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Super Size Me

Super Size Me
dokumentation , usa 2003
original
super size me
regie
morgan spurlock
drehbuch
morgan spurlock
cast
morgan spurlock,
dr. daryl isaacs,
dr,
lisa ganjhu,
dr. stephen siegel, u.a.
spielzeit
96 Minuten
kinostart
15. Juli 2004
homepage
http://www.super-size-me.de/
bewertung

9 von 10 Augen

 

"Ich liebe es!"

Ausnahmesituation in den USA: abgesehen von "Shrek 2" und "Spiderman 2" beschäftigt sich die Kinowelt derzeit vor allem mit zwei Dokumentarfilmen: Michael Moores "Fahrenheit 9/11" und Morgan Spurlocks "Super Size Me". Letzterer spielte bereits über 5 Millionen Dollar ein und hielt sich wochenlang in den Top 10, wo Filme dieser Machart normalerweise nicht vertreten sind. Und warum die ganze Aufregung? Die Antwort ist fast absurd: ein Mann beschließt, der Welt zu beweisen, dass Fast Food ungesund ist, indem er sich 30 Tage lang ausschließlich von McDonald's ernährt. Der Mann heißt Morgan Spurlock, kommt aus dem US Bundesstaat West Virginia und hat sich sein ganzes Leben lang gesund ernährt. Erst zuhause bei Mama, und jetzt bei seiner Freundin, einer veganischen Köchin. Die Idee kam dem prämierten Produzenten, Stückeschreiber und Filmemacher, als der Oberste Gerichtshof urteilte, McDonald's sei nicht für die Fettleibigkeit zweier Jugendlicher verantwortlich, die den Konzern deswegen verklagen wollten. Dem Urteil und der PR-Abteilung der Fast-Food-Kette zu Folge ist das Essen von McDonald's also so gesund, dass man es jeden Tag essen kann. Auch dreimal täglich. Auch 30 Tage lang.
Spurlock setzte sich für seinen Selbstversuch noch ein paar weitere Regeln: Konsumiert wird nur, was es bei McDonald's zu kaufen gibt (das heißt auch all seine Getränke erwarb er dort), jedes Gericht auf der Karte muss mindestens einmal verzehrt werden. Und wenn er von der Bedienung gefragt wird, muss er auch die angebotene "Super Size"-Menüvariante essen, mit Cola und Pommes in Riesengröße - bis zum Erbrechen ....
Nun wird sich mancher über die scheinbar überflüssige Botschaft "Fast Food ist ungesund" wundern. Wussten wir ja schon. Aber das Ausmaß dieses Experiments wird auch eingefleischten McDonald's-Kunden den Appetit verderben: So bitten die drei überwachenden Ärzte das Versuchskaninchen bereits nach zwanzig Tagen, seine Diät abzubrechen, weil wider Erwarten nicht nur sein Gewicht und seine Cholesterinwerte dramatisch nach oben steigen, sondern auch der Zustand seiner Leber dank übermäßiger Verfettung jetzt dem eines Alkoholkranken ähnelt. Auch Spurlocks Psyche und seine Beziehung leiden zunehmend unter der Diät: Müdigkeit, depressive Stimmungen und zunehmende Impotenz plagen den Dokumentarfilmer, der bereits eindeutige Zeichen physischer Abhängigkeit von McDonald's-Burgern aufweist.

Trotz seiner Originalität steht Morgan Spurlocks Film tief in der Schuld dreier Pioniere: Schon 1906 schrieb der Amerikaner Upton Sinclair mit "Der Dschungel" ein naturalistisches Exposé über die katastrophalen Zustände der Fleischverarbeitung in Chicago. Dort wurden vor allem Einwanderer ausgebeutet, die bei der gefährlichen Arbeit ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzten, um sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine Existenz zu schaffen. Die Arbeit musste so schnell gehen, das jeglicher Dreck und auch die eine oder andere Ratte mit in der Wurst landete. Präsident Theodore Roosevelt war von dem Bericht so geschockt, dass er die Verabschiedung des Meat Inspection Acts veranlasste. Auf einen ähnlichen Erfolg hoffte knapp ein Jahrhundert später Eric Schlosser: Sein Buch "Fast Food Nation" beschreibt, wie nun Mexikaner statt Litauer ihr Leben am Fließband gefährden, und wie das Hackfleisch mit Fäkalien verunreinigt wird (wer Schlosser in "Super Size Me" vermisst: ein Interview mit ihm war aus Termingründen nicht möglich, wird aber auf der DVD nachgereicht werden).
Doch bekanntlich erreichen auch solche Bestseller nicht die breite Masse, die die Nachricht empfangen soll. Diese zu erreichen ist Spurlocks Ziel, und er ist auf dem besten Weg. Sein Selbstversuch ist überzeugend, weil er nicht von oben herab anklagt. Ganz im Gegenteil, am ersten Tag beißt er noch freudig in den Big Mac, einer willkommenen Abwechslung von der übergesunden Küche seiner Freundin. Dies erinnert mal wieder an Michael Moore, Spurlocks drittes deutliches Vorbild, dessen Kritik an der National Rifle Association in "Bowling for Columbine" umso wirksamer war, weil er selbst Mitglied im Verein ist. Außerdem etablierte Moore den Dokumentarfilm als Kassenschlager im Kino, nicht nur auf Arte. Morgan Spurlock teilt mit Moore hingegen seinen inszenatorischen Ansatz, aber (noch) nicht die Radikalität der Methoden: Anstatt sich mit ein paar fettleibigen Teenagern und reichlich Journalisten bei McDonald's in die Chefetage durchzukämpfen, versucht Spurlock brav übers Telefon, ein Interview zu vereinbaren - ungefähr 20 mal, stets vergeblich.
Spurlocks Film ist keine langweilige Anhäufung von Statistiken, sondern macht richtig Spaß. Kurzweilig, humorvoll und mit jeder Menge guter Gags präsentiert Spurlock Arztbesuche, Interviews und einen Streifzug durch die absurdesten Auswüchse der Fast-Food-Kultur. Der eigens für den Film komponierte Song "Super Size Me" bringt einen sofort in die richtige Stimmung, und die künstlerischen Zwischentitel verdienen es, im Museum zu hängen, oder besser noch an der Wand bei McDonald's.
Einziger nennenswerter Kritikpunkt ist, dass bei Morgan Spurlock wie auch in der amerikanischen Verfassung alle gleich sind, und er so die soziale Problematik hinter seinem Thema weitestgehend verschweigt. Bei aller Liebe zur political correctness wird man bei genauerem Hinsehen feststellen, dass Fettleibigkeit eher oft als selten an Armut und minderbemittelte Bevölkerungsgruppen gebunden ist, und davon gibt es in den USA mehr als man glaubt. Spurlocks Beispiele sind aber fast ausschließlich weiße, durchaus besser verdienende Amerikaner. Die Realität sieht hingegen so aus, dass Leute mit Geld es einfacher haben, sich gut zu ernähren. Wer kein Geld hat, wird nicht im überteuerten Wholefoods Bio-Supermarkt (von denen es ja schließlich genug gibt) einkaufen, sondern seine Kinder mit dem Dollar-Menu bei McDonald's sättigen. Damit werden die Menschen dann schon im Kindesalter als Kunden gewonnen, was Spurlock wiederum sehr überzeugend zeigt. Das Resultat ist, dass durch Fettleibigkeit verursachte Diabetes bald das Rauchen als häufigste verhinderbare Todesursache in den USA überholen wird.
"Super Size Me" hat bis jetzt nicht nur unzählige filmische Auszeichnungen bekommen (unter anderem den Regie Preis des Sundance Film Festivals), sondern sorgte auch schon für die Abschaffung der "Super Size"-Menüs in den USA. Stattdessen macht McDonald's wie verrückt Werbung für Salate, was natürlich NICHTS mit diesem Film zu tun hat. Allerdings wissen Kinogänger nach diesem Film, das der Salat mit Dressing bei McDonald's genauso kalorienhaltig ist wie ein Burger. Also: Ansehen, ekeln, und hinterher Salat selbermachen!

Anna Plumeyer

9

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mehrheit der Amerikaner natürlich weiß, dass die zwei Teenager, die Mc Donalds verklagt haben, eigentlich nur Geld damit verdienen wollten. Das Image der gegen jeden und alles klagenden Amerikaner ist nicht nur unwahr, sondern auch sehr unbeliebt bei den Amerikanern selbst. Als netter Seiteneffekt ist aber immer die zusätzliche Medienaufmerksamkeit am Thema zu nennen. Diese kann man fast generell nur durch entsprechende Klagen erreichen.
Was Spurlock hier macht ist nicht NUR sich dümmer stellen als er ist. Und er weiß auch, dass es ungesund ist, jeden Tag 3 mal Mc Donalds zu essen. Nichtsdestotrotz hat Mc Donalds eine Einteilung für seine Kunden und dabei wird deutlich, dass über 22% der Kunden als Super Heavy Users gelten. Also Kunden, die sehr sehr oft bei Mc Donalds essen gehen. Was er hier zeigt ist nicht nur, dass diese Kunden existieren, wie genau Kundenfang (und vor allem Kinderfang) betrieben wird, sondern auch wie verheerend die medizinischen Schäden waren.
Wo selbst eine staatliche Behörde Schulen mit scheußlichen Lebensmitteln versorgt, brauch man sich nicht wundern, wenn schon bei Kindern Fettleibigkeit auftritt. Und viele Kinder besitzen nicht das Einschätzungsvermögen, sich die einigermaßen gesunde Variante des Mittagessens auszusuchen. Außerdem werden die psychologischen Wirkungen und die physische Abhängigkeit sehr glaubhaft dargestellt.

Zusammenfassend: Dieser Film ist zeigt Zustände, die beunruhigend sind und nicht nur auf die USA beschränkt. Dass Spurlock Mc Donalds ist, ist eher ein Gimmick, nebenbei legt er die Fakten dar. Und die sind erschreckend. Nicht, dass (wie in einem oberen Thread beschrieben) der gehobene Intellektuelle das nicht wüsste, aber genau die sind nicht die Zielgruppe. Allerdings wundert man sich schon, wie viele gut gebildete Menschen tagtäglich Scheiße in sich hinein stopfen, obwohl sie das Geld hätten.

Schwachpunkt: Zusätzlich zum in der Kritik genannten Punkt, hätte ich gerne ein paar mehr Fakten über die volkswirtschaftliche Belastung an zentraler Stelle gesehen.

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