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Running out of time

Running out of time
action-drama , hongkong 1999
original
running out of time
regie
johnnie to
drehbuch
julien carbon, laurent courtiaud
cast
andy lau,
lau ching-wan,
waisy lee, u.a.
spielzeit
93 Minuten
kinostart
28. September 2000
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Man mag es bedauern soviel man will, aber es läßt sich kaum bestreiten, daß die Begeisterung der filminteressierten Öffentlichkeit für Hong-Kong-Produktionen derzeit doch eher auf Sparflamme vor sich hin köchelt. Ob’s daran liegt, daß die ganz großen Namen der ‚alten Garde‘ (John Woo, Jackie Chan, Chow Yun-Fat und Jet Li) fast nur noch in Hollywood aktiv werden oder ob aus der ehemaligen Kronkolonie einfach nicht mehr viel Neues, Frisches und Interessantes kommt, darüber ließe sich lange diskutieren. Einigkeit herrscht hingegen meist, wenn es darum geht, bei wem man sich seit der Wiedervereinigung mit China für die richtig tollen HK-Filme zu bedanken habe: Johnnie To. Der ehemalige Auftragsregisseur hat mit seiner Produktionsfirma ‚Milkyway‘ in den letzten Jahren eine regelrechte Qualitätsfabrik aufgebaut, deren Highlights - hier wären an erster Stelle wohl Tos eigener Bloodshed-Kracher „A Hero Never Dies“ und das von ihm produzierte Überraschungsei „Expect the Unexpected“ (Regie: Patrick Yau) zu nennen - mit zum besten gehören, was das asiatische Kino im vergangenen Jahrzehnt anzubieten hatte. Die bislang kommerziell erfolgreichste Milkyway-Produktion „Running out of Time“ erblickt dank des Einsatzes der Asien-Spezialisten ‚Rapid Eye Movies‘ jetzt auch das Licht deutscher Leinwände.

Im Zentrum der Handlung stehen der todkranke Gangster Wah und der Experte für Geiselverhandlungen Inspektor Sang. Wah hat Sang schon länger im Auge, da er dessen unfreiwillige Mithilfe benötigen wird, um seinen letzten Coup durchzuführen. Aus dieser einfachen Ausgangssituation, deren weitere Entwicklungen hier gar nicht erst verraten werden sollen, entwickelt der Film eine nicht zu unterschätzende Spannung und Dynamik. Wahs wahre Absichten findet Sang (und mit ihm der Zuschauer) nämlich erst nach und nach im Verlauf der Handlung heraus, und auch die Tatsache, daß der Gangster aufgrund seiner Krankheit ja nun wirklich nichts zu verlieren hat, trägt zur Unberechenbarkeit seiner Figur und der Unvorhersehbarkeit des gesamten Plots bei.

Gerade bei einem Film, bei dem zwei Charaktere und ihr sich entwickelndes Verhältnis zueinander dermaßen im Mittelpunkt stehen, sind die Leistungen der beiden Hauptdarsteller natürlich von besonderer Bedeutung. Daß der hartnäckige Inspektor Sang vom begnadeten Lau Ching-Wan - Hong Kongs bester Schauspieler, da gibt’s keine zwei Meinungen - gespielt wird, ist da natürlich schon mal die halbe Miete. Andy Lau, der hier den krebskranken Wah gibt, bietet im allgemeinen schon eher Anlaß zur Sorge, denn obwohl der gute Mann schon in den 80er Jahren ein absoluter Superstar in seiner Heimat war, wirken seine einstigen Trademark-Auftritte als jugendlicher Rebell - am bekanntesten dürfte hierzulande wohl sein Auftritt in Wong Kar-Wais Erstling „As Tears Go By“ sein - manchmal doch etwas arg pathetisch und fast schon unsympathisch. Auf jenes Pathos wird nun ausgerechnet bei dieser eigentlich dafür prädestinierten Rolle eines Mannes, dem nur noch wenige Stunden für das Erreichen seiner Ziele bleiben, erfreulicherweise fast vollkommen verzichtet, so daß auch Herr Lau jederzeit überzeugen kann.

Mehr als nur erwähnenswert ist auch der hervorragende Soundtrack, der die leicht melancholische Atmosphäre des Films besser und subtiler betont, als es alle Tränenbäche der Figuren je könnten. Daß „Running out of Time“ letztendlich allerdings eine smarte und durchaus Mainstream-kompatible Mischung aus Dramatik, Komik und gelegentlicher Action geworden ist, in der keines der Elemente eine allzu dominante Gewichtung erhält, liegt nicht zuletzt auch an der stilsicheren Inszenierung Johnnie Tos, dem man lediglich vorwerfen könnte, daß an ein paar wenigen Stellen dann doch wieder diese übereilte Hoppla-Hopp-Mentalität durchscheint, die viele Hong-Kong-Produktionen nun mal auszeichnet. In diesem Zusammenhang soll auch nicht verschwiegen werden, daß eine der Action-Sequenzen zwar nett erdacht wirkt, jedoch leider ziemlich verwirrend und unübersichtlich umgesetzt wurde, aber da der Film eh nicht gerade als Stunt-Festival konzipiert ist, läßt sich darüber leicht hinwegsehen. 

Auch wenn Johnnie To der Filmwelt schon aufregendere und wagemutigere Werke geschenkt hat, geht „Running out of Time“ als insgesamt sehr gelungener Unterhaltungsfilm durch, der hoffentlich vielen Einsteigern Appetit auf noch mehr ‚Milkyways‘ machen wird, denn in dieser Galaxis gibt es noch weitaus intensiver funkelnde Sterne zu entdecken.

Andreas Berger

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