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Stoned

Stoned
biografie , großbritannien 2006
original
stoned
regie
stephen woolley
drehbuch
robert wade, near purvis
cast
paddy considine,
david morissey,
leo gregory,
monet mazur, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
15. Juni 2006
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

 

Filme über von Alkohol- und Drogenproblemen geplagte Musiklegenden sind ja zur Zeit recht populär, aber im Gegensatz zu Johnny Cash oder Ray Charles handelt es sich bei Brian Jones um eine sehr britische Angelegenheit. Und vor allem ging sie nicht gut aus, denn das Gründungsmitglied der Rolling Stones fand man 1969 nach einer wilden Nacht tot in seinem Swimmingpool. Wie bei allen jung gestorbenen Popkultur-Ikonen ranken sich auch um diesen zunächst eindeutig erscheinenden Unglücksfall mittlerweile diverse Mord- und Verschwörungstheorien. Eine davon macht man sich nun für das Biopic "Stoned" zu Eigen: Mit dem braven Architekten Frank Thorogood (Paddy Considine) holt sich der von psychedelischen Räuschen und erotischen Exzessen gezeichnete Brian Jones (Leo Gregory) das Unglück in sein nobles Landhaus. Thorogood soll eigentlich das Anwesen neu gestalten, verzettelt sich jedoch mit seiner Arbeit und taucht dafür immer weiter in die ihm bisher unbekannte Welt des Rockstars ein. Sein Verhältnis zu Jones entwickelt sich dabei zu einer gefährlichen Mischung aus Freund und Aufpasser, immer wieder bestimmt von Demütigungen, Psychospielen und Verletzungen.

Den "Aufstieg und Fall des legendären Rolling Stones-Gründers" will man uns hier laut Eigenwerbung präsentieren, zeigt aber tatsächlich doch nur dessen Fall. Denn der Film konzentriert sich auf die letzten Monate im Leben von Brian Jones, als er schon nicht mehr in der Lage war an den Auftritten und Aufnahmen der Band teilzunehmen und schließlich auch aus dieser ausgeschlossen wurde. Zwar gibt es Rückblicke auf die früheren Jahre, aber auch da geht es dann weniger um die Glanzzeiten und Erfolge des Brian Jones, sondern vornehmlich um Konflikte im Elternhaus oder die Beziehungsprobleme mit dem damaligen Topmodel Anita Pallenberg, die schließlich von Jones zu Keith Richards wechselte.
Das eine (Elternhaus) präsentiert uns Regisseur Woolley dabei in Schwarzweiß, das Andere (frühe Tourneen) dagegen in grobkörnigen und verwaschenen Bildern, ohne dass man so recht weiß warum. Vielleicht um ein bisschen Abwechslung in seinen ansonsten sehr behäbig inszenierten Film zu bringen? Von der Wildheit und dem Glamour der wilden 60er ist hier nämlich ansonsten nicht viel zu spüren, vor allem das Leben in Brian Jones' Landhaus plätschert trotz der Anwesenheit barbusiger Schönheiten eher gelangweilt vor sich hin, so dass man schon einen extrem biederen Charakter wie den Architekten Thorogood dort hineinsetzen muss, damit dieser dann der "Faszination" des Treibens erliegen kann.

In der Rolle dieses verunsicherten Normalbürgers bietet Paddy Considine auch die überzeugendste Leistung in einem ansonsten nur durchschnittlich aufspielenden Ensemble. Leo Gregory kann man bei seinem Brian Jones für die unglaubliche Frisur ja aufgrund der historischen Fakten keinen Vorwurf machen, ansonsten passt sich seine Darstellung der komatösen Gesamtsituation an. Ein wenig überraschen kann immerhin David Morissey als quirliger und dabei dann doch gar nicht so eindimensionaler Manager, denn nach seinem völlig missratenen Auftritt in "Basic Instinct 2" durfte man da Schlimmeres befürchten.
Und was ist mit den beiden Stones-Legenden Jagger und Richards? Deren Rollen hat man anscheinend bewusst klein gehalten. Einerseits vielleicht um sich nicht allzu sehr aufgrund mangelnder Ähnlichkeit zu blamieren, andererseits aber wohl auch, weil dieser Film ohne den entsprechenden Segen der Betroffenen produziert werden musste. Daher gibt es hier auch keine echten Stones-Songs, was doch schon etwas befremdlich anmutet. Angesichts der mittelmäßigen Inszenierung dieses angeblichen "Herzensprojekts" war es aber vielleicht auch die richtige Entscheidung der rollenden Steine, den Verantwortlichen hinsichtlich dieser Anfrage einfach die rote Zunge rauszustrecken.

Trotz allem ist "Stoned" aber nicht uninteressant, zumindest für diejenigen, die sich für diese Zeit und die Hintergründe der bisher nur in zig Musikmagazinen aufgerollten Geschichte interessieren. Die letztendlich präsentierte Mordtheorie wirkt dabei nicht ganz überzeugend, beruft sich aber angeblich auf entsprechende Geständnisse des Verantwortlichen auf dem Sterbebett. Nun ja, als absolute Wahrheit darf man diese Version sicher trotzdem nicht nehmen, aber wie gesagt: Durchaus interessant das Ganze und zumindest zeitweilig unterhaltsam, aber sicher kein großer Wurf.

Volker Robrahn

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