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Stealing Rembrandt

Stealing Rembrandt
tragikomödie , dänemark 2003
original
rembrandt
regie
jannik johansen
drehbuch
anders thomas jensen
cast
lars brygmann,
nicolas bro,
nikolaj coster-waldau,
sonja richter, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
12. August 2004
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Der Mann heißt Anders Thomas Jensen, und wenn wir hier bei uns mal eine dänische Kinoproduktion zu sehen bekommen, dann hat er garantiert seine Finger drin. Ob "nur" als Autor, wie in diesem Fall, sowie für "Wilbur Wants to Kill Himself" und dem Halbklassiker "In China essen sie Hunde" oder gleich auch als Regisseur bei den schon bald anlaufenden "Dänischen Delikatessen". Auszeichnen tun sich diese Filme immer durch eine Ansammlung leicht schrulliger Charaktere, sowie ein gehöriges Maß an sehr schwarzem Humor. Ersteres gilt auch für "Stealing Rembrandt", doch bei letzterem hält sich Jensen diesmal erstaunlich zurück. Denn dies ist in erster Linie eine sympathische Parabel über Freundschaft und Familie, eingebettet in die Rahmenhandlung um den wohl kuriosesten Kriminalfall der jüngeren dänischen Geschichte.

Und die geht so: Kaum hat er seinen letzen Knastaufenthalt hinter sich gebracht, plant Kleinganove Mick bereits die nächste Geldbeschaffungsmaßnahme. Eine absolut illegale selbstverständlich, denn das ist quasi Familientradition - sowohl sein Vater als auch der Sprössling des notorisch Kriminellen haben die örtliche Besserungsanstalt schon mehrfach von innen gesehen. Das neueste Ding verspricht dabei recht leicht verdientes Geld: Aus dem örtlichen Museum ein eher unwichtiges Gemälde zu stehlen, dass der Auftraggeber gern wieder im Familienbesitz hätte. Zusammen mit ihren jeweils besten Kumpels ziehen Vater und Sohn die Sache auch erfolgreich durch, bis sich herausstellt, dass die Kunstbanausen statt des eigentlichen Zielobjekts doch tatsächlich Dänemarks einzigen echten Rembrandt eingesackt haben. Die nationale Aufregung ist groß und die Verwirrung unter der mit der neuen Situation hoffnungslos überforderten Gruppe ebenfalls. Was tun, fragt man sich und schließt dabei keine Lösung so einfach aus: Von einem Verkauf an ziemlich gefährliche asiatische Unterweltler, über eine freiwillige Übergabe an die Polizei bis zur feierlichen Verbrennung des Kunstschatzes wird alles in Erwägung gezogen. Aber schließlich siegen die Gier und die Vorstellung, sich auf einen Schlag aller Sorgen entledigen zu können. Und von da an wird es reichlich brenzlig für das nicht allzu homogene Kleeblatt.

Eine doch sehr unwahrscheinliche Geschichte möchte man meinen, wenn sie denn nicht tatsächlich passiert wäre: Vor einigen Jahren entwendeten Diebe aus eben jenem Kopenhagener Museum einen dort völlig ungesichert ausgehängten Rembrandt. Ein Museum, das dabei auch nur von einem einzigen älteren Wärter bewacht wurde. Das hat sich mittlerweile natürlich geändert, taugt aber eben allemal noch als sehr reizvolle Filmidee.
Was die tatsächlichen Gauner damals so für Menschen waren ist nicht überliefert, aber für seinen Film hat sich Anders Thomas Jensen gleich einen eigenen sozialen Mikrokosmos geschaffen. Für Mick und Konsorten stellt sich die Frage nach dem Sinn und der Moral ihres Handelns dabei überhaupt nicht - sind sie doch in einem Milieu verwurzelt, in dem eben jeder auf diese Weise versucht sich durchzuschlagen und in dem man halt von den zwölf Monaten eines Jahres im Schnitt 3-4 im Knast verbringt. Da ist es dann auch nicht schlimm, wenn Micks Nachbar nachts in dessen Haus einbricht weil er gehört habe, dass es dort was Wertvolles zu holen gäbe. "Hey, ich musste es doch wenigstens versuchen" erläutert der auf frischer Tat Ertappte und vergisst dabei auch nicht, Mick zum nächsten Fußballspiel einzuladen. Einer bescheißt hier den Anderen, aber keiner nimmt das wirklich persönlich. Wobei dieses armselige Leben trotz aller eingestreuter Komik auch als genau das gezeigt wird: Nämlich als das deprimierende Dasein von Verlierern der Gesellschaft. Angefangen bei dem von Mick, der seinen Sohn Tom meist nur dann trifft wenn der eine ins Gefängnis rein und der Andere gerade wieder raus geht. Der nicht weiß, wie er mit Tom umgehen soll, seit dessen Mutter sich das Leben nahm. Der seine neue Freundin Trine immer wieder enttäuscht, während diese sich wünscht an ihre Vergangenheit als Pornodarstellerin nicht ständig erinnert zu werden. Von Micks bestem Kumpel Kenneth, der sich mit seiner Spielsucht immer wieder in große Schwierigkeiten bringt und von Toms Kumpel Jimmy, einem fetten und fettigen Comic- und Computerfreak.

Nun möge aber bitte keiner aus dieser Beschreibung den voreiligen Schluss ziehen, "Stealing Rembrandt" sein eine deprimierende Sozialstudie, die man sich doch vielleicht besser ersparen könne. Denn was diesen Film dann letztendlich doch zu einem sehenswerten und interessanten Erlebnis macht, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen, und dies lautet "Warmherzigkeit". Dem Team von Autor, Regisseur und Darstellern gelingt es nämlich ganz wunderbar, durch zahlreiche schöne kleine Momente das Häuflein der versammelten Loser zu einem äußerst sympathischen und liebenswerten zu machen. Wenn Mick es endlich schafft, seinem Sohn zu zeigen, dass er sich Sorgen um ihn macht. Wenn der Nerd Jimmy durch den unter seinem Bett versteckten Rembrandt plötzlich seine Begeisterung für alte Kunst entdeckt und daraufhin seine Comicsammlung verkauft. Wenn sogar der ermittelnde Kommissar Mick eigentlich gar nicht verhaften möchte, weil er seinen Stammkunden im Grunde mag. Und vor allem dann, wenn dieser Mick seiner Trine das Frühstück ans Bett bringt. Denn die weiß genau, dass er das immer nur dann tut, wenn sein nächster Aufenthalt im Gefängnis kurz bevorsteht. Und so führt dann ein harmloser Satz wie "Schatz, ich habe Frühstück gemacht" zu einem entsetzen "Oh nein" von Trine.
Schön ist das und rührend, nützt ja alles nix. Und diese Momente sind dann das, was neben einer originellen, aber eben auch ab und zu sehr konstruierten Handlung, und ein paar netten Gags hängen bleibt von "Stealing Rembrandt". Steht ihm ganz gut, dem Herrn Jensen, diese neue "sanfte Seite".

 
Volker Robrahn

10

SAT1 Filme hahahahahahahahahahahahaha

Du vogel hast doch echt kein Plan

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