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Robotic Angel

Robotic Angel
anime , japan 2001
original
metropolis
regie
rintaro
drehbuch
katsuhiro otomo
cast
yuka imoto,
kei kobayashi,
kouki okada, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
31. Oktober 2002
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

"Robotic Angel" trägt in Deutschland diesen Namen, weil die hiesige Verwendung des Originaltitels "Metropolis" von der F.W. Murnau-Stiftung untersagt wurde, um den gleichnamigen Stummfilm-Klassiker von Fritz Lang aus dem Jahre 1926 zu schützen. Was die Murnau-Stiftung mit dem Werk von Fritz Lang zu tun hat, bleibt hier als offene Frage im Raum stehen, Fakt ist, dass die Assoziation mit dem Meilenstein die Stärken des Films wesentlich besser trifft als der Alternativtitel, denn der lehnt sich an die große Schwäche dieses Streifens an: den Inhalt.
"Metropolis" (um beim besseren Titel zu bleiben) ist eine Adaption des Ur-Mangas (für die fachlich nicht so Versierten: dies ist die gebräuchliche Bezeichnung für japanische Comics) von Osamu Tezuka aus den 40er Jahren, den dieser inspiriert vom Filmposter eben jenes Fritz Lang-Films zeichnete (ohne den Film tatsächlich je gesehen zu haben). Recht deutliche stilistische Parallelen sind deshalb nicht zu übersehen, aber auch inhaltlich ist er nah am Vorbild: In einer Zukunftsmetropole gigantischer Hochhäuser hat der mächtige Duke Red soeben den neuen Riesenbau "Ziggurat" fertig gestellt (angelehnt an den biblischen Turm zu Babel, was grundsätzlich nichts Gutes verheißt). Für seinen geheimen Plan, mit der Kontrolle über dieses mächtige Bauwerk den regierenden Präsidenten zu stürzen und die Macht an sich zu reißen, braucht Red jetzt nur noch einen perfekten Androiden zur Beherrschung des Systems. Diesen soll der genial-wahnsinnige Wissenschaftler Dr. Laughton für ihn bauen, doch Red's eifersüchtiger Adoptivsohn Rock funkt dazwischen: Voller Hass auf die vom Vater bevorzugte Mensch-Maschine zerstört er Laughton's Labor, die in ihrer Programmierung unvollendete Androidin Tima verschwindet - gemeinsam mit Kenichi, dem Neffen eines Detektivs auf der Jagd nach Dr. Laughton - in den unteren Ebenen der Metropole, wo die durch die Roboter überflüssig gewordenen Arbeiter dahinvegetieren und eine Revolution vorbereiten. Während sich an der Oberfläche die Machtübernahme Reds anbahnt, kämpft unter der Erde Tima mit der Suche nach ihrer Identität und entstehenden Emotionen für Kenichi, die ein Android eigentlich gar nicht haben kann.

Mit Fritz Lang's "Metropolis" (den man ohne viel Kontroverse zu den zwanzig wichtigsten Filmen der Geschichte zählen kann) teilt Rintaro's Werk das atemberaubende Szenario: die hier präsentierte City-Gigantomanie kann sich ohne weiteres messen mit legendären, ebenfalls von Lang inspirierten SciFi-Stadtmonstrositäten wie in "Blade Runner", "Das fünfte Element" oder auch der jüngsten "Star Wars"-Episode. Das Architektur-Design ist ausnahmslos beeindruckend und grandios anzusehen, manche Motive - wie die überdimensionierte Version eines Büro-Aquariums mit entsprechendem Inhalt - sind in der Tat unvergesslich. Der uneingeschränkte Enthusiasmus, den man von vielen amerikanischen Kritikern zu diesem Film zu hören bekam, ist allerdings kaum nachzuvollziehen, wenn man den Blick gelegentlich von den brillanten Bildern nimmt und auf die Untertitel lenkt, und somit der Story folgt. Die ist nämlich von einem heutigen Standpunkt aus nicht einmal mehr banal, sondern geradezu flach. Charakter-Etablierung findet nicht statt, Figuren wie Red oder Rock verfügen zwar über Motivationen, nachgedacht haben sie darüber aber anscheinend nicht. Der Konflikt Timas, die inzwischen vielzitierte Selbstfindung einer Mensch-Maschine, entwickelt sich übers Grundproblem nicht hinaus. Dieses war zum Entstehungszeitpunkt der Manga-Vorlage sicherlich ein faszinierendes neues Konzept, heute allerdings, nachdem vor allem andere Anime-Werke wie der weltweit erfolgreiche "Ghost in the Shell" oder Steven Spielberg's "A.I." die Idee so viel tiefgehender und geradezu hochphilosophisch behandelt haben, kann diese kommentarlose Wiedergabe nur noch ein müdes Gähnen hervorrufen. Der Respekt vor der in Fachkreisen legendären Vorlage in allen Ehren, dem Plot seines Films hätte es allerdings wesentlich besser getan, wenn Drehbuch-Autor Katsuhiro Otomo (der immerhin für den bahnbrechenden "Akira" verantwortlich zeichnete) die Story ein ganzes Stück weiter gedreht hätte.
Mit der ehrfürchtigen Treue zur Vorlage hat es aber nicht nur Otomo übertrieben. Auch der Zeichenstil der Figuren wirkt, vor allem bei Detektiv Shunsaku Ban und Bösewicht Red, mehr als veraltet. Das mag erneut als Hommage an die Optik des Originals durchgehen, beißt sich aber teilweise sehr stark mit dem feinen Detailreichtum der Hintergründe, so dass die Chemie zwischen Figuren und Oberflächen in vielen entscheidenden Szenen leider gar nicht stimmt.
Auch der Soundtrack kann nicht unerwähnt bleiben, denn der kommt alles andere als harmonisch daher: Über weite Strecken vertont Rintaro seine Bilder mit amerikanischen Jazz-Klängen, die aber nur selten zur Atmosphäre passen, in besonders dramatischen Momenten verfällt er dann in konventionelle Orchestrierung, den spektakulären Showdown indes unterlegt er mit Ray Charles' "I can't stop loving you" - eine bizarre Wahl, der man zwar eine intelligente satirische Note attestieren kann, angesichts des vollständigen Mangels solcher Tendenzen im restlichen Film wirkt diese Anlehnung ans Ende von Stanley Kubrick's Weltuntergangs-Satire "Dr. Seltsam" aber doch fehl am Platze. Innovation in allen Ehren, aber nicht alles, was irgendwie anders ist, ist auch gleich automatisch gut.

Als Reverenz an den Genre-Großmeister Tezuka ist "Metropolis" für Manga- und Anime-Freunde sicherlich das Ereignis des Jahres, aus allgemein-filmischer Perspektive weist er allerdings nicht zu leugnende Schwächen in Skript und Inszenierung auf. Gerade bei Werken aus Japan, wo man sich rühmen kann, den Animationsfilm auch als Genre für Erwachsene begriffen zu haben (was den Amerikanern bis heute nicht gelungen ist), stellt man mit Recht wesentlich höhere Ansprüche an den Inhalt, die schließlich auch genug Streifen aus Fernost mehr als erfüllt haben. Die gigantische City-Vision hat jedes Lob für ihre visuelle Kraft verdient, in seinen dramaturgischen Belangen ist "Metropolis" aber nicht mehr als Mittelmaß. Und das ist einfach zu wenig.

Frank-Michael Helmke

1

Ich fand die Musik fehl am Platz, die Story war langweilig, so als gehörte dieser Film mehr in die Vergangenheit.

10

Toller Film! Vor allem dass sich der Plot recht nah an Fritz Langs Meisterwerk von 1927 orientiert. OK, die Musik ist einfach voll fürn Arsch, dafür sind die Aktionszenen gut und die Athmospähre stimmt einfach. Und mit Akira kann sich sowieso kein anderer Film messen.

PS: Weiß jemand, warum sich Metropolis ausgerechnet auf der Halbinsel Krim in der Ukraine befindet (siehe min. 32, wo die Omotenium Maschine getestet wird)?

Komisch... offensichtlich findet hier die Mehrzahl derer die den Film gesehen haben die Musik schlecht.
Ich bin völlig hin und weg vom Soudtrack und träller seit Tagen "I can't stop loving you". Ich finde den Kontrast wunderschön.

Die Handlung ist, bei teils epischen Bildern, leider teilweise eher Zäh bis Uninteressant da, wie oben schon erwähnt, Characterhintergründe und -motivationen völlig fehlen.

Mein Fazit: Am besten bekifft sehen :)

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