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Sakuran,
zu Deutsch "wilde Kirschblüte", ist die Verfilmung
des gleichnamigen Mangas von Moyoco Anno. Damit ist schon alles
über die Machart des Films gesagt, der zwar im 18. Jahrhundert
spielt, sich aber künstlerisch ganz dem Pop verschrieben hat.
Der Vergleich mit "Marie Antoinette" liegt auf der Hand,
schrille Popsongs und einige rasante Schnitte durchbrechen die historische
Dekoration, bis man diese ganz vergisst. Letztlich bleibt von dem
historischen Hintergrund nicht mehr viel übrig.
Kiyoha (Anna Tsuchiya) wird als achtjähriges Mädchen
an ein angesehenes Bordell verkauft. Dort soll sie unter strenger
Aufsicht zu einer verführerischen und kultivierten Kurtisane
erzogen werden. Nun lebt das Bauernmädchen hinter dem "Großen
Tor" von Edos, dem damaligen Tokyo, wo das Vergnügungsviertel
Yoshiwara beginnt. Dort reiht sich Bordell an Bordell, aber ein
verruchtes Rotlichtviertel ist Yoshiwara deshalb nicht. Die Oberschicht
des Landes trifft sich hier, um die musischen und tänzerischen
Künste der schönen Damen zu bewundern und sich kulturell
inspirieren zu lassen. Trotz ihres Mangels an persönlicher
Freiheit leben die Kurtisanen in Wohlstand und Sicherheit.
Kiyoha aber ist ein widerwilliges und störrisches Kind, das
partout keine Hure werden will. Trotzdem wird sie eine der Beliebtesten.
Mit 17 ist sie bereits so hübsch und verführerisch, dass
sie die Männer mit ihrem Blick um den Verstand bringt. Die
anderen Mädchen beneiden sie um den schnellen Erfolg und versuchen
ihr zu schaden, wo sie nur können. Mit ihrer zickig-arroganten
Art provoziert
Kiyoha ihre Kolleginnen immer aufs Neue. Sie findet sich durch ihre
langjährige Ausbildung gut in der Welt der egoistischen Konkurrentinnen
zurecht. List und Betrug seien ihr in Fleisch und Blut übergegangen,
sagt sie im Film. Und um nichts anderes dreht sich die Geschichte.
Vor einem Jahr haben wir das schon mal gesehen. Die "Geisha"
portraitierte ebenfalls das Leben einer angesehenen japanischen
Kurtisane und ihren Weg heraus aus der Gefangenheit. Parallelen
zu "Sakuran" sind gar nicht zu vermeiden, sowohl Story
als auch Setting der beiden Filme gleichen sich stark. Kiyohas größte
Konkurrenz ist gleichzeitig ihre Ausbilderin. Oiran Takao, eine
Prostituierte von höchstem Rang, macht dem schönen und
jungen Nachwuchs aus Angst um ihre eigene Zukunft das Leben schwer.
Sie streiten sich um gute Kunden und nutzen das Wissen um die heimlichen
Liebhaber aus. Dieser Mechanismus um Neid, Missgunst und Betrug
ist uns schon aus der "Geisha" bekannt und zieht sich
wie ein roter Faden auch durch "Sakuran". Wo sind denn
dann die Unterschiede?
In "Sakuran" erleben wir das 18. Jahrhundert durch das
Fernglas der Popkultur. Dadurch erscheinen die Farben schriller,
die Menschen lauter und die Erotik offensichtlicher. Von einem historisch
korrekten Abbild kann hier nicht die Rede sein. Regisseurin Mika
Ninagawa liebt die bunten Farben und die ästhetischen Bilder
von Weiblichkeit und Genuss. Oft lässt sie ihre Schauspielerinnen
in Zeitlupe Pfeife rauchen oder vertieft sich in Nahaufnahmen der
aufwendigen Kleidung. Die gaffenden und genießenden Männer
sind nur Staffage in dieser Frauenwelt.
Doch so schön die modernen japanischen Popsongs zu Manga-Comics
passen, im 18. Jahrhundert sind sie fehl am Platz. Vielleicht liegt
das an der Vorstellung Europas vom historischen Japan, das wir lieber
unberührt von zeitgenössischen Einflüssen genießen.
Vielmehr aber ist die Verlegung einer modernen Geschichte über
einen bockigen Teenager in historische Welten ein Problem. Hauptdarstellerin
Anna Tsuchiya, in Japan eine berühmte Pop-Sängerin, bleibt
in jeder Szene ein vollkommenes Kind des 21. Jahrhunderts. Ihre
Gestik, ihre Mimik, ihre Bewegungen - daran ist nichts dem historischen
Umfeld, in dem sich ihre Figur bewegen soll, angepasst. Das ist
zunächst durchaus logisch, denn trotz des Umstands, eine verkaufte
Prostituierte zu sein, sind ihre Probleme teilweise höchst
universell. Wen liebe ich, wem vertraue ich, wie räche ich
mich, was will ich?
Eine
weiterer Mangel an historischem Feingefühl: Aus anderen japanischen
Geschichtsfilmen ist uns die Strenge und Unerbittlichkeit der japanischen
Gesellschaft bekannt. Und obwohl ihre Fluchtversuche streng und
grausam bestraft werden, verhält sich Kiyoha vor ihren Autoritätspersonen
so, wie es ein Mädchen vor 30 Jahren noch nicht gewagt hätte.
Es ist interessant zu wissen, dass Tsuchiya in Japan wegen ihrer
"punkig-rotzigen Attitüden" beliebt ist, eine Idealbesetzung
ist sie deshalb nicht.
Die Vermutung liegt nahe, dass Regisseurin Ninagawa die Prostituierten-Thematik
nur als Hintergrund für ihre an sich wenig interessante Geschichte
um eine 17-jährige missbraucht hat, um ihr durch die gesellschaftliche
und sexuelle Brisanz etwas mehr Pep zu geben. Aber die Unstimmigkeiten
entstehen nicht nur aus Pop und Historie sondern auch aus der wenig
gradlinigen Erzählung. Bei dem vielen Hin und Her verliert
sich irgendwann der Faden. Die Hauptperson macht keine Entwicklung
durch und treibt bewegungslos durch den Film. Einen faden Beigeschmack
hinterlässt auch das zähe Ende, das zu keinem Abschluss
kommt.
Dennoch ist der Film ein interessanter, wenn auch eigenwilliger
Einblick in die Seele von einem pubertierenden Mädchen. Wie
man zu ihrem Charakter und ihren Entscheidungen steht, ist subjektiv.
Das muss jeder selber sehen.
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Der Film hat nicht wirklich eine richtige handlung (meiner meinung)!
Es ist auch kein Schauspielerisches Talent vorhanden
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