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Roller Girl - Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg

Roller Girl - Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg
sport-drama , usa 2009
original
whip it!
regie
drew barrymore
drehbuch
shauna cross
cast
ellen page,
marcia gay harden,
juliette lewis,
alia shawkat,
landon pigg, u.a.
spielzeit
110 Minuten
kinostart
1. September 2011
homepage
http://www.centralfilm.de
bewertung

6 von 10 Augen

Bliss Cavendar (Ellen Page) ist ein typischer Fall eines Teenagers, die nicht so recht in die Rolle passt, die für sie vorgesehen ist. Geplagt mit einer überperfektionistischen Mutter (Marcia Gay Harden), die ihre Töchter von einem Schönheitswettbewerb zum nächsten schleift, eckt die schüchterne Bliss mit ihrer Vorliebe für schräge Outfits und Indie-Rock ebenso an wie mit ihren ziellosen Wunschträumen, irgendwie aus ihrer verschnarchten Heimatstadt im Nirgendwo von Texas entfliehen zu können. Da gerät Bliss eines Nachts in der nahegelegenen Großstadt Austin zufällig an eine Roller-Derby-Liga mit ausschließlich weiblichen Mannschaften. Ein Blick in die brüchige Lagerhalle, in der sich die örtliche Untergrund-Szene für ihre Wettkämpfe trifft und vor einem bierseligen, johlenden Publikum auf einer runtergerockten Rundbahn ihre aggressiven Wettbewerbe durchfährt, und es ist um Bliss geschehen - da will sie mitmachen!

Und das macht sie dann auch. Und einen süßen Jungen zum Verlieben (Landon Pigg) gibt's natürlich auch noch, der angesichts von Bliss' Indierock-Begeisterung naheliegenderweise der coole Gitarrist einer aufstrebenden Garagenband ist. Außerdem noch die scheinbar übermächtige und unbesiegbare gegnerische Mannschaft (angeführt von Juliette Lewis in lustvoller Zelebrierung ihrer schönsten "Rotzige Punk-Göre"-Zeiten), an der sich Bliss und ihr Team, die "Hurl Scouts", die Zähne ausbeißen. Und eben den üblichen Charakterentwicklungsbogen, der sich für die Hauptfigur in solch einem Sportdrama gehört: Heldin findet den Sport, der auf einmal Bestimmung und Begeisterung in ihr bisher so leeres Leben bringt, setzt sich gegen einige Widerstände durch, um ihren eigenen Wunsch zu verwirklichen und ihr Talent zu realisieren, und gegen Ende kommt dann das große Finale. So weit, so vorhersehbar, so unspektakulär.
Was nun ist an diesem Stoff (basierend auf einem Roman der Autorin Shauna Cross) so besonders, dass Drew Barrymore ihn sich für ihr Regie-Debüt aussuchte? Und dass er eine ziemlich beachtliche Truppe an namhaften Darstellern anlockte (zuvorderst natürlich die zum Entstehungszeitpunkt des Films nach ihrer Oscar-nominierten Hauptrolle in "Juno" gerade zum heißesten Scheiß Hollywoods aufgestiegene Ellen Page)? Offen gestanden: Man(n) versteht es nicht so richtig.

Okay, zugegeben: "Roller Girl" besitzt eine ganz klare, wenn auch zum Glück nicht verkrampft-plakativ vorgetragene "Girl Power!"-Attitüde und dürfte Mädchen und Frauen jeden Alters von daher schon mal ganz gut gefallen. Diese "Sisters are doing it for themselves"-Einstellung und das grundlegende Credo, dass frau sich nicht dem gängigen Schönheitsideal beugen muss, wenn sie sich viel lieber in billigen Outfits auf einer Rollschuhbahn Ellenbogen in die Rippen rammen lassen will, schlagen grundsätzlich gut funktionierende und wohlklingende Selbstverwirklichungs-Akkorde an. Da kann man schon nachvollziehen, dass starke Frauen wie Drew Barrymore, Juliette Lewis, die aufsteigende Comedy-Kanone Kristen Wiig ("Brautalarm") oder die schon von Quentin Tarantino in "Deathproof" abgefeierte Super-Stuntfrau Zoe Bell diesen Stoff durch ihr Mitwirken unterstützen wollten.
Aber dennoch: Wirklich bemerkenswert ist "Roller Girl" trotzdem nicht, dafür verlässt sich der Film allzu sehr auf übliche Handlungsmuster und gängige Konfliktkonstruktionen, die aus ähnlich gelagerten Sport- und/oder Coming-of-age-Filmen sattsam bekannt sind und hier unnötig lange ausgewalzt werden. Immerhin muss man dem Film dabei zugute halten, dass er die Welt seines Sports nicht größer und bedeutsamer aufspielt, als sie tatsächlich ist. Die Hinterhof-Rollerderbys, die hier zelebriert werden, sind ein perspektivloser Freizeitspaß, und keiner der Beteiligten - auch Bliss nicht - glaubt für eine Sekunde daran, dass man daraus so etwas wie eine ernsthafte Karriere machen könnte. Pathetische Rhetorik von der großen Chance fehlt hier entsprechend, und der Sport ist und bleibt "nur" ein Ausbruch aus dem Alltäglichen.
In dieser Hinsicht ist "Roller Girl" im Vergleich zu ähnlichen Filmen angenehm bodenständig und realistisch und tut nicht so, als wären seine Geschichte und seine Konflikte größer, als sie tatsächlich sind. Es ist die kleine Geschichte eines Kleinstadtmädchens, das seinen kleinen Ausbruch sucht. Unspektakulär, aber immerhin wahrhaftig.

Das ist es dann auch, was "Roller Girl" zumindest seinen eigenen Charme gibt: Seine bodenständige Erdigkeit. Entsprechend wohl fühlt sich der Film in der dreckig-ramponierten Optik seiner Rollerderby-Halle und mit dem scheppernden Indierock, der den wirklich erstklassig zusammengestellten Soundtrack dominiert. Und auch wenn das Spielfeld hier ziemlich klein und der Rollerderby-Sport seit den 1970ern weitestgehend ausgestorben und völlig unbekannt ist (freundlicherweise werden die Regeln zu Beginn ausreichend gut erklärt), gelingen dem Film einige mitreißend umgesetzte Wettkampfszenen.
Aber auch das hilft nicht wirklich darüber hinweg, dass "Roller Girl" und seine Geschichte zu klein und irrelevant daher kommen, um wirklich zu packen und zu interessieren. Bezeichnenderweise generiert sich der größte Gag-Faktor hier aus den "Künstlernamen", die sich die toughen Ladies auf der Rollschuhbahn geben, wo dann Maggie Mayhem, Bloody Holly, Smashley Simpson und Babe Ruthless gegen Iron Maven und Princess Slaya antreten.
Bleibt als letzte Frage eigentlich nur noch, warum "Roller Girl" nach etlichen Starttermin-Verschiebungen überhaupt noch in die deutschen Kinos kommt - immerhin fast genau zwei Jahre nach einem bereits sehr enttäuschenden US-Kinolauf. Wie gesagt: Man versteht es nicht so richtig.

Frank-Michael Helmke

7

Hab Ihn schon vor langer Zeit gesehen und fand ihn gar nicht übel, Juliette Lewis hat mal wieder richtig Spaß gemacht, auf der Leinwand ist sie ja eher selten zu sehen seit sie Musik macht.
Auch sonst mochte ich den Film, die Atmosphäre ist recht gut.

3

ein schluck stilles warmes Wasser im hochsommer bereitet mehr freude als dieser film.

das skript ist aus fertigbauteilen uninspirierter hollywoodteenie filmen zusammengebaut.

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