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St. Vincent

St. Vincent
tragikomödie , usa 2014
original
st. vincent
regie
ted melfi
drehbuch
ted melfi
cast
bill murray,
melissa mccarthy,
naomi watts,
terrence howard,
jaeden lieberher, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
8. Januar 2015
homepage
http://www.st-vincent-film.de
bewertung

8 von 10 Augen

st vincent 1Er gilt als der eigenwillige Kauz von Hollywood, nur schwer zu erreichen und auch äußerst schwer davon zu begeistern eine Rolle anzunehmen – wenn es sich nicht gerade um ein Projekt seines Kumpels Wes Anderson handelt. Dass Bill Murray die Figur des Misanthropen Vincent dann aber doch gereizt hat ist wenig verwunderlich, ist dieser Charakter doch so auf ihn zugeschnitten, dass er förmlich danach rief auch von ihm verkörpert zu werden. Und obwohl man deshalb schon im Vorfeld eine ziemlich genaue Vorstellung davon hat was einen bei „St. Vincent“ wohl erwartet, wird diese Erwartung nicht nur voll erfüllt, sondern durch die ausgezeichnete Regie und Figurenführung des Kinodebütanten Ted Melfi sogar ein Stück übertroffen.
 

st vincent 2Er gibt sich nicht gerade als Menschenfreund und macht mit seinem rauen Umgangston von vornherein deutlich, dass ihm eine gute Nachbarschaft herzlich egal ist. Jemand wie Vincent (Bill Murray) wäre wohl so ziemlich der Letzte, dem man sein Kind zur Aufsicht anvertraut, doch leider hat die alleinerziehende und beruflich stark eingespannte Mutter Maggie (Melissa McCarthy) keine andere Wahl. Und so gibt sie ihren 12jährigen Sohn Oliver mit eher ungutem Gefühl für ein paar Stunden in die Obhut des grummeligen Nachbarn, der sich diesen „Freundschaftsdienst“ auch prompt nach Stundenlohn bezahlen lässt. Und die Bedenken sind berechtigt, behält doch Vincent auch in Begleitung des Jungen einfach seinen gewohnten Tagesablauf bei. Und der besteht hauptsächlich aus Besuchen auf der Rennbahn, im Stripclub oder in der Kneipe um die Ecke. Aber sein Einfluss wirkt sich auch positiv aus, denn Oliver lernt durch Vincent sich gegen andere zu verteidigen,  entwickelt langsam mehr Selbstbewusstsein. Und er entdeckt schließlich was hinter dessen übellauniger Fassade wirklich steckt: Ein im Grunde gutherziger Mann, den die Schicksalsschläge des Lebens arg gebeutelt haben.
 

st vincent 3Oliver wird seinen neuen Freund später als jemanden bezeichnen, der ein verkannter Heiliger ist. Und dass es dem Film gelingt, diese Entwicklung des zunächst völlig unausstehlichen Miesepeters hin zu „St. Vincent“ glaubhaft zu vermitteln, ist eine beachtliche Leistung. Das rührende Finale lässt dabei selbst hartgesottenen Vielsehern ein wenig das Herz aufgehen, doch kitschig wird es deshalb trotzdem nicht. Autor und Regisseur Melfi findet eine wunderbare Mischung aus ernsthaftem Drama und lakonischer Komödie, die nur ganz selten unausgewogen wirkt, findet auch fast durchgehend genau den richtigen Ton. Dank des Vollblutkomödianten Bill Murray wird es mitunter sogar brüllend komisch, denn der beherrscht halt die Kunst, den Zuschauer in Situationen zum Lachen zu bringen, die für seine Figur eigentlich alles andere als angenehm oder gar lustig sind.

Wobei sich Verständnis für diesen Vincent erst langsam aufbaut, zu Beginn kann man über dessen Verhalten meist nur den Kopf schütteln, reitet er sich doch regelmäßig aus eigenem Verschulden in die Scheiße und ignoriert drohendes Unheil wie die Wett-Schulden bei seinen diversen Gläubigern. Aus dieser Not heraus macht er auch wirklich schlimme Dinge und wenn Vincent schließlich sogar Olivers Geld für seine Zwecke entfremdet, ist man hin und her gerissen zwischen Wut auf oder Mitgefühl für diesen verzweifelten Mann, der bei seiner Tat Tränen in den Augen hat.

Obwohl Murray praktisch allein für die (Tragi-)Komik des Films verantwortlich zeichnet, liefern auch die st vincent 4weiteren Darsteller Beachtliches ab. Der junge Jaeden Lieberherr zeigt als Oliver eine überzeugende Leistung, zu der sich selbst sein Filmpartner Bill Murray anerkennend äußert, der ansonsten freimütig zugibt, dass „es nicht immer ein Vergnügen ist mit Kindern zu arbeiten“. Naomi Watts ist zunächst kaum zu erkennen und überrascht mit ihrem Auftritt als aufgetakelte Stripperin, zudem ist es einfach eine Wohltat, Melissa McCarthy hier mal in etwas anderem als ihrer Standard-Rolle der lustigen und aufgedrehten Wuchtbrumme zu sehen. Ergänzt durch einen sehr schönen und stimmigen Soundtrack bietet „St. Vincent“ so eine äußerst gelungene Mischung aus feinem Witz und bewegendem Drama wie man sie nicht allzu oft zu sehen bekommt.

Volker Robrahn

Die Kritik trifft es auf den

8

Die Kritik trifft es auf den Punkt !

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