kleine Werbepause
Anzeige

Superman Returns

Superman Returns
comic-action , usa 2006
original
superman returns
regie
bryan singer
drehbuch
michael dougherty, dan harris
cast
kevin spacey,
kate bosworth,
james marsden,
parker posey,
frank langella,
brandon routh, u.a.
spielzeit
154 Minuten
kinostart
17. August 2006
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Alte "Superman"-Fans werden bereits beim Vorspann vor Rührung kleine Tränchen verdrücken. Da ertönt nämlich das altbekannte (und sehr an seine andere äußerst bekannte Titelmelodie aus derselben Epoche erinnernde) Superman Theme von John Williams und die Titel sind im selben Stil gehalten, den die bisherigen Teile der Superman-Serie vorgemacht haben. Für Nostalgiker sicher wunderbar, zeigt dies aber auch gleich die erste Crux dieses Neustarts einer immerhin fast zwanzig Jahre brachliegenden Reihe (Puristen, die gerne die misslungenen Teile 3 und 4 aus ihrem Gedächtnis streichen, würden sogar von über 25 Jahren sprechen). Denn Bryan Singers Wiederbelebung des ältesten und wohl bekanntesten Superhelden aller Zeiten ist bisweilen zu sehr gefangen in der Ehrbietung gegenüber den klassischen Filmen der Reihe (Superman 1 und 2) und vergisst vor lauter Kontinuitätsdenken und Respekt, an die Zukunft von Kryptons letztem Sohn zu denken. Oder er denkt in verquere Richtungen. Aber wir wollen nicht zu sehr vorgreifen.

Superman (Brandon Routh) kehrt in diesem (an die Ereignisse der vorherigen Teile anschließenden) Film also wie der Titel schon sagt zurück, und zwar von einem Besuch seines zerstörten Heimatplaneten Krypton, der ihn immerhin fünf Erdenjahre gekostet hat. Und in diesen fünf Jahren ist viel passiert: Lois Lane (Kate Bosworth) hat mit Perry Whites Neffen Richard (X-Men "Cyclops" James Marsden) einen neuen Freund und einen gemeinsamen Sohn. Zudem ist Lois Lane allem Anschein nach nicht mehr die gleiche Vertraute Supermans wie vor seinem Weltallausflug. Gerade soll sie den Pulitzerpreis erhalten für den Artikel "Warum die Welt Superman nicht braucht". An derlei gravierende Änderungen muss sich Supi in Gestalt seines tölpelhaften Alter Egos Clark Kent erstmal gewöhnen, auch wenn ihm der immer noch knorrige Perry White (Frank Langella) immerhin seinen alten Job beim "Daily Planet" wiedergegeben hat. Und es kommt noch viel schlimmer, denn Supermans alter Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) wurde zwischenzeitlich aus dem Gefängnis entlassen, hat auch wieder ein Vermögen angehäuft und einen Plan, sich simultan immens zu bereichern und seinen Feind Superman endgültig zu erledigen.

Mann, was hat dieser Film für eine Geschichte hinter sich. Fast fünfzehn Jahre in der Vorproduktionshölle, mehrere abgebrochene Versuche mit diversen großen Namen als Autor (u.a. Kevin Smith, dessen Skript allerdings schrecklich gewesen sein soll) oder Regisseur (darunter so illustre Herren wie Wolle Petersen und Tim Burton). Dutzende Schauspieler im Gespräch für die Titelrolle, der merkwürdigste Favorit war lange Zeit Nicolas Cage. Und nun, viele Jahre, 240 Millionen Dollar und eine Casting-Überraschung in der Titelrolle später, ist es also geschafft.
Jene Überraschung ist Brandon Routh, der bisher nur als Model und im TV in Erscheinung getreten ist. Hier gibt es Parallelen zum Vorgänger, denn auch der verstorbene Christopher Reeve (dem dieser Film gewidmet ist) war ein unbekannter Nachwuchsschauspieler, der dann als Superman bekannt und beliebt wurde. Und Brandon Routh sieht ja schon ein bisschen aus wie Reeve (sicherlich ein Grund für die Entscheidung), so dass eine Quasi-Kontinuität gewährleistet ist. Wie macht er seine Sache? Grundsolide, will man sagen. Er gibt einer prägnanten Figur ein prägnantes Gesicht (manchmal zu sehr, in manchen Einstellungen wirkt sein Gesicht sehr künstlich, als hätte man da retuschiert), aber einem an sich doch recht eindimensionalen Charakter kann auch er nicht viel abgewinnen. Die durch Gene Hackman geprägte Rolle des Film-Lex Luthor hat Bryan Singers alter Spezi Kevin Spacey (beider Großkarriere begann mit "Die üblichen Verdächtigen") übernommen, und wenn man ein bisschen blinzelt, sieht man sogar eine gewisse Ähnlichkeit. Allerdings ergibt sich auch hier Spacey eher in solide Auftragsarbeit denn in Genialität, spielt Lex durchaus überzeugend böse und gewohnt Spacey-esk süffisant, aber ohne rechten Schwung.

Neben diesen soliden Leistungen (zu denen man auch Frank Langella, Parker Posey als Luthors tumbe Assistentin Kitty Kowalski und den wieder mal in undankbarer Rolle auftretenden James Marsden zählen kann) stehen aber auch zwei ziemliche Ausfälle. Wie befürchtet schafft es Kate Bosworth nicht, den Charakter der Lois Lane überzeugend darzustellen. Was nicht unbedingt an ihren Fähigkeiten liegt, sondern den Fehlkalkulationen der Macher beim Casting und Drehbuch. Bosworth ist 23, sieht noch mal drei Jahre jünger aus und spielt einen Charakter, der Kontinuität und Story nach mindestens 30 sein müsste. Bosworth sieht nicht so aus und benimmt sich auch schlicht nicht wie eine Frau, die einen Pulitzerpreis gewonnen und einen fünfjährigen Sohn aufgezogen hat. Abgesehen davon, dass nichts vom Witz, der Abenteuerlust und Dickköpfigkeit der Figur übrig geblieben ist, so dass man sich wundert, was Superman überhaupt an dieser Lois Lane findet. Natürlich wirkt auch Brandon Routh sehr jugendlich und bei dem Budget ist es ja auch zu verstehen, dass man das Teenie-Publikum mit jungen, sexy Darstellern locken will, aber in Bosworths Fall passt das schlichtweg nicht. Schlimmer ist eigentlich nur Tristan Lake Teabu als ihr Filmsohn Jason. Wessen Idee war es eigentlich, diese Figur als quasi-autistisch anzulegen?

Das Drehbuch von Michael Dougherty und Dan Harris (immerhin für Singers gelungenen zweiten Teil der "X-Men" verantwortlich) ist leider wie Krypton nach dem großen Knall: Ein Katastrophengebiet und Trümmerfeld. Riesige Plot- und Logiklöcher; ein völlig beknackter Plan zur Weltbeherrschung von Lex Luthor, der genauso gut Pinky and The Brain entsprungen sein könnte; und eine bemüht wirkende emotionale Resonanz, die sich vergeblich in albernen Paradoxen wie "Der Sohn wird zum Vater, der Vater wird zum Sohn" widerspiegeln soll, welche wiederum todsicher Marlon Brandos verwirrtem Spät-1970er Gebrabbel als Supermans Vater entstammen.
Das absolut Schlimmste ist aber die schiere Trägheit und Vorhersehbarkeit des Skripts. Jeder Hobbyschreiber mit ein bisschen Wissen über Superman könnte mit einem ähnlichen Drehbuch ankommen, das seine Konflikte nach zwanzig Minuten offen gelegt hat und sie dann zwei Stunden im eigenen Saft schmoren lässt. Das den absolut lahmsten Weg zur versuchten Beseitigung seines Helden einschlägt. Und das zu bequem ist, sich eine ordentliche Lösung dafür auszudenken, wie man Lois und Anhang sinnvoll in die Geschehnisse der zweiten Filmhälfte einfügen kann.
Symptomatisch ist wie gesagt Luthors Plan zur Beseitigung Supermans. Wie hier wieder mal versucht wird, den großen Blauen in die ewigen Jagdgründe zu befördern, ist so dermaßen lahm und vorhersehbar, dass man sich schon fragen muss, warum ausgerechnet Superman selbst dies als Einziger nicht kommen sieht. Hat er denn aus den vorherigen Abenteuern gar nichts gelernt? Ähnlich fragwürdig ist die zum Teil fatal fehlende interne Logik. Man lässt Fantasy-Spektakeln ja einiges durchgehen, aber die finale Rettungstat des Helden im blauen Strampelanzug verursacht schon Kopfschütteln ("Warte mal, vor zwanzig Minuten war er doch noch… Und jetzt kann er…? Hmmm….").
Der einzige Punkt, bei dem im Drehbuch Singers Einfluss deutlich wird, ist sein Versuch, eine Parabel um Väter und Söhne aufzubauen, inklusive "Pro Adoptionen"-Fazit. Singer ist selbst adoptiert und versucht hier sowohl, seinen Pflegeeltern ein kleines Denkmal zu setzen, als auch über Väter, die ihre Söhne verlassen, zu philosophieren. Ein eigentlich akzeptabler Subtext, der aber für den Fall eines Sequels bereits Probleme aufwirft und zudem psychologische Konflikte anbahnt, die in der Superman-Franchise nicht wirklich gut aufgehoben sind.
Kurz gesagt: Schon beim ersten Teil des Neustarts schreibt sich die Superman-Reihe in eine Ecke, aus der sie so ohne weiteres nicht herauskommt. Abgesehen davon, dass bei aller Freude über (zumindest versuchte) Charaktertiefe eines abhanden kommt: Spaß. Und dass dies immer noch ein Teil einer Comicverfilmung sein sollte, das haben zumindest die vorhergehenden ersten beiden Filme der Reihe verstanden und (manchmal zu sehr) beherzigt. Vielleicht liegt es auch an dem anderen Subtext (Superman als Jesus-Figur), der zwar ohne Zweifel seine Momente hat, aber doch am Ende den Film in ein zu enges Korsett aus Schwermütigkeit und Verzicht schnürt.

Nun ist das Drehbuch ja nur ein Aspekt, und ohne Zweifel wird das Gemäkel daran wieder als die Begehrlichkeiten des Filmsnobs gebrandmarkt werden, der die Intentionen des Films verkennt. Aber in diesem Falle hieße dieses Argument, die Intentionen des Regisseurs zu verkennen. Denn Singer will eben nicht nur reine Popcornunterhaltung bieten, sondern sie mit psychologischer Tiefe und Reife anreichern. Dass er dies kann, hat er mit den "X-Men" bewiesen. Dass er darin auch scheitern kann, beweist jetzt der mindestens 20 Minuten zu lange "Superman Returns". Singers Erfolglosigkeit mit dem Material erinnert ein wenig an Ang Lees "Hulk", der ebenfalls die lobenswerte Absicht hatte, Popcorn-Action und Charaktertiefe zu vereinen, und irgendwo bei beidem scheiterte.
Sicher kann man geflissentlich über so manche inhaltliche Schwäche hinwegsehen, wenn denn der Film einen als reiner Action- und Effektkracher aus dem Kinosessel haut. Gehauen wird hier aber nicht. Das soll jetzt nicht undankbar klingen, aber selbst die Effekte sind nur so lala. Man ist vielleicht verwöhnt nach all den Spektakeln à la "Herr der Ringe", aber auch visuell bietet dieser Film nichts, was man nicht begeisternder schon irgendwo anders gesehen hätte. Dies war ja bei allen Schwankungen in Tempo und Ton die große Stärke des Originalfilms, dass er die Zuschauer damals mit seinen Actionszenen wirklich in Staunen und Begeisterung versetzen konnte. Dies ist heutzutage natürlich nicht mehr so leicht, aber die relativ lustlose Inszenierung der manchmal auch zu deutlich aus dem Rechner kommenden set pieces lässt diese vorbeiziehen, ohne dass man so recht involviert war.
Was natürlich auch mit der Figur Superman selbst zu tun hat. Da er ein rein physisch quasi unbegrenzt starker Charakter ist, ist die Frage ja nicht: "Wird er es schaffen?", sondern "Wie groß wird der Felsen diesmal sein, den er hochheben muss?". Da muss man dann schon ein bisschen um die Ecke denken, um das Ganze mitreißend und wirklich spannend zu inszenieren. Wie in allen Bereichen bleibt dies auch hier aus, und damit auch der Aha-Effekt. Natürlich kriegt der Zuschauer für sein Geld einiges zu sehen (beeindruckend sicherlich ein Flugzeugabsturz, den es aufzuhalten gilt), aber wenn man sich überlegt, wie viel Geld diese Sequenzen gekostet haben, macht sich doch Ernüchterung breit. So viel Geld für so wenig?

So könnte man auch den gesamten Film zusammenfassen, und das Ganze dann abwandeln in "zu viel Geld für zu wenig". Einen schlechten Film hat Singer nicht gemacht, nur einen äußerst mittelprächtigen. Aber wer will für 240 Millionen Dollar schon einen mittelprächtigen Film? Das teuerste Mittelmaß der Welt haben wir hier vor uns, und das kann nicht reichen, kann nicht zufrieden stellen. Dies ist absolut annehmbare Popcorn-Unterhaltung, aber man hat den Film schon eine halbe Stunde nach Abspann fast komplett vergessen. Nichts bleibt als besonders bemerkenswert im Gedächtnis hängen: keine einzige Zeile Dialog, keine fulminante Actionsequenz, kein erwähnenswerter Darsteller, der noch etwas rausreißt. Wenn man sich nach all dem Spektakel hauptsächlich an Kitty Kowalskis Kannibalenhündchen erinnert, ist irgendwas falsch gelaufen. Superman kehrt zurück - und wen interessiert's?

Simon Staake

5

Der Film ist nicht gerade der Brüller. Brandon Routh kommt auf keinen
Fall mit Christopher Reeve mit. Das Beste an dem Streifen ist der
Vorspann, fast wie im Original. Der Rest ist Durschschittsware. Aber
für gute Unterhaltung reicht es allemal.

9

Endlich mal ein Superman, der wie ein Außerirdischer wirkt. Endlich kriegen wir mal mit, dass der Mann aus Stahl auch eine Libido hat. Der Kampf Gott gegen Mann um eine Frau ist grandios inszeniert. Nicht zuletzt deshalb, weil der Zuschauer gegen Ende des Films immer stärker auf die Seite des "Sterblichen" gezogen wird.

Der Film ist um Längen besser

7

Der Film ist um Längen besser als die unsäglichen Teile 3 und 4: Kevin Spacey ist in seiner Rolle als Meisterverbrecher Lex Luthor einfach nur göttlich, Brandon Routh gibt einen souveränen Clark Kent/Superman und spektakuläre Special Effects sind auch genügend vorhanden. Minuspunkte sind die epische Länge und eine sehr dünne Story, angereichert mit einer ziemlich kitschigen Liebesgeschichte und einer unnötigen Erlösersymbolik.

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
16 + 3 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.