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State of Play - Stand der Dinge

State of Play - Stand der Dinge
polit-thriller , usa 2009
original
state of play
regie
kevin macdonald
drehbuch
matthew michael carnahan, tony gilroy, billy ray
cast
russell crowe,
ben affleck,
rachel mcadams,
robin wright penn,
jeff daniels,
helen mirren, u.a.
spielzeit
127 Minuten
kinostart
18. Juni 2009
homepage
http://www.state-of-play.de
bewertung

7 von 10 Augen

 

Der klassische Polit-Thriller hatte seine Glanzzeit ohne Zweifel in den 70er Jahren, als Francis Ford Coppola den "Dialog" führte und insbesondere Robert Redford im Namen der Wahrheit ermittelte, sei es als Getriebener in "Die drei Tage des Condor" oder gemeinsam mit Dustin Hoffman als hartnäckiger Journalist in "Die Unbestechlichen". In diese Liga ordnet sich nun "State of Play" im Presseheft gleich mal selbst ein und greift damit dann erwartungsgemäß doch ein wenig zu hoch. Aber auch nur ein wenig, denn der spannende Film von Kevin Macdonald kann größtenteils überzeugen, auch wenn er seine Schwerpunkte eigentlich ganz woanders setzt als bei den üblen Machenschaften der Strippenzieher in den feinen Anzügen.

Als ein Kleinganove ermordet wird, ist das für den erfahrenen Journalisten Cal McAffrey (Russell Crowe) zunächst kein besonders aufregender Fall. Als aber die attraktive Assistentin des Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck) am nächsten Morgen vor einen Zug gestoßen wird und Cal kurze Zeit später eine Verbindung zwischen den beiden Morden entdeckt, ist er plötzlich wie elektrisiert. Denn zum Abgeordneten hat er eine ganz besondere freundschaftliche Beziehung, die auch dessen Frau Anne (Robin Wright Penn) mit einschließt. Während seine junge Kollegin Della (Rachel McAdams) sich eher auf das Klatschpotential stürzt, welches das angebliche Verhältnis des Abgeordneten mit seiner Assistentin hergibt, spürt der alte Fuchs Cal, dass hier mehr dahinter steckt. Denn der forsche Abgeordnete Collins hat sich ein paar mächtige Feinde gemacht und es scheint, als hielten diese nun wieder alle Hebel in der Hand.

Die Firma, die sich ihre staatlichen Millionenaufträge nicht so einfach verderben lassen will, heißt hier "Pointcorp", gemeint sind aber zweifellos die während der Zeit der Bush-Administration mit fragwürdigen Aufträgen bzw. Auslandmissionen verwöhnten Konzerne "Halliburton" und "Blackwater". Doch das es ein solches Gebaren gibt und die mächtigen "Suits" skrupellos vorgehen und gewaltig Dreck am Stecken haben, nimmt das von gleich drei Autoren verfasste Drehbuch im Grunde als gegeben hin und verkauft uns diese offensichtlichen Tatsachen daher auch nicht als bahnbrechende Neuigkeiten.
Stattdessen konzentriert sich Regisseur Macdonald direkt nach seinem Oscarprämierten "Letzten König von Schottland" erneut auf die Motivation seiner Charaktere, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen sich von den Verlockungen der Macht nicht komplett korrumpieren zu lassen. Der Abgeordnete Collins und der Journalist McAffrey verkörpern dabei die zwei Seiten der Medaille, denn nach gemeinsamer Studienzeit haben sie unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. Dass die ursprünglich für diese Rollen vorgesehenen Brad Pitt und Edward Norton dem Projekt den Rücken kehrten, hat dabei ausnahmsweise nichts mit Streitereien über die eingeschlagene Richtung zu tun, sondern ist ganz klar auf den letztjährigen Autorenstreik zurück zu führen, der für zeitliche Verschiebungen und daraus folgende Terminschwierigkeiten sorgte.
Doch traurig sein muss man deshalb nicht, denn die Leistung des Duos Ben Affleck/Russell Crowe lässt hier ebenfalls keine Wünsche offen. Affleck bemüht sich ja schon seit einiger Zeit um ein neues Image und ist mit Filmen wie "Die Hollywood-Verschwörung" oder "Gone Baby Gone" recht erfolgreich auf dem Wege sich als ernsthafter Schauspieler und Filmschaffender zu profilieren. Für die Rolle des idealistischen Politikers mit Schwächen ist er eine Idealbesetzung, was sich erwartungsgemäß auch über Russell Crowes Enthüllungsjournalisten sagen lässt. Da der Darsteller seinen Schmuddellook aus "Der Mann, der niemals lebte" gleich ans nächste Set mit rüber genommen hat, wirkt sein etwas zu dick, langhaarig und abgewrackt daherkommender Cal zunächst ein wenig wie aus der Klischeekiste gezogen, aber diesen Eindruck macht der charismatische Crowe durch eine überzeugende und engagierte Leistung dann schnell vergessen. Als der oft großmäulige Reporter plötzlich in die gefährliche Situation gerät einem mutmaßlichen Auftragskiller Auge in Auge gegenüberzustehen, da spürt man förmlich die Angst und Panik des um sein Leben fürchtenden Mannes, der sich zitternd in einer Garage versteckt.
Solche Momente gelingen längst nicht in jedem Film, hier aber bleibt das Bemühen um Realismus durchgehend spürbar. Fast durchgehend besser gesagt, denn ganz zum Schluss verlässt die Handlung zugunsten einiger spektakulärer Wendungen ein wenig den Pfad der nachvollziehbaren Realität und damit auch den der selbst zitierten Vorbilder, die solche Mätzchen früher nicht nötig hatten.

Was "State of Play" aber besonders interessant macht, ist der fortwährend im Hintergrund ablaufende Kampf des Reporters der alten Schule (verkörpert vom mit Notizblock ausgestatteten Haudegen Cal McAffrey) mit den neuen Spielregeln des bloggenden Online-Journalisten (in Person der jungen Reporterin Della). Dazu eine Zeitungschefin (dargestellt von Helen Mirren), die von den neuen renditeorientierten Eigentümern unter Druck gesetzt wird, andererseits aber ihren bewährten Mitarbeitern gegenüber Solidarität zeigen will und so bald zwischen allen Stühlen sitzt. Welcher Seite hier die Sympathien gehören bleibt dabei kein Geheimnis, denn als die Situation sich zuspitzt und es eng wird, zählt laut allen Beteiligten dann doch nur das klassische gedruckte Wort und der Frischling hat gelernt, worauf es in der Branche wirklich ankommt.
Dass man es sich damit ein wenig zu einfach macht, wissen wohl auch die Autoren, und so wirkt der Abspann, in dem wir noch einmal ausführlich den Ablauf vom fertig geschriebenen Artikel über die Rotationspresse bis zu den die frischen Druckerzeugnisse in der Morgendämmerung ausfahrenden Lastwagen verfolgen, wie ein melancholischer Abgesang auf die vom Aussterben bedrohte Zeitung alter Machart. Es ist eines der Anliegen von "State of Play" deutlich zu machen, wie schade es darum wäre.

Volker Robrahn

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