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Same same but different

Same same but different
drama , deutschland 2009
original
regie
detlev buck
drehbuch
ruth thoma
cast
david kross,
apinya sakuljaroensuk,
stefan konarske,
wanda badwal, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
21. Januar 2010
homepage
http://www.samesame-movie.com
bewertung

8 von 10 Augen

Detlev Buck wollte einen Film über Liebe machen. Nicht nur ein bisschen über Liebe, denn das ist fast jeder Film, sondern über nichts außer Liebe. Die passende Vorlage dafür fand er in der wahren Geschichte des deutschen Jungjournalisten Benjamin Prüfer und seiner kambodschanischen Frau Sreykeo, die Benjamin 2003 als "Bargirl" und Teilzeit-Prostituierte in einer Disco in Pnomh Penh kennen lernte, sich in sie verliebte und sie schließlich heiratete - in dem Wissen, dass Sreykeo HIV-positiv ist. Es ist fraglos eine außergewöhnliche Geschichte, die von Benjamin zunächst in einer preisgekrönten Reportage im NEON-Magazin und dann zum Buch "Wohin du auch gehst" verarbeitet wurde. Das wiederum diente als freie Grundlage für diesen Film. Einem fraglos außergewöhnlichen Film, auch für seinen Regisseur.

Die Tage, in denen Detlev Buck synonym war mit trocken-norddeutschen Komödien voller eigenwilliger Lakoniker sind jedenfalls vorbei und leben nur noch fort in Bucks schauspielerischen Stippvisiten wie zuletzt in Michael Hanekes "Das weiße Band", wo sein Kurzauftritt eine einsame humoristische Auflockerung in einem sehr düsteren Film war. Von der kauzig-komischen Atmosphäre seiner Karriere-Frühwerke wie "Karniggels" oder "Wir können auch anders" hatte sich Buck als Regisseur schon mit "Knallhart" verabschiedet, eine radikale Abkehr seines bisherigen Stils und Tonfalls. Diese neue, konsequent realistische Ernsthaftigkeit setzt er mit "Same same but different" nun fort und wagt sich erstmals aufs internationale Festivalparkett. Seine Weltpremiere feierte der Film auf den Filmfestspielen von Locarno, und nicht nur der Filmtitel ist ein Indiz für eine deutlich internationalere Ausrichtung, denn über Großteile des Films (nämlich alles, was in Kambodscha spielt) wird authentisch englisch gesprochen (und dementsprechend viel untertitelt). Das Resultat kann sich mehr als sehen lassen: Eine große, berührende, aber dabei niemals verkitschte Liebesgeschichte, deren Inszenierung viel Gefühl und internationale Hochklasse beweist.

Dafür muss man auf jeden Fall Respekt zollen, und zwar sowohl Detlev Buck als auch der Drehbuchautorin Ruth Thoma, die geschickt die drohenden Stolpersteine dieser Geschichte umgeht. Ein deutscher Rucksacktourist, der sich in Kambodscha in eine Prostituierte verliebt und nach und nach sein ganzes Leben für sie umkrempelt, das riecht abwechselnd nach altruistischer Selbstaufgabe, akutem Helfersyndrom, übergroßer Naivität und unrealistischer Herzensgüte. Es zählt zu den großen Leistungen von "Same same but different", dass er all diese Dinge umschifft und klarstellt, dass sie in der Geschichte von Benjamin und Sreykeo keine Rolle gespielt haben. Dies ist die Geschichte einer Liebe, die alle Widerstände überwindet - und die waren in diesem Falle auch so groß genug, als dass es keine großen Ansprachen, pathetische Gesten oder sehnsuchtsvolles Schmachten braucht.
Hier erklingen keine romantischen Geigen, wenn Benjamin und Sreykeo sich tief in die Augen schauen, es gibt keine überirdisch-schwebende Verliebtheit, und doch glaubt man den beiden ihre Gefühle und Zuneigung, weil Buck seinen beiden hervorragenden Hauptdarstellern David Kross ("Knallhart", "Der Vorleser") und Apinya Sakuljaroensuk genug Zeit und Raum gibt, diese spürbar zu machen. Das ist gerade durch den konsequenten Verzicht auf Melodramatik so wirkungsvoll, da man hier nie das Gefühl hat, der Film versuche die Dinge anders oder beschönigender darzustellen, als sie tatsächlich sind und waren. Das gilt auch und vor allem für die Lebensverhältnisse von Sreykeo in Kambodscha und den Beziehungsalltag zwischen ihr und Benjamin. Sreykeos Familie ist darauf angewiesen, dass das Mädchen irgendwie Geld ranschafft - wie für so viele junge Frauen in Südostasien bietet sich Sreykeo dafür fast kein anderer Weg als die Prostitution. Entsprechend muss sie Benjamin ständig nach Geld fragen, und diese ganz und gar unromantische Tatsache unterstreicht effektvoll die generelle Skepsis an der Authentizität dieser großen Liebe, die Benjamin vor allem daheim in Deutschland permanent entgegen schlägt.
Es sind Dinge wie der Geld-Aspekt, die Sreykeo auch davor bewahren, hier nur wie ein schutzbedürftiges, in unendlicher Dankbarkeit erstarrtes Opferlamm zu wirken. Sie weiß, wie sehr sie auf Benjamin angewiesen ist, aber das lässt sie nicht ihre Würde und ihr Selbstwertgefühl vergessen. Sreykeo stellt Forderungen, die in jeder "normalen" Beziehung vollkommen selbstverständlich und nachvollziehbar wären, aber eben hier besonders konsequent und mutig sind, weil es eben keine "normale" Beziehung ist. Sreykeo weigert sich, sich auf ihre Armut und Krankheit reduzieren zu lassen. Es ist diese Stärke, die auch dazu beiträgt, dass man nachvollziehen kann, warum Benjamin glaubt, dass sie all die Opfer wert ist, die er für sie bringt.

Genauso authentisch und aufregend wie die Gefühle zwischen Benjamin und Sreykeo fängt Buck auch die vibrierende, pulsierende Atmosphäre von Südostasien ein, und zwar mit einer nachhaltigen Wirkungskraft, dass hier nichts mehr an die Behäbigkeit erinnert, die man vielleicht sonst gerne mit deutschen Filmen assoziiert. Inszenatorisch macht Buck hier jedenfalls einen weiteren Schritt nach vorne, und seine Kombination von Bildsprache und Soundtrack ist in manchen Augenblicken wahrlich virtuos.

Das einzige, was an diesem Film etwas gewollt und unauthentisch wirkt, ist sein Titel, der so in der Handlung nie auftaucht. "Same same but different" soll darauf hinweisen, dass dies eine Liebesgeschichte wie so viele andere, aber eben doch ganz anders ist. Das stimmt zwar, trotzdem ist dieses Herauskehren eines programmatischen Alleinstellungsmerkmals ein Akt offensiver Selbstbehauptung, den dieser Film gar nicht gebraucht hätte. "Same same but different" ist eine fraglos außergewöhnliche Liebesgeschichte. Auch ohne gesonderten Hinweis.

Frank-Michael Helmke

ich meine buck hätte in einem interview gesagt dass "same same but different" ein asiatisches sprichwort sei (entsprechend übersetzt natürlich), also mag der vorwurf, er würde ein Alleinstellungsmerkmal beanspruchen nicht ganz zutreffen, auch wenn dies natürlich auch mit hilfe eines sprichwortes möglich ist.

richtig, same same but differnent ist ein spruch der einem in thailand überall begegnet (hauptsächlich auf tshirts :D)..

also ist der letze abschnitt über den titel ein bisschen "falsch" interpretiert..

siehe auch
http://de.wikipedia.org/wiki/Tinglish

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