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Es gibt eine bizarre Videokassette und wenn du sie dir ansiehst, stirbst du genau sieben Tage später.... Als ihre Nichte Becca (Rachael Bella) einem mysteriösen Herzinfarkt erliegt, beginnt die Journalistin Rachael Keller (Naomi Watts, "Mulholland Drive") auf das Drängen von Beccas Mutter die Untersuchung der genaueren Umstände des Todes. Schnell stößt sie auf weitere ominöse Todesfälle in Beccas Freundeskreis und auf die urbane Legende von einem vermeintlich tödlichen Videotape, das sich Becca und ihre Freunde genau sieben Tage vor ihrem Tod angesehen haben. Obwohl Rachael an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte zweifelt, gelingt es ihr, die Kassette aufzutreiben. Sobald sie sich den bizarren, alptraumhaften Clip auf dem Band zu Ende angesehen hat, klingelt das Telefon und eine weibliche Stimme prophezeit ihr: "Noch sieben Tage!" Als dann auch noch ihr Sohn Aiden sich zufällig das Video ansieht, beginnt für Rachael ein Wettlauf gegen die Zeit."The Ring" ist das amerikanische Remake des japanischen Kultfilms "Ringu" (siehe dazu auch den Artikel zum CineAsia Festival vom Kollegen Andreas Berger), welcher wiederum auf einem Roman von Kôji Suzuki basiert, der in Japan ähnlich hohe Auflagen hat, wie Stephen King in Europa und den Vereinigten Staaten. Obwohl "Ringu" als eine eher schwache Romanadaption gilt, die den philosophischen Kontext des Buches vollkommen vernachlässigt, gehört der Film mit seiner verstörenden Atmosphäre und der ebenso minimalistischen wie beängstigenden Optik sicherlich zu den besten Horrorstreifen der 90er. Eines gleich vorweg: ein moderner Klassiker wie das japanische Original ist "The Ring" leider nicht geworden, dazu unterwerfen sich Regisseur Gore Verbinski ("The Mexican", "Mäusejagd") und Autor Ehren Kruger ("Scream III") zu sehr den Konventionen des Genres. Dennoch überzeugt der Film durch seine kalte Ästhetik und eine gelungene Schlusswendung. Inszenatorisch ist "The Ring" eine Synthese aus dem trostlosen urbanen Horror, wie er momentan vor allem im asiatischen Kino einen Boom erlebt, und eher klassisch angehauchten Gothic-Motiven. Wie schon in "Poltergeist" fungiert das Fernsehen als ein perfektes Medium, um die beiden Welten zu verbinden, denn meistens werden die Gothic-Motive über einen Bildschirm in die sterile Art-Deco Umgebung der Protagonisten transportiert. Bestes Beispiel hierfür ist der tödliche Videoclip: während die Settings und die Kostüme ganz klar dem traditionellen Horror zugeordnet werden können und stark an die Phantasmagorien Edgar Allan Poes und H.P. Lovecrafts erinnern, besitzen die Kameraarbeit, der Sound und der Schnitt die postmoderne Ästhetik eines MTV-Videos. Die Diskrepanz zwischen anachronistischem Inhalt und moderner Form schafft eine Dynamik, aus der die visuelle Spannung des Films resultiert. Ähnlich wie das "Blair Witch Project", das verwackelte Kameraführungen und Bildstörungen als ein bewusstes Stilmittel einsetzte, wirkt "The Ring" durch die vermeintlich amateurhafte Qualität des Clips besonders authentisch. Der Horror erscheint realer, gerade weil er sich im Film selber nur auf einem Monitor manifestiert (obwohl hinzugefügt werden muss, dass der Clip in "Ringu" noch verschwommener aussah, ganze dreißig Sekunden dauerte und um einiges verstörender war). Auch die Schauplätze übernehmen diesen Alt/Neu-Gegensatz: die erste Hälfte des Films spielt fast ausschließlich in betont symmetrischen und sehr kalten Großstadtkulissen (zu grell, um wirklich Noir zu sein, aber mit einer ähnlichen Grundstimmung. David Cronenberg lässt grüßen), während in der zweiten Hälfte traditionelle Gothic-Settings (Landhaus, Insel im Nebel, Hütte im Wald) im Vordergrund stehen. Diese optische Zäsur wirkt sich leider auf die erzählerische Qualität des Streifens aus. Wird in der ersten Stunde durch die geschickte Vermischung von surrealem Horror und urbaner Wirklichkeit noch eine sehr bedrohliche Atmosphäre erzeugt, verkommt der Film später zu einer klischee-beladenen Spukgeschichte. Je mehr die Protagonisten über das Tape herausfinden, desto konventioneller wird der Film. Allerdings wird diese Entwicklung bis zu einem gewissen Grad durch die Schlusswendung gerechtfertigt, die wiederum sämtliche Konventionen der klassischen Geistergeschichte untergräbt. Eine weitere Ähnlichkeit zum "Blair Witch Projekt" ist die Tatsache, dass "The Ring" der reinste Suggestivhorror ist. Es gibt kaum explizite Szenen in dem Film. Stattdessen bemüht sich die Inszenierung, durch Atmosphäre und Anspielungen den eigentlichen Horror im Kopf des Zuschauers entstehen zu lassen. Dementsprechend subjektiv werden wohl die Reaktionen ausfallen: während einige sicherlich mit schlaflosen Nächten zu kämpfen haben werden, wird der Film bei anderen nur ein müdes Gähnen hervorrufen. Letztendlich zieht der Film diesen suggestiven Ansatz aber auch nicht konsequent genug durch. Im Gegensatz zum "Blair Witch Projekt" und zum japanischen Original wird besonders gegen Ende hin viel zu viel erklärt. Anstatt sich so selber zu entmystifizieren, hätte "The Ring" einfach ein bisschen mehr Vertrauen in die Phantasie seiner Zuschauer haben sollen. Abgesehen von einem absolut hohl agierenden Martin Henderson als Rachaels Ex-Freund Noah liefern die Darsteller ganz solide Leistungen ab, aber eine verängstigt dreinblickende Naomi Watts und ein frühreifes Kind mit Düster-Touch (David Dorfman), das sich allzu offensichtlich für "Ich sehe tote Menschen"-Haley Joel Osment hält, wirken auf die Dauer doch ein wenig ermüdend. Warum der Film trotzdem ganze sieben Punkte bekommt? Abgesehen davon, dass er trotz aller Kritikpunkte ein vergleichsweise überdurchschnittlich guter Horrorstreifen ist, sind es die kleinen Momente von Genialität, die "The Ring" in den oberen Bereich der Bewertungsskala heben: kleine Szenen (der Hengst-Suizid auf der Fähre, der Film auf dem Videotape, der gespenstische Sonnenuntergang vor Kabine Nr.12, das Mädchen, das aus dem Brunnen krabbelt etc.), deren durchdachte Komposition eine unglaubliche Intensität erzeugt und dem Zuschauer dabei vor Augen führt, wie gut "The Ring" wirklich hätte werden können. Fazit: auf zum nächsten DVD-Importeur, das japanische Original ausleihen, alle Lichter aus und dann im eigenen Angstschweiß baden. Wem das zu viel ist, der kann sich ersatzweise mit der Light-Version "The Ring" im Kino vergnügen. |
Bilder: Copyright United International Pictures


von Beccas Mutter die Untersuchung der genaueren Umstände des Todes. Schnell stößt sie auf weitere ominöse Todesfälle in Beccas Freundeskreis und auf die urbane Legende von einem vermeintlich tödlichen Videotape, das sich Becca und ihre Freunde genau sieben Tage vor ihrem Tod angesehen haben. Obwohl Rachael an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte zweifelt, gelingt es ihr, die Kassette aufzutreiben. Sobald sie sich den bizarren, alptraumhaften Clip auf dem Band zu Ende angesehen hat, klingelt das Telefon und eine weibliche Stimme prophezeit ihr: "Noch sieben Tage!" Als dann auch noch ihr Sohn Aiden sich zufällig das Video ansieht, beginnt für Rachael ein Wettlauf gegen die Zeit.
allem im asiatischen Kino einen Boom erlebt, und eher klassisch angehauchten Gothic-Motiven. Wie schon in "Poltergeist" fungiert das Fernsehen als ein perfektes Medium, um die beiden Welten zu verbinden, denn meistens werden die Gothic-Motive über einen Bildschirm in die sterile Art-Deco Umgebung der Protagonisten transportiert. Bestes Beispiel hierfür ist der tödliche Videoclip: während die Settings und die Kostüme ganz klar dem traditionellen Horror zugeordnet werden können und stark an die Phantasmagorien Edgar Allan Poes und H.P. Lovecrafts erinnern, besitzen die Kameraarbeit, der Sound und der Schnitt die postmoderne Ästhetik eines MTV-Videos. Die Diskrepanz zwischen anachronistischem Inhalt und moderner Form schafft eine Dynamik, aus der die visuelle Spannung des Films resultiert. Ähnlich wie das "
betont symmetrischen und sehr kalten Großstadtkulissen (zu grell, um wirklich Noir zu sein, aber mit einer ähnlichen Grundstimmung. David Cronenberg lässt grüßen), während in der zweiten Hälfte traditionelle Gothic-Settings (Landhaus, Insel im Nebel, Hütte im Wald) im Vordergrund stehen.
Abgesehen von einem absolut hohl agierenden Martin Henderson als Rachaels Ex-Freund Noah liefern die Darsteller ganz solide Leistungen ab, aber eine verängstigt dreinblickende Naomi Watts und ein frühreifes Kind mit Düster-Touch (David Dorfman), das sich allzu offensichtlich für "Ich sehe tote Menschen"-Haley Joel Osment hält, wirken auf die Dauer doch ein wenig ermüdend.
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