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Jaja, schon klar: "Enough with this motherfucking
Snakes on this motherfucking Plane". Ein schöner, cooler
Satz, der allerdings noch besser kommen würde, wenn man aufgrund
eines wahren Overkills an Vorab-Informationen zu diesem Film nicht
schon darauf warten würde, wann der gute Samuel
L. Jackson ihn denn nun endlich vom Stapel lässt. Für
die Uneingeweihten (und das dürften bei den Lesern eines Internetmagazins
die wenigsten sein) aber doch nochmal kurz die Hintergrundgeschichte.
Bei "Snakes on a Plane" handelt es sich definitiv nicht
um einen "normalen" Kinofilm. Denn der genauso simple
wie geniale ursprüngliche Arbeitstitel, der so herrlich direkt
deutlich macht, worum es hier geht, sorgte für einen beispiellosen
Hype auf den einschlägigen Seiten der Internet-Filmfangemeinde,
der dieses harmlose kleine B-Picture schnell zum Mittelpunkt wildester
Spekulationen machte. Die von der Aufmerksamkeit, die ihrem Werk
so unerwartet und vor allem früh gewidmet wurde, zunächst
überraschten Macher reagierten schnell und zogen ihren neuen,
unspektakulären Titel "Pacific Air Flight 121" flugs
wieder zurück.
Doch damit nicht genug, denn was "SoaP" nun endgültig
zu einer geradezu revolutionären Produktion macht, ist die
Entscheidung, noch einen Schritt weiter zu gehen und dem Film eine
Art basisdemokratische Mitbestimmung zu Teil werden zu lassen. Die
überzeugendsten Verbesserungsvorschläge der Blogger und
Foren-Teilnehmer wurden nämlich von Produktionsseite so interessiert
aufgenommen, dass man flugs noch ein paar Nachdrehs ansetzte, um
dem vorauseilenden Ruf als kultiger B-Film gerecht zu werden. Dieser
bemerkenswerten Maßnahme verdanken wir nun ein paar deftige
Oben-ohne-Sex-Szenen und unter anderem auch das eingangs angeführte
Zitat, das von Fan-Seite vehement gefordert wurde, nachdem die obercoole
Sau Jackson an Bord gekommen war.
In
Wahrheit hat dies alles aber natürlich wenig mit echter Fanfreundlichkeit
zu tun, sondern viel mehr mit dem konsequenten Ausnutzen und weiteren
Anheizen eines unerwarteten Hypes, der eine höhere Gewinnspanne
verspricht und zudem noch beste Aussichten auf eine neue, lukrative
Franchise bietet.
Bleibt die Frage, ob das fertige Produkt denn nun all das Brimborium
wert war, und die beantworten wir an dieser Stelle mit einem entschiedenen
"Jein". Wie es sich gehört, kommt man extrem schnell
zur Sache und hat die Ausgangsposition für den Rest des Films
nach gut zehn Minuten erreicht. Bis dahin beobachtet der harmlose
Surfer Sean Jones einen brutalen Mord, wird vom ermittelnden FBI-Agenten
Neville Flynn mit sanftem Druck zum Kronzeugen gegen den verantwortlichen
Gangsterboss gemacht und an Bord eines gut bewachten Zivilflugzeuges
gebracht. Allerdings nicht so gut bewacht, als das es dem kreativen
Verbrecher nicht gelingen würde, eine stattliche Anzahl höchst
giftiger Schlangen im Frachtraum zu platzieren, die zudem noch mittels
eines Tricks in außerordentlich aggressive Stimmung versetzt
werden, auf dass sie den Kronzeugen doch bitte ins Jenseits befördern
mögen.
Dieser Plan ist zwar weder nahe liegend noch besonders durchdacht,
aber doch immerhin recht originell (und zumindest überlisten
die Viecher spielend den Sicherheitscheck für sonst übliche
Waffen). Diese Einführung gibt noch nicht viel her, ist aber,
wie erwähnt, auf jeden Fall angenehm kurz. Anschließend
wird es dann erstmal recht amüsant, denn die Vorstellung der
ebenfalls an Bord vertretenen Personen präsentiert
ein buntes Panoptikum bestens aufgelegter Nebendarsteller, die ihre
selbstverständlich völlig klischeehaften Charaktere offensichtlich
hoch motiviert mit Leben füllen. Da ist dann die süße
Stewardess noch ein etwas willigeres Lustobjekt und der prominente
Rapper noch ein bisschen selbstverliebter als man es sonst schon
gesehen hat. Und bei der naiven Luxus-Tussi samt Handtaschenhündchen
darf gern jeder selbst entscheiden, ob damit nun B. Spears oder
doch P. Hilton gemeint ist.
Sehr hübsch gemacht das Ganze, aber dann kommen wir auch zügig
zum Hauptprogramm: Schlangen jeglicher Couleur und Größe,
Schlangen an jedem möglichen und unmöglichen Ort im Flugzeug
und vor allem Schlangen mit Attacken auf jedes Körperteil,
inklusive der Geschlechtsorgane, primäre und sekundäre.
Das wirkt aber alles eher witzig als erschreckend und ist sicher
auch ganz bewusst so inszeniert. Dass die Würger, Beißer
und Giftspritzer dabei allesamt nicht in den exotischen Reservaten
dieser Erde eingesammelt wurden, sondern ganz deutlich zum großen
Teil aus dem Rechner stammen, trägt natürlich genauso
stark dazu bei, das ganze Massaker unter den Passagieren nicht allzu
ernst zu nehmen. Ganz im Sinne des Films wird dafür auch jede
Schlange eingesetzt, die nur bunt und bedrohlich genug aussieht,
völlig egal ob ihr reales Vorbild denn nun überhaupt die
Spur giftig ist oder nicht.
Falls man überhaupt bei irgendeinem Film damit rechnen konnte,
dass er dieses Schema aus rasanter Action und kernigen Sprüchen
tatsächlich konsequent über seine komplette Laufzeit durchzieht,
dann ist das sicherlich "Snakes on a Plane". Umso überraschender
und ein wenig ernüchternd, dass dem nicht so ist und es nach
etwa der Hälfte der Laufzeit doch allen Ernstes zu einer Umblende
auf die Aktivitäten der Flughafenkontrolle und die Ermittlungen
des Bodenpersonals in Form einiger FBI-Agenten kommt. Damit wird
schon mal Zeit geschunden, und dann wird es wirklich empörend,
greift man doch sogar noch zum verstaubten Mutterplot aller Katastrophenfilme
seit "Airport": Ja genau, die berühmte "Der-Pilot-ist-flugunfähig-wer-steuert-jetzt-die-Maschine-Situation".
Damit tritt dann die Bedrohung durch die Schlangen vorübergehend
in den Hintergrund, und das kann ja wohl wirklich nicht Sinn eines
Films mit diesem Titel sein. Zum Finale hin steigen dann aber sowohl
das Adrenalin als auch der Ausstoß an prägnanten Onelinern
des, natürlich perfekt besetzen, Samuel L. Jackson noch einmal
an, und nach dem gelungenen Schlussgag kann man zufrieden resümieren,
doch eine Menge Spaß gehabt und sich nicht gelangweilt zu
haben.
Wenn,
ja wenn da bloß nicht diese zwangsläufig übertriebene
Erwartungshaltung gewesen wäre, hier mindestens der kompletten
Neuerfindung eines ganzen Genres beiwohnen zu dürfen. Ist es
deshalb also ein Jammer, dass dieser Film derart gehypt wurde, dass
man beim Betrachten nicht einfach eine angenehme kleine Überraschung
erleben kann? Nein, keineswegs. Denn ohne den Enthusiasmus der Vollzeit-Nerds
aus dem Netz wäre es ja andererseits auch nicht dieser hübsche
und überzogene Spaß geworden, sondern mit ziemlicher
Sicherheit eben nur uninspirierte Dutzendware von der Stange, weniger
fürs Kino gedacht als für die spätere lukrative Auswertung
in den Videotheken.
Den Traum von der neuen, noch viel lukrativeren Franchise müssen
die Verantwortlichen aber wohl frühzeitig begraben, denn trotz
des großartigen und dazu noch kostenlosen Marketings der hochgradig
gespannten Fangemeinde spielte "SoaP" bei seinem US-Start
nur knapp halb soviel Geld ein, wie von nahezu allen Experten prognostiziert.
Da alle Eingeweihten mit Sicherheit gleich am ersten Wochenende
die Kinos stürmten, so zeigt das Ergebnis doch sehr deutlich,
dass diese Gruppe zwar enorm lautstark, aber eben auch nicht so
zahlreich ist, dass sie alleine bereits für einen Blockbuster
sorgen könnte.
Die vermeintliche Revolution in der Filmproduktion durch eine quasi
interaktive Einbeziehung der Fanbasis blieb also aus, und der durchwachsene
Erfolg von "SoaP" verbleibt lediglich als eine interessante
Erfahrung auch für Leute wie George Lucas, Peter Jackson oder
jeden in Zukunft noch Verantwortlichen für die Verfilmung einer
"heiligen" Vorlage. Sie werden auf das Geschrei der Fanboys
wohl noch weniger hören als bisher.
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Wer hier mit 3 oder weniger Punktem um sich wirft, hat wohl allerhöchste Kinokunst erwartet, die dieser Film aber weder ist noch sein will. Tiefgehende Charaktere und eine von vorne bis hinten ausgeklüngelte Story sind überhaupt nicht der Anspruch dieses Films, und man sieht in vielen Szenen nur zu gut, dass sich der Streifen selbst nicht allzu ernst nimmt.
Dieser Film will nur gut unterhalten. Und dafür ist er in Ordnung. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
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