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Es ist ein wahrlich trauriges Erlebnis, wenn ein
bis dato als hochbegabt und innovativ angesehener Regisseur sich
in seinem Können plötzlich als sehr beschränkt erweist.
In der mittelschweren Katastrophe, die "Stürmische Liebe"
darstellt, ist das größte Unglück tatsächlich
die Erkenntnis, dass Guy Ritchie anscheinend doch nur einen großartigen
Film in sich hat - und den hat er schon vor fünf Jahren gemacht.
Als er 1998 mit "Bube, Dame, König, GrAs" debütierte,
erwies sich der Brite als der weitaus vielversprechendste von all
den Jungspunden, die sich vom Tarantino-Style inspirieren ließen.
Seine wahnwitzige Gangster-Farce mit achterbahnartigem Charakter-Karussell
war schnell, hochamüsant, frisch, abwechslungsreich und extrem
clever inszeniert - kurz, ein Kracher mit deutlich individueller
Handschrift. Ein so gelungenes Konzept, dass Ritchie es direkt noch
mal verwendete. Sein Nachfolger "Snatch
- Schweine und Diamanten" war im Prinzip derselbe Film
in Grün, und wirkte daher auch nur noch für die Leute
neu und brillant, die den Vorgänger nicht gesehen hatten. Der
Rest dachte sich: "Ganz nett, aber er kann ruhig auch mal was
anderes versuchen."
Nach seiner Etablierung in den Klatschschlagzeilen dieser Welt durch
die publicity-mäßig nicht unerhebliche Hochzeit mit Pop-Superstar
Madonna legt Ritchie nun seinen dritten Film vor, und erfüllt
die schlimmsten Befürchtungen. Denn "Stürmische Liebe"
scheitert nicht nur daran, dass Madonna trotz zahlreicher Versuche
immer noch keine gute Schauspielerin ist, sondern vor allem an der
offensichtlichen Unfähigkeit Ritchies, ein anderes Material
als seine temporeichen Farcen gekonnt umzusetzen.
Die Story ist dabei keine große Hilfe: ein Remake eines nicht
sonderlich bekannten italienischen Films aus den 70ern, rezitiert
"Stürmische Liebe" die schon mehrfach durchgekaute
Geschichte von zwei sehr gegensätzlichen Menschen, die zusammen
auf einer einsamen Insel stranden und sich wider Erwarten ineinander
verlieben. Alles nicht so wahnsinnig aufregend, doch die unüberraschende
Handlung ist nicht das Problem. Das liegt viel mehr in der Charakteretablierung:
Madonna spielt Amber, die Ehefrau eines schwerreichen Industriellen,
der gemeinsam mit Gattin und zwei befreundeten Paaren einen Mittelmeer-Urlaub
auf eigens angeheuerter
Yacht verbringt. Alle Passagiere sind hochgradig wohlstandsverwahrlost
und die Sorte von reichen gelangweilten Snobs, die meinen sich alles
erlauben zu können und dementsprechend Verachtung verdienen.
Amber hingegen schlägt sie alle: Eine miese Hexe der allerschlimmsten
Sorte, zickt sie permanent und unerträglich nicht nur Ehemann
und Freunde an, sondern auch die italienische Besatzung. Ihr primäres
Ziel ist der Fischer Giuseppe, der zu jeder Gelegenheit aufs Böseste
von ihr gepiesackt wird. Sein Moment der Rache kommt jedoch, als
er Amber per Motorschlauchboot zu einer Bucht fahren soll, auf dem
Meer ihr Motor verreckt und sie schließlich auf einer einsamen
Insel stranden. Verschollen und von der Zivilisation abgeschnitten,
dreht sich der Spieß nun um: Grundsätzliche Überlebensfähigkeit
ist gefragt und Geld wertlos, und Giuseppe genießt es, Ambers
Angebote von mehreren hundert Dollar für einen einzigen Bissen
Fisch auszuschlagen. Nun ist er in der Machtposition, und nutzt
dies gnadenlos aus.
Was
Giuseppe hier zunächst an den Tag legt ist eine Macho-Attitüde
par excellence. Er demütigt Amber wo er nur kann, bis sein
Charakter dort landet, wo sich Amber schon seit der ersten Filmminute
aufhält: Im Abgrund der Unsympathie. Womit das Kernproblem
von "Stürmische Liebe" schon fast erreicht wäre:
Eine Liebesgeschichte kann nur dann funktionieren, wenn das Publikum
zumindest ein bisschen Mitgefühl für die Hauptcharaktere
übrig hat und ihnen Glück wünscht. Dieses erzählerische
Grundprinzip wird hier komplett missachtet: Amber (und später
auch teilweise Giuseppe) erweist sich als dermaßen widerliche
Person, man wünscht sie vom ersten Moment an zum Teufel, hat
vielleicht schon Folterfantasien für diese unerträgliche
eingebildete Kuh, aber gönnt ihr ganz sicher kein romantisches
Liebesglück. Es erscheint als gänzlich unmöglich,
dieser Person irgendetwas positives abzugewinnen - dementsprechend
verständnislos muss man als Zuschauer dann auch reagieren,
als sich Amber und Giuseppe nach weiteren Angiftungen aus heiterem
Himmel dazu entschließen, sich doch toll zu finden. Von einer
Sekunde auf die andere verfliegt jeglicher Hass zwischen den beiden
und wird ausgetauscht gegen die titelgebende stürmische Liebe
- das Warum hat sich Guy Ritchie dabei allerdings ausgespart. Man
kann es wohl als unvermeidliche natürliche Reaktion ansehen,
dass ein Mann und eine Frau, die für mehrere Wochen alleine
auf einer Insel sitzen, irgendwann übereinander herfallen werden
um ihrem urzeitlichen Paarungstrieb zu frönen - wieso das dann
allerdings ohne jede Erläuterung gleich die große Liebe
bedeuten soll, das bleibt Ritchies Geheimnis.
Wenn
sich seine Geschichte spätestens hier in totaler Unglaubwürdigkeit
verliert, so ist Ritchies Inszenierung daran mitschuldig. Schon
in der Eröffnungssequenz wird deutlich, dass der Regisseur
seine bekannte Handschrift nicht ablegen kann: Tempospielereien,
schnelle Schnitte und Parallelmontagen bestimmen auch den Stil von
"Stürmische Liebe", sind hier allerdings vollkommen
fehl am Platze. Macht das permanente Angiften aller Passagiere auf
der Luxusyacht in der ersten halben Stunde noch ein bisschen Spaß,
wird spätestens nach den entscheidenden Handlungsentwicklungen
klar, dass Ritchie sich hier völlig im Ton vergriffen hat.
Solange er sich nur über verwöhnte Reiche lustig machen
will, ist sein farcenhafter Stil noch halbwegs akzeptabel, als er
jedoch beginnt, eine Liebesgeschichte zu erzählen, erweist
sich Ritchie als unfähig. Anders kann man es leider nicht sagen.
Andere Geschichten verlangen andere inszenatorische Herangehensweisen,
und entweder will Ritchie es nicht anders machen, oder er kann es
schlicht und ergreifend nicht. Charakterentwicklung und -vertiefung
musste er in seinen ersten beiden Filmen nicht leisten, weil diese
ohnehin so schnell und mit Figuren vollgestopft waren, dass dafür
keine Zeit blieb. Hier jedoch ist es essentiell, und geht komplett
schief. Genauso schief wie Ritchies Versuch, für das liebeslastige
Schlussdrittel ein paar romantisch-verklärte Gefühlsäußerungen
hinzukriegen: Die Dialoge tendieren hier stark Richtung vollkommen
lächerlich und werfen schon fast die Frage auf, wie unbeholfen
Ritchies Heiratsantrag an seine Superstar-Ehefrau geklungen haben
muss.
Dass er es mit inhaltlicher Nachvollziehbarkeit und Kohärenz
nicht so genau nimmt, beweist Ritchie dann schließlich am
Ende, wo er in zwei Minuten gleich drei idiotische Missverständnisse
kombiniert zu einem extrem unbefriedigenden Schluss ohne jede Aussage.
Ein letztes Mal bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig als
sich still zu fragen "Was zum Himmel soll das?", bevor
man resignierend mit den Schultern zuckt und das Kino mit der eingangs
erwähnten traurigen Erkenntnis verlässt, dass Guy Ritchie
wohl doch ein in seinen Fähigkeiten sehr eingeschränkter
Regisseur ist. Die eine Sache die er kann, kann er wirklich großartig.
Doch leider legt "Stürmische Liebe" die Vermutung
nahe, dass er nichts anderes kann. Wie gesagt, traurig, aber wahr.
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fand ihn sehr gut !!!
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