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Reine Nervensache 2

Reine Nervensache 2
komödie , usa 2002
original
analyze that
regie
harold ramis
drehbuch
harold ramis, peter tolan, peter steinfeld
cast
robert de niro,
billy crystal,
lisa kudrow,
joe viterelli, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
9. Januar 2003
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Das Grundkonzept von "Reine Nervensache" war so einfach und brillant, wie sich das gehört für einen Film, der sich in einem Satz zusammenfassen lässt und trotzdem noch wie eine gute Idee klingt: Neurotischer Mafiaboss (und auch noch gespielt von Robert de Niro höchst selbst, wie cool kommt das denn!) begibt sich in psychiatrische Behandlung und entdeckt seine sensible Seite. Ein Riesenbrüller! Und das war es auch: "Reine Nervensache" war eine sehr unterhaltsame und sehr amüsante Komödie, die das Potential ihrer Grundidee perfekt ausschöpfte und schnell genug aufhörte, bevor es langweilig zu werden begann. Denn überstrapazieren sollte man so ein Konzept nicht.
Tut man aber natürlich doch, schließlich sind wir in Hollywood, gute Ideen ohnehin zusehends Mangelware, und was einmal geklappt hat, klappt auch noch ein zweites Mal. Und deshalb wird von jedem Film eine Fortsetzung gedreht, solange dieser über 100 Millionen Dollar eingespielt hat. Egal, ob der Stoff das hergibt. Auch egal, ob Robert de Niro sein knochenhartes Image, dessen Karikierung im Original noch das entscheidende Salz in der Suppe war, in der Zwischenzeit durch inflationären Gebrauch in ähnlich gelagerten Possen ("Meine Braut, ihr Vater und ich", "Showtime") fast vollständig ruiniert hat.
Und deshalb wird Mafia-Boss Paul Vitti gegen Ende seiner Haftstrafe erneut in die Obhut seines alten Seelenkleppners Ben Sobel (Billy Crystal) übergeben, weil der große Gangster auf einmal abwechselnd Musicalnummern singt oder völlig apathisch in seiner Zelle hockt. Das entpuppt sich indes bald als äußerst überzeugend vorgeführtes Täuschungsmanöver, da Vitti selbst im Knast seines Lebens nicht mehr sicher ist und nun aus dem sicheren Hort im Hause seines Psychiaters herausfinden will, wer seiner alten Freunde oder Konkurrenten ihm ans Leder will.
Das ist zumindest die grundlegende Handlung, aber die ist im Prinzip auch egal, denn es geht lediglich darum, aus jeder Situation, die sich irgendwie einstricken lässt, einen möglichst guten Gag heraus zu holen. Dass dem bereits die Abwegigkeit diverser Szenarien im Wege steht, ist eines der Grundprobleme von "Reine Nervensache 2": So führt z.B. Sobels Vorschlag, Vitti solle sich einen ernsthaften Job suchen, zu einer kurzen Sequenz, die dessen Scheitern u.a. als Luxusautoverkäufer oder Chefkellner illustriert - völlig egal, dass man diese Jobs nicht einfach so hinterhergeschmissen bekommt. Hauptsache, es ist lustig.
Ähnlich komisch sollte die Idee funktionieren, dass Vitti schließlich als "technischer Berater" bei einer Fernsehserie namens "Little Cesar" landet, wo er dem einen Mafiaboss spielenden Hauptdarsteller dabei hilft, auch wie ein echter Mafiaboss zu wirken. Wohl gedacht als kleiner Seitenhieb auf die in den USA äußerst erfolgreiche (und bei uns leider gänzlich untergegangene) TV-Serie "The Sopranos" (die wiederum zumindest partiell von "Reine Nervensache" inspiriert war), wird dieser Gag überstrapaziert und verpufft die meiste Zeit wirkungslos.
Dem Handlungsunterbau des ersten Teils folgend, wird auch Paul Vittis tiefenpsychologisches Urproblem (ein Vater-Komplex feinster Prägung) wieder aufgewärmt, und weil das nicht reicht, kriegt Dr. Sobel gleich genau den selben Komplex verpasst - auf dass sich die Rollen vertauschen mögen und sich Mafiaboss und Psychiater gegenseitig therapieren, um dann im ungünstigsten Moment diesmal zusammen loszuheulen. Klingt auch nicht witzig? Ist es auch nicht. Wenn sich der Film dann auch noch immer mehr in derben Sex-Zoten verliert, ist das verzweifelte Suchen der Autoren nach halbwegs brauchbaren Witzen mehr als deutlich spürbar.

"Reine Nervensache 2" ist nicht komplett unkomisch und kann immer noch einige gute Lacher für sich verbuchen, was bei einer eigenständigen Komödie vielleicht zu einem milderen Urteil gereicht hätte. Hier jedoch hat man einfach nur eine müde Weiterdrehe einer längst nicht mehr frischen Idee vor sich, die in jeder Minute schmerzlich daran erinnert, wie viel besser der erste Teil war, und wie erbärmlich der Fortsetzungswahn in Hollywood inzwischen geworden ist. Robert de Niro nimmt jedenfalls dank solcher Filme inzwischen wohl überhaupt niemand mehr ernst (dabei ist die Fortsetzung von "Meine Braut, ..." noch gar nicht angelaufen). Dass sein einstiger Ziehvater Martin Scorsese inzwischen lieber Filme mit Leonardo di Caprio dreht, sollte dem einstmals großen Bob zu denken geben, bevor er sich weiter für derart halbgare Komödienware verschwendet.

Frank-Michael Helmke

6

Ich habe den ersten Teil besser gefunden!

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