kleine Werbepause
Anzeige

Rize - Uns hält nichts auf!

Rize - Uns hält nichts auf!
dokumentation , usa 2005
original
rize
regie
david lachapelle
drehbuch
david lachapelle
cast
tommy the clown,
lil c,
ms. prissy,
tight eyez, u.a.
spielzeit
85 Minuten
kinostart
20. Oktober 2005
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Sie tanzen mit Eve und Gwen Stefani, mit Usher und Christina Aguilera, und wohnen gleichzeitig in einer Gegend, in der täglich Menschen auf der Straße erschossen werden, Armut allgegenwärtig ist und Perspektiven für Jugendliche eher in Drogenhandel oder Prostitution bestehen. David LaChapelle, der von der Zeitschrift American Photo zu einem der zehn wichtigsten Fotografen der Welt gewählt wurde, setzt in seinem ersten langen Dokumentarfilm "Rize" den Clowns und Krumps aus South Central, einem der ärmsten Stadtteile von LA, ein beeindruckendes Denkmal. Seit 1992 breiten sich diese Tanzstile langsam aus, haben nun den Mainstream der HipHop-Szene erreicht und konnten in dieser Doku zum Glück noch relativ ursprünglich gezeigt werden, bevor das Underground-Phänomen in die kommerzielle Verwertungskette gelangte.

Seit nunmehr 25 Jahren kämpfen die Gangs in South Central, Los Angeles, mittlerweile um die Herrschaft über den Drogenhandel. Abseits vom Filmsternchen-Dauergrinsen in Hollywood tobt in den Schwarzen-Vierteln ein Krieg, an dem auch die oftmals des Rassismus beschuldigte Polizeibehörde der Stadt nicht unschuldig ist. Als vier weiße Polizisten, die den schwarzen Rodney King halbtot geprügelt hatten, am 29. April 1992 trotz erdrückender Videobeweise frei gesprochen werden, kommt es zu gewalttätigen Unruhen. In South Central, dem Viertel, in dem Clowning und Krumping entstehen werden, sterben 50 Menschen und werden 2000 verletzt. Hier lebt der ehemalige Drogenhändler und Ex-Knasti Thomas Johnson, der gerade einen neuen Lebensentwurf sucht. Er wird Clown.
Tommy the Clown tritt von nun an auf Kindergeburtstagen auf, tanzt, und wird langsam zur Ghetto-Berühmtheit, die dem Viertel in den kommenden 13 Jahren ein neues Selbstbild gibt. Sein Tanzstil, das Clowning, wird nachgemacht und von seinen Anhängern langsam verändert, aggressiver und sexier gestaltet - der Krump wird so geboren. Heute gibt es über 50 Gruppen der Clowns und Krumps, die in ihrer Freizeit ihre Aggressionen austanzen, statt sich abzuknallen.
Erst misstrauisch beäugt von den Drogenhändlern, dann als harmlos befunden und toleriert, treten diese Tanzgangs und ihr revolutionärer Stil ihren Siegeszug an. Clowning und Krumping sind nicht nur Ausdrucksformen, sondern auch eine Reaktion auf die hoffnungslosen Zustände der Einwohner von South Central, und in ihrer Entstehung genährt von Religion und Spiritualität (einer der Krumps wird sogar gerade Priester) und nachhaltiger Sozialarbeit mit den Kindern der Viertel.
David LaChapelle folgt den Clowns und Krumps in ihre Wohnungen und Battle Zones, auf Straßen und Kindergeburtstage und lässt die Tänzer über ihre Familie und ihren Alltag sprechen. Die Gewalt, von der sie umgeben sind, ist auch in "Rize" allgegenwärtig: So ist der Film Quinesha Dunford gewidmet, einem jungen Mädchen aus der Bewegung, das während der Dreharbeiten auf offener Straße erschossen wurde. Quinesha war einfach nur mit einer Freundin spazieren.

David LaChapelle macht derzeitig so ziemlich alles und das auch noch verdammt gut. Er ist nicht nur einer der besten Fotografen der Welt, sondern machte auch schon Musikvideos für J-Lo, Christina Aguilera, Avril Lavigne, No Doubt, Moby, Gwen Stefani und diverse andere. Nebenbei erstellt er Werbekampagnen wie für "Desperate Housewives" und inszenierte Elton Johns Show in Las Vegas. Während des Drehs zu Aguileras "Dirrty"-Video traf er auf zwei der Krumps, die ihm so interessant erschienen, dass er sich entschied, über diese neue Art des Tanzens einen Kurzfilm zu machen: Für "Krumped" (2004) gewann er einen Kurzfilmpreis und bekam so genug Hilfe, um "Rize" zu drehen.

Die Stärken dieses Dokumentarfilms liegen ganz klar in der visuellen Ästhetik. Die Darstellung der Tanzszenen ist phänomenal. Mag es am Anfang noch seltsam erscheinen, dass extra betont wird, dass die Filmaufnahmen der Moves nicht beschleunigt wurden, wundert man sich bald nicht mehr über den Hinweis, sondern nur noch über wild zuckende Körper und Kleinkinder, die selbst schon in Hochgeschwindigkeit mit dem Hintern wackeln können. Dass LaChapelle seine Körper-Inszenierung mit Aufnahmen des afrikanischen Nuba-Stammes von Leni Riefenstahl unterlegt, wird nur hierzulande sauer aufstoßen. In den USA ist Riefenstahl eher als große Filmemacherin denn als Nazi-Regisseurin bekannt und für ihre ästhetische Inszenierung des Körpers berühmt. Und dafür kann man auch "Rize" loben.
Im Gegensatz zur überragenden Aktions-Inszenierung werden die Interviews mit den Tänzern eher konservativ doku-langweilig abgehandelt. Hier hätte man sich etwas mehr Einfallsreichtum gewünscht. Außerdem macht es sich David LaChappelle auch dramaturgisch manchmal etwas zu einfach: So wird im Film in ein Haus eingebrochen und durch die Inszenierung klar suggeriert, dass die Krumps diesen Einbruch aus Rache und Enttäuschung verübt haben. So bastelt sich LaChapelle ein künstliches Spannungselement, das ihn als Tatsachenverdreher dastehen lässt. An anderer Stelle wird zu viel wiederholt: Da jedes der Kinder und Jugendlichen über Drogenerfahrungen ihrer Eltern, Gefängnis und so weiter spricht, stumpft der Betrachter irgendwann ab - auch wenn es wichtig ist, diesen kriminellen Hintergrund als verbindendes Element der South-Central-Kids hervor zu heben.
Ein weiteres Highlight von "Rize" ist die Musik, die den ganzen Film zusammen mit den Tanzeinlagen wie das längste Musikvideo aller Zeiten erscheinen lässt. Christina Aguilera, Lauryn Hill und 2Pacs "Ghetto Gospel" finden sich hier genauso wie "Amazing Grace" und "Oh Happy Day". Diese authentische weil facettenreiche Musikauswahl steht repräsentativ für den detaillierten Blick in eine Underground-Kultur, den "Rize" seinen Zuschauern auf sehr sehenswerte Weise bietet. Eine umso wertvollere Gelegenheit, da auch diese Subkultur mehr und mehr durch Mainstream-Nutzung entwertet werden wird. Zum Glück startet der Film in Deutschland mit 25 Kopien (für eine Dokumentation beachtlich), was bedeutet, dass er hoffentlich auch in eurer Nähe zu sehen ist. Wer so richtig was auf die Augen und die Ohren will, ist in diesem Film auf jeden Fall richtig.

Margarete Prowe

10

das war einfach mal das beste...
was ich nur blöd finde dass es in deutschland so langsam zum trend wird und im film haben sie klar und deutlich gesagt das ist kein trent!!!!!
es muss nicht alles immer nachgemacht werden und bei zum beispiel ,,you can dance" haben sie es auch nachgemacht!!!
naja aber der film ist wirklich gut!!!

10

einfach nur geil.......ehrlich!!!

wie heisst die seit von RIZE bitte plz

10

Der Film ist mit Abstand der beste den ich je gesehn hab. Das ist einer von den wenigen Filmen, die in mir was bewegt haben.Schade find ichs nur das Clowning und Krumping trotz ausdrücklicher Ansage als Trend verallgemeinert werden. Man sollte diesen Menschen eine Chance geben, etwas für sich zu tun da hinter diesem Tanz auch ein gewisser Hintergrund steckt. Sie Tanzen gegen die Unterdrückung und nicht dafür, dass es sogar in Deutschland nachgeahmt und zum Trend gemacht wird.

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
4 + 2 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.