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Saint Ralph

Saint Ralph
tragikomödie , kanada 2004
original
saint ralph
regie
michael mcgowan
drehbuch
michael mcgowan
cast
campbell scott,
jennifer tilly,
adam butcher,
gordon pinsent, u.a.
spielzeit
98 Minuten
kinostart
1. Dezember 2005
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

 

In eine Reihe mit Herz erwärmenden Filmen "Billy Elliot" und "Seabiscuit" kann sich auch der kanadische Film "Saint Ralph" stellen. Er erzählt die Geschichte eines Jungen, der seine Mutter mit einem Wunder aus dem Koma holen möchte. Zauberhaft und doch nicht kitschig, religiös, ohne dogmatisch und langweilig zu sein, offenbart sich hier eine einfache und schöne Geschichte mit einem Ensemble wunderbarer Schauspieler.

Der 14-jährige Ralph (Adam Butcher) ist das schwarze Schaf an seiner katholischen Privatschule. Er raucht auf dem Schulgelände, kämpft dauernd mit fleischlichen Gelüsten und hinterfragt alles, was ihm von den Patres und seinem Direktor gesagt wird. Er hat jedoch auch eine andere Seite: Ralph besucht seine todkranke Mutter jeden Tag im Krankenhaus. Doch eines Tages fällt sie ins Koma und ihm wird gesagt, dass nur noch ein Wunder sie retten kann. Als er dann noch im Schulunterricht davon erfährt, dass man Wunder braucht, um heilig gesprochen zu werden, bringt ihn dies auf eine Idee. Ralph nimmt sich vor, für ein Wunder zu sorgen, so dass seine Mutter wieder aus dem Koma aufwacht.
Da kommt ihm die Tatsache, dass er als Strafe für seine diversen Missetaten ins Läuferteam seiner Schule muss, gut gelegen. So entschließt sich der junge Bursche, 1954 den Marathon in Boston zu gewinnen, da dieses bei seinen schlechten Laufqualitäten ein Wunder wäre. Doch der Trainer, Pater Hibbert (Campbell Scott) weigert sich aus persönlichen Gründen, ihm zu helfen. Immerhin gibt Ralphs Freundin Claire (Tamara Hope), die später ins Kloster gehen möchte, ihm religiöse Ratschläge, um dem Wunder auf die Beine zu helfen. Auch um Reinheit, Gebet und Glauben muss er sich auf einmal kümmern, denn ohne diese sieht es schlecht aus mit der göttlichen Fügung. Wäre dies nicht schon schwer genug für den Pubertierenden, ist ihm auch noch dauernd der strenge Rektor (Gordon Pinsent) auf der Fährte, um dem Jungen an passender Stelle einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

"Saint Ralph" besticht besonders durch seine so einfache wie emotionale Geschichte und die Schauspieler, die ihre Rollen ausfüllen, als seien sie ihnen auf den Leib geschneidert worden. Besonders der junge Adam Butcher ist bemerkenswert, doch ist auch der Gegensatz zwischen "dem Guten" Campbell Scott und "dem Bösen" Gordon Pinsent aufregend. Jennifer Tilly ("Bound") überrascht in dieser Besetzungsliste, spielt aber ebenfalls sicher ihren Part der die Mutter pflegenden Krankenschwester, die nebenbei Ralph beim Muskelaufbautraining hilft.
Der Film ist köstlicherweise nach Monaten strukturiert, vor denen als Zwischentitel jeweils ein Heiliger und Schutzpatron scherzhaft auf das folgende Kapitel hinweist. Dies ist nur eines der liebevollen Details, die "Saint Ralph" von anderen Filmen abhebt. Die Musik ist nicht überfrachtet, sondern unterstützt an den passenden Stellen die Handlung. Natürlich darf Leonard Cohens "Hallelujah" hier nicht fehlen, bei welchem man ergriffen im Kinosessel vor sich hin seufzt.

Der Drehbuchautor und Regisseur Michael McGowan, der selbst 1985 den Detroit Marathon gewonnen hat, kennt sich bestens aus mit den Hindernissen und Rückschlägen, die Läufer zu bewältigen haben. Die Umsetzung dieser Hürden in einem Film ist ihm somit wahrscheinlich nicht schwer gefallen. Doch dass "Saint Ralph" bei solch einer emotionalen Geschichte (Junge versucht Mutter aus dem Koma zu befreien) nicht kitschig und bei solch katholischen Motiven wie Wundern nicht stereotypisch frömmelnd wurde, und dass die unglaubliche Sportskarriere eines Amateurs nicht zu Hollywood-mäßig daherkommt, das ist wirklich ein kleines Wunder.

Margarete Prowe

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