Endlich mal ein Film,
dessen Rezension man ohne Probleme knackig kurz halten kann. Denn
bei Jackie Chan-Filmen braucht man nicht viel zu erklären, was
den Zuschauer erwartet, worum es geht und wo Stärken und Schwächen
liegen. Der Mann macht nun schon seit Jahren im Prinzip immer den
selben Film, hat damit
immer
den selben Erfolg und erreicht mehr oder weniger immer die selbe Qualitätsstufe.
Absolut unüberraschend, aber es gibt ja auch genug Leute, die
Kontinuität zu schätzen wissen. Sonst wäre James Bond
ja auch schon lange tot.
„Shang-High Noon“ (damit auch jeder den Wortwitz kapiert wurde die
Schreibweise des Titels extra für den deutschen Markt verschlimmbessert)
bietet denn auch handlungsmäßig eine weitere Variation
des Themas
„Sympathischer
aber tolpatschiger Chinese prallt auf die Gegensätze der amerikanischen
Kultur“, wie es auch schon in Chan’s Erfolgen „Rush Hour“ und „Rumble
in the Bronx“ zu finden war. Dieses Mal befinden wir uns in den Zeiten
des Wilden Westens. Chon Wang (Chan) ist Bediensteter am Hofe des
chinesischen Kaisers und darf als Neffe des Chef-Übersetzers
mit nach Amerika reisen, wo es darum geht, die entführte Prinzessin
Pei Pei (Lucy Liu aus „Ally McBeal“) freizukaufen. Kaum in der neuen
Welt angekommen, wird bei einem Zugüberfall aber das gesamte
chinesische Konsortium ausgeschaltet, und plötzlich findet sich
der unbedarfte Wang allein auf weiter Flur wieder. Keine Ahnung von
Sprache und Gepflogenheiten seiner Umgebung stolpert er dann
recht planlos in Richtung Rettung der Prinzessin, unterstützt
von dem Möchtegern-Ganoven Roy O’Bannon, mit dem er ein Zweckbündnis
schließt, und seiner indianischen Frau, die er nach einer durchzechten
Nacht unter Rothäuten am nächsten Morgen als seine Angetraute
vorfindet.
Und so albert und prügelt sich Chan auch erfolgreich durch diesen
Film, mit der altbekannten Mischung aus netten kleinen Gags, Culture-Crash-Blödeleien,
und den unbeholfen wirkenden, in Wahrheit aber perfekt
synchronisierten
Kampfszenen. Wobei hier schon so langsam deutlich wird, daß
auch Jackie Chan nicht jünger wird: Die Spritzigkeit vergangener
Filme will nicht so recht wiederkommen, die Kinnlade des Zuschauers
fällt nicht mehr so oft hinunter wie z.B. bei „Rumble in the
Bronx“.
Dem gewohnt hohen Spaßfaktor tut das aber keinen Abbruch, denn
mit Owen Wilson alias Roy O’Bannon steht Chan in diesem Film ein ebenfalls
auf Unbeholfenheit getrimmter Charakter zum Liebhaben zur Seite,
der
mit seiner amerikanischen Überheblichkeit und Selbstüberschätzung
tatsächlich für die besseren Lacher sorgt und dem chinesischen
Haudrauf des öfteren die Show stiehlt. Und so teilt man sich
dann auch im finalen Showdown ganz brüderlich die Action, die
Heldenrolle und die Selbstüberwindung.
„Shang-High Noon“ ist und bleibt nicht mehr und nicht weniger als
ein weiterer Jackie Chan-Film. Wer seine simpel gestrickten aber teilweise
sehr unterhaltsamen Prügel- und Slapstick-Eskapaden mag, der
wird sich auch hier bestens amüsieren. Wem andere Chan-Projekte
schon nicht zugesagt haben, wird auch hier schnell ins Gähnen
kommen. Ansonsten ein netter Spaß für zwischendurch, den
man nicht gesehen haben muß, der aber auch bestimmt keinem weh
tut.
kleine Werbepause
Shang-High Noon
Bilder: Copyright Constantin Film



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