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Scream 4

Scream 4
horror , usa 2011
original
scream 4
regie
wes craven
drehbuch
kevin williamson
cast
neve campbell,
courteney cox,
david arquette,
emma roberts,
hayden panettiere, u.a.
spielzeit
106 Minuten
kinostart
5. Mai 2011
homepage
http://www.scream4-derfilm.de
bewertung

6 von 10 Augen

 

Nach einem weitgehend lustlosen dritten Teil und einer Pause von über einer Dekade hätte dies wohl kaum einer für möglich gehalten, aber tatsächlich: "Scream" ist zurück. Und nicht nur das, auch die damaligen Helden sind hier wiedervereint: Sidney Prescott (Neve Campbell), die über ihre mörderischen Erfahrungen ein Buch geschrieben hat, ist für eine Signierstunde zurück in Woodsboro, muss allerdings feststellen, dass ein alter Bekannter ebenfalls zurück ist. Ein neuer Ghostface-Killer beginnt just mit ihrer Rückkehr sein mörderisches Treiben und wieder obliegt es Sidney und dem leicht trotteligen Dewey Riley (David Arquette), mittlerweile zum Sheriff aufgestiegen, sowie seiner Frau, der ehemaligen Reporterin Gale Weathers (Courteney Cox), dem blutigen Treiben ein Ende zu setzen. Ghostface hat es dabei auf ein paar neue Opfer im Teenageralter abgesehen, darunter Sidneys Cousine Jill (Emma Roberts) und deren vorlaute Freundin Kirby (Hayden Panettiere).

Wiedervereinigung an allen Fronten: Nicht nur die wichtigsten Darsteller geben sich ein Stelldichein, auch hinter den Kulissen sind mit Drehbuchautor Kevin Williamson und Regisseur Wes Craven die Originalmacher wieder am Ruder, fast 15 Jahre nach dem genialen ersten "Scream". Williamson galt damals etwa fünf Minuten lang als Wunderkind, nachdem er mit seinem wissenden, ironischen Metakommentar-Stil erst das Horrorgenre mit frischem Blut versah und dann im TV mit "Dawson's Creek" das Gleiche im Bereich der Teenie-Romanze versuchte. Aber das ist lange her.
Williamson war nach seinem mäßigen Regiedebüt "Teaching Mrs. Tingle" bald von der Bildfläche verschwunden. Bereits für sein erstes Comeback suchte er die erneute Zusammenarbeit mit Wes Craven, um gemeinsam an glorreiche alte Zeiten anzuknüpfen. Viele Nachdrehs, Skriptumschreibungen und andere Probleme hinter den Kulissen später blieb von ihrem Versuch, mit "Verflucht" das Werwolf-Subgenre aufzumöbeln, nur noch ein zerfleddertes Gerüst übrig, das niemanden zufriedenstellte. Seitdem haben beide nicht so recht mehr etwas auf die Beine gebracht. Craven durfte die Auftragsarbeit "Red Eye" ordentlich hinter sich bringen und bewies dann mit dem miesen Slasher "My Soul To Take" (kommt demnächst bei uns als DVD-Premiere), dass er offenbar keinerlei Ideen mehr hat. Schlechte Vorraussetzungen also für eine Reihe, die man zurecht im Reich der Toten vermutete. Aber kultige Slasherfiguren sind ja bekanntlich schwer totzukriegen, so lange mit ihnen noch ein weiterer Zahltag zu machen ist.

Aber wie haben sich Craven und Williamson nun aus der Affäre gezogen? "Scream 4" ist nicht so schlimm wie befürchtet, aber auch nicht so gut wie heimlich erhofft. Denn gerne hätte man jetzt an dieser Stelle von einer Rückkehr zu alter Form gesprochen. Stattdessen blamieren sich Williamson und Craven immerhin nicht, was ja auch schon etwas ist. Man merkt "Scream 4" auch durchaus die Bemühungen beider Männer an, sich hier noch mal von ihrer besten Seite zu zeigen. Williamsons Script ist so clever und metatextuell, wie es eben geht, wenn man die ironische Genre-Brechung von vor 15 Jahren jetzt noch einmal ironisch bricht, und Craven versucht sein Bestes, die Spannungssequenzen auch spannend zu gestalten.
Gelingen will das allerdings selten, genauso wie Williamsons Drehbuch nicht die größten Probleme der Franchise umschiffen kann: Das Ganze ist zum einen einfach ausgeschrieben, zum anderen können auch Selbstironie und das Wissen um eigene Stärken und Schwächen nicht verhehlen, dass es hier nur Variationen von Altbekanntem gibt. Dies war ja immer das Dilemma der "Scream"-Fortsetzungen: Selbstironisch machten sie sich über die Minderwertigkeit von Sequels und die in ihnen vorkommenden Elemente lustig, gleichzeitig war jede Fortsetzung wie üblich immer ein Stückchen einfallsloser und schlechter als der Vorgänger, weswegen man mit "Scream 3" auch baldigst im Mittelmaß angekommen war.
Mit Teil 4 geht es nun wieder ein bisschen aufwärts, auch wenn der Aha-Effekt des Originals natürlich ausbleibt, ebenso wie große Überraschungen. Das Metalevel wird hier, soviel ist schon in der gedoppelten Eröffnungssequenz (natürlich mit mehr oder weniger bekannten Gesichtern in Kurzauftritten) offensichtlich, noch mal angehoben. Mittlerweile scheint hier jede Figur Horrorfilmexperte zu sein, welche augenzwinkernde Verweise geben. Gut, alle bis auf den dösigen Dewey und die gallige Gale. Craven versucht auch wieder, seine typischen sozialkritischen Elemente einzubringen, mit gemischtem Erfolg. Die Seitenhiebe auf Hollywoods Sequel- und Remakewut wirken angesichts seiner eigenen ausufernden Abenteuer auf diesem Gebiet ein wenig hohl, das letztendliche Motiv des neuen Ghostface-Killers ist dagegen interessant und vorstellbar. Zumal man die immer komplizierter und spätestens in Teil 3 auch immer alberner werdenden Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Ghostface-Killern nicht noch weiter unnötig auswalzt. Damit können auch Neulinge hier ohne Probleme durchsteigen, was bei den beiden vorherigen Sequels ja zunehmend schwieriger wurde.

"Scream 4" ist über weite Strecken "business as usual". Ghostface ist wieder ein wenig tollpatschig, kann aber grundsätzlich überall und zu jeder Zeit auftauchen. Es wird wieder viel über vermeintlich neue Regeln des Slasherfilms im 21. Jahrhundert gesprochen, ohne dass es da wichtige Neuerungen gäbe, vor allem weil der Slasherfilm nach dem durch den Original-"Scream" ausgelösten Revival jahrelang wieder weg vom Fenster war, abgelöst durch die asiatischen Gruselmädchen aus "The Ring" und Co. sowie den sadistischen Spielereien von Jigsaw und anderen Folterknechten. Eine der genannten Regeln besagt allerdings, dass alles brutaler werden muss, und in dieser Hinsicht folgt "Scream 4" seinen eigenen Erklärungen: Wir haben es hier trotz FSK 16-Freigabe für den ungeschnittenen Film mit dem blutigsten Teil der Reihe zu tun, was freilich eher für die Willkür und veränderten Sichtweisen bei der FSK spricht (oder eben dagegen). Denn wo beim Original-"Scream" heraus fallende Gedärme noch zensiert und der Film später indiziert wurde, ist man nach den Gewaltexzessen der "Hostel"- und "Saw"-Reihen hier offenbar etwas nachsichtiger geworden.

Auch für die aus den Originalfilmen noch verbliebenen Darsteller ist dies so eine Art Klassentreffen, das zumindest für Courteney Cox und David Arquette bittersüß gewesen sein dürfte. Immerhin lernte man sich beim Dreh zum Erstling kennen und lieben, war wie die Leinwandcharaktere lange Jahre verheiratet und trennte sich dann kurz vor den Dreharbeiten zu "Scream 4". Für Neve Campbell, die schon zum dritten Teil fast gezwungen werden musste, ist offenbar auch genug Zeit vergangen, um sich wieder als Deluxe-Scream Queen durch Korridore jagen zu lassen. Bei den Jungdarstellern sticht vor allem Hayden Panettiere (vor allem bekannt als unkaputtbare Cheerleaderin in der Superheldenserie "Heroes") heraus, die mit Kurzhaarfrisur, rauchiger Stimme und frechem Mundwerk unheimlich sexy daherkommt und für einen gewissen Babe-Faktor sorgt.

Aber mehr Babes oder mehr Blut sind eben nicht gleichbedeutend mit Zufuhr von kreativem Frischblut, und auch nicht mit Qualität. Und so bleibt "Scream 4" lediglich ein netter Retrospaß für Altfans, die sich auch an dem einen oder anderen Déjà Vu nicht stören. Angeblich soll Williamson übrigens diesen Film als Auftakt zu einer neuen Trilogie geplant haben, wie man aber diese Story nun noch halbwegs vernünftig und glaubwürdig weiterspinnen will, darüber kann nur gerätselt werden. Von daher ist es vielleicht nicht schlecht, wenn man auch aufgrund des doch eher enttäuschenden US-Einspielergebnisses davon absieht, sein Blatt zu überreizen. "Scream 4" ist ein trotz aller Überflüssigkeit netter Abschluss, der alte Fans der Reihe zufrieden stellen dürfte und sollte. Aber damit hat es sich dann hoffentlich nun wirklich ausgeschrien.

 

Simon Staake

7

Sie sollten Politiker werden Herr oder Frau Staake. "Metatextuell", also bitte.

Metatextualität

Metatextualität ist ein Typ der Transtextualität und gehört zur Taxonomie intertextueller Beziehungen, die Gérard Genette in „Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe“ (1982) entwirft.

Metatextualität bezeichnet die Beziehungen zwischen einem Basistext, auf den Bezug genommen wird, und einem weiteren Text, der sich auf einer übergeordneten Ebene mit dem Basistext auseinandersetzt. Der Basistext wird auf diese Weise Gegenstand einer kritischen, reflektierenden Auseinandersetzung. Dies kann sowohl inhaltlich als auch formal geschehen. Damit kommt dem Metatext eine kommentierende Funktion zu. Die Textsorte ‚Kommentar’ ist daher auch das typischste Beispiel dafür, wie metatextuelle Beziehungen zu einem Basistext (sei es Literatur, sei es ein Gesetz) aufgebaut werden.

Metatextuelle Texttypen sind dabei aber nicht auf faktuale Textsorten beschränkt. Auch Passagen eines literarischen Textes, in denen z.B. die eigene Gattungstypologie thematisiert und in kritisch-reflektierender Weise kommentiert werden, sind metatextuell.

Meine Meinung zum Film:
Zwischen 5-8 Punkten, je nachdem wie kultig man die ursprüngliche Scream-Reihe findet oder auf dieses Genre steht.

@ Boris: Äh, und wo ist jetzt dein Problem? Das Wort ist doch völlig richtig angewendet. Nehme die von dir zitierte Definition von "Metatext", ersetze "Text" durch "Film" (in der wissenschaftlich-theoretischen Auseinandersetzung ist beides synonym, ein Film ist in diesem Sinne ebenso ein Text wie ein Roman) und es passt alles wunderbar. Der "Basistext" ist das Slasher-Genre und seine Regeln an sich, alle Teile von "Scream" haben sich mit diesem "Basistext" auf einer Meta-Ebene auseinandergesetzt. "Auch Passagen eines literarischen Textes, in denen z.B. die eigene Gattungstypologie thematisiert und in kritisch-reflektierender Weise kommentiert werden, sind metatextuell." Q.e.d.

@Sisko
Das Problem liegt darin, dass nur ein kleiner Teil der Leser so ein geschwollenes Gerede versteht. Deswegen die Anspielung auf die Politik und eine Definition für Metatextualität. Ansonsten gefällt mir die Rezension aber gut.

@Boris
ist richtig, metatextuell wird nicht jedem sofort was sagen, aber ich glaube das die Filmszene Leser zu 99% Wikipedia kennen und auch bereit sind es anzuwenden.
Aber eine kleine Korrektur habe ich noch anzubringen:
"My Soul to take" hat es auch in Deutschland in die Kinos geschafft, sogar in 3D. Bundesstart war am 3. Februar 2011 und der Film konnte jedoch, soweit mir bekannt, keine 10.000 Besucher für sich begeistern.

Boris hat doch selbst Wikipedia zur Hilfe gerufen ;-)

ob man das Wort versteht oder nicht, geschwollen bleibt geschwollen. Aber ich finde Herr Staake darf das ruhig mal machen, denn er gehört zu denen, die in der Regel wissen, wovon sie reden. *schleim*

3

An Belang - und Spannungslosigkeit kaum noch zu toppen. Ein absolut überflüssiger Billigmist, den sich Mr. Craven besser hätte sparen sollen. Verursacht definitiv einen komatösen Tiefschlaf.

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