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Riding Giants

Riding Giants
dokumentation , usa 2004
original
riding giants
regie
stacey peralta
drehbuch
stacey peralta
cast
greg noll,
jeff clark,
laird hamilton,
darrick doerner, u.a.
spielzeit
101 Minuten
kinostart
7. Juli 2005
homepage
bewertung

9 von 10 Augen

Ein Mann steht am Strand und blickt verloren ins Meer. So sei das immer mit ihm an solchen Tagen, sagt seine Frau. Heute kann der moderne Drachentöter, wie er sich selbst nennt, nicht ausziehen und seine "Drachen" erlegen, denn die Brandung ist zu schwach. Der Mann ist Laird Hamilton, einer der besten Surfer der Welt, und eine Welle, die er geritten hat ohne von ihr vom Brett geworfen zu werden, ist ein erlegter Drache - ein Monster, über das der Mensch triumphiert hat.
Solche Bilder bemüht Stacy Peralta (der schon in seiner hervorragenden Dokumentation "Dogtown and Z-Boys" die Ursprünge des Skateboarding auf die Leinwand brachte) in seinem neuen Film "Riding Giants", der von der Entstehung des modernen Surfens handelt. In knappen zwei Minuten erläutert der Film zu Beginn mit Hilfe von Animationen die 1000 Jahre alte Geschichte des Surfens. Peralta hält sich nicht lange auf mit dem Hawaiianischen Ursprung des Sports, er eilt geschwind in die Moderne und konzentriert sich auf die Entwicklung im 20. Jahrhundert: Angefangen mit ein paar Halbstarken im Amerika der Fünfziger Jahre bis hin zum Hightech-Sport der heutigen Zeit. Er behält dabei den Fokus auf das "Big Waves"-Surfing, das immer bemüht ist, noch höhere Wellen zu stehen - der mythologische Kampf mit (Natur-)Giganten, ausgetragen von einem Mann und seinem Brett.

Meisterhaft versteht es Peralta, die Faszination dieses Sportes auszudrücken, der immer wieder auf der Suche nach der perfekten Welle ist. Wenn alte Männer und Pioniere des Sportes wie Greg Noll im Interview von dem Adrenalinstoß berichten und ein Lächeln über ihre Lippen huscht, versteht man, was das Surfen ausmachen muss. Und wenn man im Anschluss noch Amateuraufnahmen aus der damaligen Zeit sieht, wie diese heute alten Männer auf besseren Holzbrettern die Wellen hinunter gleiten, kann man erahnen, welchen Mut sie damals aufgebracht haben müssen.
Dennoch liegt das Hauptaugenmerk Peraltas auf dem Lebensstil, der um diesen Sport kreiert wurde, ohne ihn zu glorifizieren. Das Leben der passionierten Surfer in diesem Film hat kaum etwas mit einem "Beach Boys"-Song oder Hollywood-Idealen zu tun. Die Suche nach der perfekten Welle, der perfekten Dünung ist nicht nur eine Leidenschaft, sondern bedeutet auch Verzicht auf viele Bequemlichkeiten des modernen Lebens. Wenn Bilder der spärlichen Baracken der ersten Hawaii-Surfer über die Leinwand flimmern, erkennt man die widrigen Lebensbedingungen, die damit verbunden waren, und spürt die Philosophie, die dahinter steckte: In diesen Momenten weht ein Hauch der ersten 68er-Kommunen durch den Film. Surfen war ein Weg, der Gesellschaft zu entfliehen und sich gegen sie aufzulehnen, will der Film uns sagen. Surfer suchten immer die Provokation (sie surften zum Beispiel in Nazi-Uniformen), wollten ohne Zwang leben.

Peralta verschweigt in diesem Zusammenhang ebenso wenig die Toten, die der Surfsport forderte, noch die Gefahren, die mit diesem verbunden sind. Er bemüht die tragische Seite, die die unkontrollierte Begeisterung fürs Surfen des Öfteren mit sich brachte. Hierdurch bekommt man ein differenziertes Bild dieses Sportes, der immer an die Grenzen des Machbaren geht.
Die große Leistung von Peraltas Film besteht darin, dass er sich nicht mit technischen Errungenschaften und Entwicklungen der Surfboards aufhält. Er reduziert alles auf den Kick nach der immer neuen Herausforderung, der ständigen Suche. Dadurch wird der Film nicht nur ein Gewinn für den interessierten Surfer, sondern auch für den Neuling. Mit dem vielen Originalmaterial der Surfer - wie Fotografien oder einer verwackelten "Super 8"-Aufnahme - gelingt es Peralta, die Distanz zwischen Zuschauer und Surfer vollkommen aufzuheben. Denn er bebildert nicht einfach nur die Geschichte des Surfsports, er vollzieht sie mit seinem Material nach. Absolut genial schneidet er gestellte und authentische Aufnahmen zusammen, arbeitet mit Fotomontagen und benutzt Techniken, mit denen er einzelne Fotos zum Leben erweckt. Die ungeheure Menge an Material schreckt nicht ab, sorgt nicht für Verwirrung, sondern fängt eben jenes Lebensgefühl ein, das der Surfsport ausdrücken will.
Das größte Plus des Filmes sind aber bei weitem die Surfaufnahmen. Nie war der Zuschauer näher beim Surfer. Nie gewann er mehr Einblicke in den Sport, egal, ob es sich um Peraltas eigenes Material handelt oder um fremde Mitschnitte. Wobei man sich aber fragen darf, warum man mitunter die Amateuraufnahmen nicht schon früher in einem anderen Umfeld gesehen hat - manche Bilder lassen einem dermaßen den Atem stocken, dass es unbegreiflich scheint, dass sie noch nie publik gemacht worden sind.
Auch die Kombination aus Interviews und Surfszenen stimmt: Die Kommentare und Anekdoten unterlegen auf einmalige Weise das Material, geben einen Eindruck, worin die Leistung des Surfers bestand und vermitteln so ein Gefühl von Authentizität. Nach diesen Einblicken kann man über Filme wie "Gefährliche Brandung" oder "Blue Crush" nur noch müde lächeln.

Ähnlich wie bei seinem viel gelobten Werk "Dogtown and Z-Boys" über die Entstehung des modernen Skatens schafft es Peralta, nicht nur einen Sport, sondern auch das damit verbundene Flair und die zugrunde liegende Philosophie auf das Eindruckvollste zu bebildern. So gut, dass man nach dem Kino am liebsten einen Flug nach Hawaii buchen möchte, um sich selbst einmal an der nächsten Welle zu versuchen.

Kai Kollenberg

10

Den Film zu sehen,war einfach super genial!!!Die Aufnahmen einzigartig und sehr inforeich dargestellt!!!Aber realiesieren tut man den film erst, wenn man die Wellen in echt sieht, wie ich gerade in Australien, einfach hammer!!!
Ich liebe diesen Film!!!

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