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"Ich liebe es!"
Ausnahmesituation in den USA: abgesehen von "Shrek 2"
und "Spiderman 2" beschäftigt sich die Kinowelt derzeit
vor allem mit zwei Dokumentarfilmen: Michael Moores "Fahrenheit
9/11" und Morgan Spurlocks "Super Size Me". Letzterer
spielte bereits über 5 Millionen Dollar ein und hielt sich
wochenlang in den Top 10, wo Filme dieser Machart normalerweise
nicht vertreten sind. Und warum die ganze Aufregung? Die Antwort
ist fast absurd: ein Mann beschließt, der Welt zu beweisen,
dass
Fast Food ungesund ist, indem er sich 30 Tage lang ausschließlich
von McDonald's ernährt. Der Mann heißt Morgan Spurlock,
kommt aus dem US Bundesstaat West Virginia und hat sich sein ganzes
Leben lang gesund ernährt. Erst zuhause bei Mama, und jetzt
bei seiner Freundin, einer veganischen Köchin. Die Idee kam
dem prämierten Produzenten, Stückeschreiber und Filmemacher,
als der Oberste Gerichtshof urteilte, McDonald's sei nicht für
die Fettleibigkeit zweier Jugendlicher verantwortlich, die den Konzern
deswegen verklagen wollten. Dem Urteil und der PR-Abteilung der
Fast-Food-Kette zu Folge ist das Essen von McDonald's also so gesund,
dass man es jeden Tag essen kann. Auch dreimal täglich. Auch
30 Tage lang.
Spurlock setzte sich für seinen Selbstversuch noch ein paar
weitere Regeln: Konsumiert wird nur, was es bei McDonald's zu kaufen
gibt (das heißt auch all seine Getränke erwarb er dort),
jedes Gericht auf der Karte muss mindestens einmal verzehrt werden.
Und wenn er von der Bedienung gefragt wird, muss er auch die angebotene
"Super Size"-Menüvariante essen, mit Cola und Pommes
in Riesengröße - bis zum Erbrechen ....
Nun wird sich mancher über die scheinbar überflüssige
Botschaft "Fast Food ist ungesund" wundern. Wussten wir
ja schon. Aber das Ausmaß dieses Experiments wird auch eingefleischten
McDonald's-Kunden den Appetit verderben: So bitten
die drei überwachenden Ärzte das Versuchskaninchen bereits
nach zwanzig Tagen, seine Diät abzubrechen, weil wider Erwarten
nicht nur sein Gewicht und seine Cholesterinwerte dramatisch nach
oben steigen, sondern auch der Zustand seiner Leber dank übermäßiger
Verfettung jetzt dem eines Alkoholkranken ähnelt. Auch Spurlocks
Psyche und seine Beziehung leiden zunehmend unter der Diät:
Müdigkeit, depressive Stimmungen und zunehmende Impotenz plagen
den Dokumentarfilmer, der bereits eindeutige Zeichen physischer
Abhängigkeit von McDonald's-Burgern aufweist.
Trotz seiner Originalität steht Morgan Spurlocks Film tief
in der Schuld dreier Pioniere: Schon 1906 schrieb der Amerikaner
Upton Sinclair mit "Der Dschungel" ein naturalistisches
Exposé über die katastrophalen Zustände der Fleischverarbeitung
in Chicago. Dort wurden vor allem Einwanderer ausgebeutet, die bei
der gefährlichen Arbeit ihre Gesundheit und ihr Leben aufs
Spiel setzten, um sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
eine Existenz zu schaffen. Die Arbeit musste so schnell gehen, das
jeglicher Dreck und auch die eine oder andere Ratte mit in der Wurst
landete. Präsident Theodore Roosevelt war von dem Bericht so
geschockt, dass er die Verabschiedung des Meat Inspection Acts veranlasste.
Auf einen ähnlichen Erfolg hoffte knapp ein Jahrhundert später
Eric Schlosser: Sein Buch "Fast Food Nation" beschreibt,
wie nun Mexikaner statt Litauer ihr Leben am Fließband gefährden,
und wie das Hackfleisch mit Fäkalien verunreinigt wird (wer
Schlosser in "Super Size Me" vermisst: ein Interview mit
ihm war aus Termingründen nicht möglich, wird aber auf
der DVD nachgereicht werden).
Doch
bekanntlich erreichen auch solche Bestseller nicht die breite Masse,
die die Nachricht empfangen soll. Diese zu erreichen ist Spurlocks
Ziel, und er ist auf dem besten Weg. Sein Selbstversuch ist überzeugend,
weil er nicht von oben herab anklagt. Ganz im Gegenteil, am ersten
Tag beißt er noch freudig in den Big Mac, einer willkommenen
Abwechslung von der übergesunden Küche seiner Freundin.
Dies erinnert mal wieder an Michael Moore, Spurlocks drittes deutliches
Vorbild, dessen Kritik an der National Rifle Association in "Bowling
for Columbine" umso wirksamer war, weil er selbst Mitglied
im Verein ist. Außerdem etablierte Moore den Dokumentarfilm
als Kassenschlager im Kino, nicht nur auf Arte. Morgan Spurlock
teilt mit Moore hingegen seinen inszenatorischen Ansatz, aber (noch)
nicht die Radikalität der Methoden: Anstatt sich mit ein paar
fettleibigen Teenagern und reichlich Journalisten bei McDonald's
in die Chefetage durchzukämpfen, versucht Spurlock brav übers
Telefon, ein Interview zu vereinbaren - ungefähr 20 mal, stets
vergeblich.
Spurlocks Film ist keine langweilige Anhäufung von Statistiken,
sondern macht richtig Spaß. Kurzweilig, humorvoll und mit
jeder Menge guter Gags präsentiert Spurlock Arztbesuche, Interviews
und einen Streifzug durch die absurdesten Auswüchse der Fast-Food-Kultur.
Der eigens für den Film komponierte Song "Super Size Me"
bringt einen sofort in die richtige Stimmung, und die künstlerischen
Zwischentitel verdienen es, im Museum zu hängen, oder besser
noch an der Wand bei McDonald's.
Einziger
nennenswerter Kritikpunkt ist, dass bei Morgan Spurlock wie auch
in der amerikanischen Verfassung alle gleich sind, und er so die
soziale Problematik hinter seinem Thema weitestgehend verschweigt.
Bei aller Liebe zur political correctness wird man bei genauerem
Hinsehen feststellen, dass Fettleibigkeit eher oft als selten an
Armut und minderbemittelte Bevölkerungsgruppen gebunden ist,
und davon gibt es in den USA mehr als man glaubt. Spurlocks Beispiele
sind aber fast ausschließlich weiße, durchaus besser
verdienende Amerikaner. Die Realität sieht hingegen so aus,
dass Leute mit Geld es einfacher haben, sich gut zu ernähren.
Wer kein Geld hat, wird nicht im überteuerten Wholefoods Bio-Supermarkt
(von denen es ja schließlich genug gibt) einkaufen, sondern
seine Kinder mit dem Dollar-Menu bei McDonald's sättigen. Damit
werden die Menschen dann schon im Kindesalter als Kunden gewonnen,
was Spurlock wiederum sehr überzeugend zeigt. Das Resultat
ist, dass durch Fettleibigkeit verursachte Diabetes bald das Rauchen
als häufigste verhinderbare Todesursache in den USA überholen
wird.
"Super Size Me" hat bis jetzt nicht nur unzählige
filmische Auszeichnungen bekommen (unter anderem den Regie Preis
des Sundance Film Festivals), sondern sorgte auch schon für
die Abschaffung der "Super Size"-Menüs in den USA.
Stattdessen macht McDonald's wie verrückt Werbung für
Salate, was natürlich NICHTS mit diesem Film zu tun hat. Allerdings
wissen Kinogänger nach diesem Film, das der Salat mit Dressing
bei McDonald's genauso kalorienhaltig ist wie ein Burger. Also:
Ansehen, ekeln, und hinterher Salat selbermachen!
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Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mehrheit der Amerikaner natürlich weiß, dass die zwei Teenager, die Mc Donalds verklagt haben, eigentlich nur Geld damit verdienen wollten. Das Image der gegen jeden und alles klagenden Amerikaner ist nicht nur unwahr, sondern auch sehr unbeliebt bei den Amerikanern selbst. Als netter Seiteneffekt ist aber immer die zusätzliche Medienaufmerksamkeit am Thema zu nennen. Diese kann man fast generell nur durch entsprechende Klagen erreichen.
Was Spurlock hier macht ist nicht NUR sich dümmer stellen als er ist. Und er weiß auch, dass es ungesund ist, jeden Tag 3 mal Mc Donalds zu essen. Nichtsdestotrotz hat Mc Donalds eine Einteilung für seine Kunden und dabei wird deutlich, dass über 22% der Kunden als Super Heavy Users gelten. Also Kunden, die sehr sehr oft bei Mc Donalds essen gehen. Was er hier zeigt ist nicht nur, dass diese Kunden existieren, wie genau Kundenfang (und vor allem Kinderfang) betrieben wird, sondern auch wie verheerend die medizinischen Schäden waren.
Wo selbst eine staatliche Behörde Schulen mit scheußlichen Lebensmitteln versorgt, brauch man sich nicht wundern, wenn schon bei Kindern Fettleibigkeit auftritt. Und viele Kinder besitzen nicht das Einschätzungsvermögen, sich die einigermaßen gesunde Variante des Mittagessens auszusuchen. Außerdem werden die psychologischen Wirkungen und die physische Abhängigkeit sehr glaubhaft dargestellt.
Zusammenfassend: Dieser Film ist zeigt Zustände, die beunruhigend sind und nicht nur auf die USA beschränkt. Dass Spurlock Mc Donalds ist, ist eher ein Gimmick, nebenbei legt er die Fakten dar. Und die sind erschreckend. Nicht, dass (wie in einem oberen Thread beschrieben) der gehobene Intellektuelle das nicht wüsste, aber genau die sind nicht die Zielgruppe. Allerdings wundert man sich schon, wie viele gut gebildete Menschen tagtäglich Scheiße in sich hinein stopfen, obwohl sie das Geld hätten.
Schwachpunkt: Zusätzlich zum in der Kritik genannten Punkt, hätte ich gerne ein paar mehr Fakten über die volkswirtschaftliche Belastung an zentraler Stelle gesehen.
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