Inhalt
Über die -rein spekulative- Entstehung der größten
Romanze aller Zeiten. Der junge William Shakespeare kriegt kein Wort
mehr zu Papier - ihm fehlt die rechte Inspiration. Von seinem Brötchengeber
gehörig unter Druck gesetzt, stümpert er sich die Komödie
"Romeo und Ethel, die Piratentochter" zusammen.... bis er auf die
hübsche Viola Delesseps trifft.
Sie wird zu seiner Muse, und inspiriert von seiner Liebe schreibt
er das Drama "Romeo und Julia", das dann wiederum in besseren Zeiten
von Baz Luhrmann verfilmt werden sollte.... aber das ist eine andere
Geschichte.
hmmmm.......
"Shakespeare in Love" ist eine leichtfüßige, subtile Komödie.
Der Streifen kokettiert mit vielen herrlichen Anspielungen, ganz im
Stil des großen Meisters selbst. Trotz der reichlich geschwollenen
Sprache haben die Dialoge Biß, und die vielen Inspirationen,
die Shakespeare in sein Werk einfließen läßt, sind
wunderbar mit der Handlung verwoben.
Natürlich kriegen wir eine volle Ladung von Auszügen aus
diesem und jenem Werk des berühmten Autors vorgesetzt, womit
man selbstverständlich nichts falsch machen kann. Auch sonst
aber versucht Tom Stoppard in seinem Drehbuch, sich an den Stil Shakespeares
zu halten, was ihm relativ gut gelingt - auch wenn die Diskrepanz
der Originalvorlagen zu neu aufgelegter Handlung schon auffällt,
kommt der zeitliche Background der elisabethanischen Epoche genauso
selbstverständlich daher, wie sich das für ein Stück
des großen Meisters gehört.
"Shakespeare in Love" besitzt daher sowohl derbe Scherze und eigentlich
überflüssige Mantel- und Degen-Einlagen als auch wahnsinnig
viel Tiefgang. An jeder Ecke kann einem ein verstecktes Zitat aus
einem Shakespeare-Drama begegnen, kleinste Nebenrollen sind historisch
sinnvoll besetzt - oder hättet ihr gewußt, daß sich
hinter dem widerwärtigen, sadistischen Jungen, der mit Mäusen
spielt, der berühmte Theaterautor John Webster verbirgt, der
später tatsächlich Stücke mit enorm viel Splatter-Gehalt
schreiben sollte?
Die Besetzung des Projekts ist alles in allem ganz gelungen. Schauspielerisch
glänzt vor allem Gwyneth Paltrow als Viola, die Joseph Fiennes
(Shakespeare) manchmal ein bißchen dünn wirken läßt.
Erstaunlicherweise hat Ben Affleck in seiner Nebenrolle wesentlich
mehr Ausstrahlung als Fiennes - möglicherweise hätte man
den Part des großen Schreiberlings besser mit dem Mann aus "Good
Will Hunting" besetzt. Auch wenn die Kostüme natürlich
monumental sind, kann die Maske jetzt nicht so sehr überzeugen.
Die Plastellin-Abdeckung der glatzköpfigen Hofpomeranzen war
dann doch eine Nummer zu auffällig, und die Perücke von
Gwyneth Paltrow sah verwirrend nach Echthaar aus.
Damit komme ich dann auch schon zum Gesamtfazit: Der Film war sicherlich
in Ordnung und sympathisch umgesetzt, aber ob er denn seine tonnenschwere
Oscarflut rechtfertigen kann.... ich weiß nicht, ich weiß
nicht.
Als bester Film - sicherlich nicht. Beste Regie - naja, die Regiearbeit
war in Ordnung, aber nichts außergewöhnliches, selbiges
gilt für Kameraführung und Schnitt.
Gwyneth Paltrow jedoch hat den Oscar als beste weibliche Hauptrolle
mit Sicherheit & Abstand verdient, ebenso wie Judi Dench für
ihre Nebenrolle als Queen Elizabeth - Judi ist für solcherlei
offensichtlich geboren, genau wie in "Mrs Brown" wirkt sie als autoritäre
Monarchin einfach absolut überzeugend.
Aber was sind schon die Academy Awards? "Shakespeare in Love" bleibt
einem in jedem Fall als erfrischende Komödie im Gedächtnis,
die nicht zu dick aufträgt und sozusagen en passant einige schöne
Einblicke in die Welt des größten Autors aller Zeiten gibt.
Lohnt sich!
kleine Werbepause
Shakespeare in Love
Bilder: Copyright Universal Pictures, Miramax



Wenn es mal einen wirklich guten, witzigen, intelligenten und durchdachten Film gegeben hat, dann ist es dieser!
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