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Song for Marion

Song for Marion
tragikomödie , großbritannien 2012
original
song for marion
regie
paul andrew williams
drehbuch
paul andrew williams
cast
terence stamp,
gemma arterton,
vanessa redgrave,
christopher eccleston, u.a.
spielzeit
93 Minuten
kinostart
14. März 2013
homepage
http://www.songformarion.de/
bewertung

7 von 10 Augen

Manchmal zeigen Filmtrailer nicht das, was in einem Film wirklich drinsteckt. So war beispielsweise „Brücke nach Terabithia“ keineswegs ein Fantasyepos im Stil der „Chroniken von Narnia“ und der dazugehörige Trailer deshalb die so ziemlich größte Verarsche, die man sich vorstellen kann. Hin und wieder ist es aber auch ganz gut, wenn das, worum es im Kern wirklich geht, zunächst ausgespart bleibt. So sieht „Song for Marion“ zunächst nach einem dieser lustigen, aber natürlich auch ein bisschen ernsten Filme über die Kraft der Musik aus, die einen knorrigen alten Mann doch noch zum besseren Menschen macht. Dass das Herz des Films eigentlich in einem anderen Takt schlägt, lässt sich allenfalls erahnen – und trifft den Zuschauer deshalb umso wirkungsvoller.

Arthur Harris (Terence Stamp) ist jener ältere Herr, der „heute wieder besonders reizend“ ist. „Heute“ steht dabei stellvertretend für so ziemlich jeden Tag. Seine krebskranke Frau Marion (Vanessa Redgrave) singt in einem Londoner Gemeindezentrum in einem Chor; ein Hobby, für das Arthur nicht allzu viele Sympathien aufbringen kann. Die junge und einsame Chorleiterin Elizabeth (Gemma Arterton, „Die Girls von St. Trinian“, „Kampf der Titanen“, „Immer Drama um Tamara“) meldet ihre Truppe mit beachtlichem Durchschnittsalter derweil für einen öffentlichen Liederwettstreit an. Marion bereitet sich mit großem Ehrgeiz auf diesen Auftritt vor, gleichzeitig macht ihr die Krankheit jedoch zunehmend zu schaffen.

Womit alles, was man zunächst wissen sollte, erzählt wäre. Es überrascht, dass jemand wie Regisseur und Autor Paul Andrew Williams, der bislang ausschließlich für die härtere Gangart bekannt war („London to Brighton“, „The Cottage“, Drehbuch für „The Children“), nun einen sehr musikalischen Film über alte Leute dreht. Und auch mit bestem Willen lässt sich „Song for Marion“ in Sachen Genreeinordnung keine Nähe zu Williams' bisherigem Schaffen beibringen. Vollkommen unabhängig von seiner vorherigen Filmografie handelt es sich also offenbar um einen Stoff, der dem Engländer persönlich sehr am Herzen gelegen haben muss. Und das merkt man.

Fühlt sich „Song for Marion“ in den ersten Minuten noch genau so an wie im Trailer – also nach einem Feelgood Movie mit mäßig gelungenen Pointen – bleibt einem das Lachen sehr bald noch vielmehr im Halse stecken. Die Stimmung wird zunehmend nachdenklicher, düsterer und trauriger, und das hat nicht nur mit dem Londoner Wetter zu tun. Um eine irgendwie geartete „Läuterung“ von Arthur geht es dabei nicht wirklich. Im Gegenteil: „Ich habe dich als grimmigen Mann kennengelernt“, sagt Marion irgendwann einmal. Damit ist klar, dass Regisseur Williams seine Figuren nicht in eine Ehekrise oder ähnliche Zustände stürzen möchte. Im Mittelpunkt steht die Krankheit von Marion und welche Auswirkungen diese auf das Handeln jener Personen hat, die ihr nahe stehen. Williams gelingt es dabei, sowohl ein potentiell großes Publikum anzusprechen als auch sehr aufrichtig und mitfühlend zu erzählen, auch wenn die Handlung insgesamt nach bekanntem Schema verläuft und einige Szenen ziemlich manipulativ geraten sind.

Die von Oscarpreisträgerin Vanessa Redgrave unglaublich lebensfroh gespielte Marion tritt dabei zunehmend in den Hintergrund, sodass ein großer Teil der Laufzeit Terence Stamp und Gemma Arterton gehört. Die 27-Jährige, die derzeit als Gretel auch auf Hexenjagd geht, erweist sich als wandlungsfähige Schauspielerin, der man die Tötungsmaschine ebenso abkauft wie das nette Mädchen von nebenan. Doch die wahre Wucht ist der charismatisch-charmante Terence Stamp, der seinen Arthur als teilweise sehr widersprüchlichen Mann zwischen Trauer, Zorn, Ironie und Unsicherheit spielt, und der dafür sorgt, dass selbst die mit Kitsch überladenen Momente funktionieren.

Der Abschlussfilm des vergangenen Filmfestivals in Toronto ist keine Belehrung über den knorrigen alten Mann aus dem Trailer, der zum besseren Menschen wird, sondern ein bewegendes und warmherziges Drama, das spätestens dann akute Taschentuchgefahr auslöst, wenn Arthur seinen Song für Marion anstimmt.

René Loch

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