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Filmkritiker
lassen sich ja generell ungern mit Pawlowschen Hunden vergleichen.
Trotzdem ist es natürlich unumgänglich, dass so ein Film
wie "The Science of Sleep - Anleitung zum Träumen"
gerade diese Berufsgruppe auf die Probe stellt. Ermüdet vom
jahrelangen Betrachten der Dutzendware, die von Hollywood so serviert
wird, neigen wir ja doch dazu, bei Filmen die "anders"
und "originell" sind, sofort Begeisterung zu zeigen, eben
weil diese Filme durch ihr Anderssein schon mal Bonuspunkte einsammeln.
Aber "anders"
heißt
nicht zwangsläufig auch immer besser, und Michel Gondrys neuer
Film ist das beste Beispiel dafür.
Dabei waren die Voraussetzungen nicht schlecht: Ein visuell und
stilistisch eigenwilliger Regisseur, der einen der besten Filme
der letzten Jahre ("Vergiss mein
nicht") als letzte Arbeitsprobe vorweisen kann; ein talentierter
junger Hauptdarsteller, der in vielen Kritikerhits der letzten Jahre
auftauchte; eine völlig abgedrehte und auf diese Art garantiert
noch nicht visualisierte Geschichte und - als Bonus für alle
Cappuccinoschlürfenden Baskenmützenträger in der
Filmkritikerzunft - eine Hauptdarstellerin aus dem Herkunftsland
des Kinos.
Was ging also schief? Nun, abgefahrene Ideen allein machen eben
noch keinen Film aus. Bindet man sie gut und stimmig in eine entsprechende
Geschichte ein, die daneben auch Wärme, Glaubwürdigkeit
und Rhythmus hat, dann werden auch aus abgefahrenen Ideen tolle
Filme. Gut nachzusehen bei eben jenem "Vergiss mein nicht".
Dort allerdings war Michel Gondry nur einer von drei Schreibern,
und nach Betrachten von "Science of Sleep" muss man konstatieren,
dass die Menschlichkeit und philosophische Tiefe jenes Films wohl
eher von Charlie Kaufmann oder Gondrys damaligem Schreibpartner
Pierre Bismuth herrührt. Hier auf sich allein gestellt, bleiben
dann nur noch eine sehr dünne Handlung (Tagträumer Stéphane
zieht zurück in die Stadt, hat einen langweiligen Job und verliebt
sich in seine Nachbarin Stéphanie) und die Absurditäten
übrig,
die
im Mittelteil von "Vergiss mein nicht" bei der Flucht
der Jim Carrey-Figur in ihr eigenes Unterbewusstsein auftauchten.
Dort waren sie witzig, auch anrührend und poetisch, aber es
war eben nur ein kleiner Teil eines Films, der drum herum viele
andere (und noch tollere) Sachen bot.
In "Science of Sleep" sind diese absurden Momente quasi
der ganze Film, fortlaufend folgt man Stéphane hinaus aus
der Realität und hinein in seine abgedrehten Träumereien,
und auf über anderthalb Stunden gestreckt wirkt das Ganze eher
ermüdend denn erfrischend, bemüht statt berührend.
Natürlich sind hier auch wirklich witzige Szenen dabei, kleine
"Aha" und "Oh"-Momente. Aber auch diese fügen
sich immer noch nicht zu einem zufrieden stellenden Ganzen - soll
heißen: einem guten Film - zusammen. Dazu bleibt das Ganze
zu sehr Selbstzweck, ein mühsam auf kindlich getrimmter Trip
durch die Fantasiewelt, der dann in entscheidenden Momenten statt
kindlich kindisch rüberkommt. Und das ist dann eben entscheidend.
Andererseits kann man Gondry den schon in seinen legendären
Musikvideos präsenten, visuellen Einfallsreichtum nicht absprechen,
und diverse der Fantasieeinstellungen sind schon toll. Wenn etwa
einige Töne des eigentlich verstimmten Klaviers den Traum mit
Wolken aus Wattebäuschen füllen oder Stéphane seine
obskure Zeitmaschine benutzt, dann gelingen Gondry inmitten des
Wahnsinns doch anrührende und schöne Momente,
die
den Film über den Durchschnitt heben. Etwas ist immer los,
auch wenn man nicht immer sicher ist, was es ist. Und meistens auch
nicht recht weiß, was man davon halten soll. Unterhaltsam
bleibt es demnach trotz der angesprochenen Mängel meistens.
Und damit hat dieser beizeiten etwas zu selbstverliebte Nonsens
sogar solchen Schnarchern wie "Superman
Returns" noch etwas voraus.
Einen wichtigen und entscheidenden Fehler begeht Gondry allerdings
mit der Annahme, sein Alter Ego Stéphane werde durch die
dargestellten Fantasiehöhenflüge durch Traumwelten automatisch
zum Sympathieträger. Das fällt aber bei der Ansicht eines
so offensichtlich dysfunktionalen Menschen nicht immer leicht. Denn
wo Gondry alle negativen Interpretationen weglässt und durch
die rosarote Brille einen Freigeist sieht, der die Fesseln des Erwachsenseins
sprengt und sich in die unschuldige und freie Kinderzeit zurück
fantasiert, so sieht der böse rationale Erwachsenenblick einen
mit Schizophrenie-Symptomen kämpfenden Menschen mit Persönlichkeitsstörung,
dem es unmöglich ist mit seiner Umwelt eine richtige Beziehung
aufzubauen. Spätestens wenn Stéphane dann im (enttäuschenden)
Finale unvermittelt und grundlos seine Angebetete aufs Übelste
beschimpft, hat man das Gefühl, er hätte zusätzlich
zu seinen anderen Problemen auch noch ein Stück Tourette-Syndrom
abbekommen. Den Zuschauer haben Stéphane und Michel zu diesem
Zeitpunkt jedenfalls längst verloren, denn spätestens
jetzt mag man Stéphanes Eigenwilligkeiten nicht mehr so bedingungslos
folgen, wie sich der Regisseur und Drehbuchautor das wohl gedacht
hat.
Da
kann dann selbst der eigentlich immer gut spielende Gael Garcia
Bernal nicht wahnsinnig viel machen. Auch Charlotte Gainsbourg spielt
ihre Rolle durchaus charmant, aber ihre Figur bleibt viel zu holzschnittartig,
um zu überzeugen. Man erfährt schlichtweg nicht genug
über sie. Noch mehr als Stéphane wird Stéphanie
über Fantasie und Kreativität definiert, hat aber offenbar
kaum andere Eigenschaften. Wenn der Film dann mal andere Charaktereigenschaften
abbildet, wie etwa ihre Flirtwilligkeit während einer Party,
weiß er nicht, wie er damit umzugehen hat und nimmt die Position
des Protagonisten ein, nämlich die eines bockigen Kindes. Erwachsensein
ist halt nicht nur schwer, sondern - eingeschränkte Kreativfreiheit
hin oder her - manchmal auch nötig.
Und daher ist Herr Gondry vielleicht doch besser damit beraten, zukünftig Co-Drehbuchschreiber mit heran zu lassen, die seinen Ideen Struktur und Stringenz verleihen und vielleicht auch mal "Stop" rufen, wenn es zu albern wird und eine erwachsene Stimme der Vernunft braucht. Denn ungezügelte und nicht kontrollierbare Fantasie - das müssen sowohl der Protagonist Stéphane als auch sein Erfinder Michel erkennen - ist nicht immer nur Segen, sondern beizeiten auch ein Fluch.


Der Film wirkt über weite Strecken so, als hätte Michel Gondry "seinen" Teil von "Vergiß mein Nicht" nun nachträglich nochmal getrennt verfilmt.
Dabei herausgekommen ist erwartungsgemäß ein um einiges unkonventionellerer Film, der aber seltsam kalt läßt.
Lange verfolgt man die Hauptfigur in ihren fieberhaft verbastelten Traumgespinnsten und ist mit ihr unfähig Fantasie und Traum auseinanderzuhalten - leider viel zu lange, als daß einen die auf diese Weise sehr wenig nachvollziehbar verlaufende Liebesgeschichte und die Entwicklung der sozialen Umgebung der Hauptfigur irgendwie nahekommen würde.
Gondrys absurde Sybolik ist ja oft aus seinen eigenen Kindheitserlebnissen abgeleitet, was seinen bisherigen Arbeiten oft eine psychologische Wahrhaftigkeit verliehen hat, die hier aber zu einer in der Tat etwas überbordenden Albernheit (ich denke nur an den Auftritt im Bärenkostüm) verkommen ist.
Meine Vermutung ist, daß er Film um einiges länger gewesen sein muß, dafür spricht der Kommentar auf der DVD (ebenfalls etwas unangenehm-chaotisch) in dem einige offensichtliche Absurditäten des Films mit fehlenden Szenen erklährt werden.
Trotzdem ein nicht ganz unsehenswerter Trip - zwischen dem ganzen hyperaktiven Bastelkram gibt es eben doch einige Symbole die etwas mehr tragkraft haben - besonders die kleine Zeitmaschine! :o)
Das war ein echt toller Film. Alain Chabat und Miou-Miou waren am bessten.
Für mich war es einer der stärksten Film des Jahres und sogar einer der besten der letzten Jahre. Die impliziten (oder auch nicht so impliziten) normativen Forderungen, die in der Rezension an Filme gestellt werden, sollten nochmal überdacht werden. Ein ernstzunehmender Tip: Unbedingt im Original anschauen, sonst funktioniert da nicht mehr viel.
Ach, Alain Chabat ist ein hervorragender Schauspieler, er wurde schon oft Ausgezeichnet, Charlotte Gainsbourg macht zusätzlich noch tolle Musik.
SCHAUT EUCH DEN FILM AN, ICH WAR BEEINDRUCKT.
Ich hab den Film vor gezeiten mal im Kino geschaut, aber jetzt wo mir der name hier aufgefallen ist, ist mir gleichzeitig auch wieder das gefühl eingefallen, dass ich beim schauen des Filmes hatte...
Man kann auch ein wenig zuviel Phantasie reinschmeißen und ein wenig zu wenig Handlung drin haben
der Film kam mir vor, als hätte er sich an die fabelhafte Welt der Amelie versucht, ist dabei aber in einer Traumblase stecken geblieben
Also nach dem Kinobesuch war ich nicht sonderlich.... sagen wir mal.... befriedigt. hat zuviel versucht, aber es nicht wirklich zuende geschafft. Meine Begleitung war übrigends der selben Meinung
Der Kritik vom Herrn Staake kann ich zustimmen. Zusammen mit der Kritik von Buci ist wohl meine Meinung zum Film gesagt.
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