsthändler verliert, ist schwer
nachzuvollziehen.
Ethan Hawke spielt den Kunsthändler, der unversehens in
einen
Mordfall stolpert und die lebensgefährliche Rolle des
menschlichen
Köders übernimmt, facettenreich, ist aber nicht unbedingt
der ideale Partner für die dominierende Jolie. Ein
wunderbares
Gegengewicht schafft dafür Oliver Martinez als
kratzbürstiger
Franko-Kanadier Paquette. Kiefer Sutherland als
Hauptverdächtiger
tut indes das, was er - wie er gegenwärtig in der zweiten
"24"-Staffel
erneut unter Beweis stellt - am besten kann: Er gibt den
Gejagten.
Dabei wirkt er etwas unterfordert in einer Rolle, die
wesentlich
mehr Schattierungen bereit gehalten hätte als Caruso ihr
zugesteht.
"Taking Lives" ist ein recht solider Thriller, dessen
besonderer Reiz in der emotionalen Verwirrung seiner
Protagonistin
liegt. Leider wird darüber die Charakterisierung des
Killers
immer abstruser. Und so versinkt "Taking Lives" sang-
und klanglos in der breiten Massen seiner Genre-Kollegen.
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