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Rein oder raus

Rein oder raus
gauner-komödie , großbritannien 2001
original
lucky break
regie
peter cattaneo
drehbuch
ronan bennett
cast
olivia williams,
bill nighy,
christopher plummer,
james nesbitt, u.a.
spielzeit
112 Minuten
kinostart
8. November 2001
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Während aus Hollywood fast ausschließlich Komödien über den Teich schwappen, in denen die Grenzen des Fäkalen und Sexuellen im Mainstreamfilm immer weiter ausgelotet werden (aktuellste Beispiele: "American Pie 2" und "Animal - Das Tier im Manne"), bescheren uns die Briten ziemlich regelmäßig mit sympathischen kleinen Unterhaltungsfilmen, die genauso regelmäßig im Dauerfeuer aus Amerika untergehen (jüngstes Beispiel: "Über kurz oder lang"). 1998 schaffte es ein Film, sich gegen die Konkurrenz aus Übersee durchzusetzen, und galt dementsprechend als Überraschungshit der Saison. "Ganz oder gar nicht", das Debüt des Regisseurs Peter Cattaneo, überzeugte durch eine ganz leicht aberwitzige Handlung, spritzige Dialoge, eine lockere Regie und vor allem durch die sympathisch gezeichneten Charaktere. Nun kommt mit "Rein oder Raus" der zweite Streich von Cattaneo in die Kinos, und eigentlich trifft alles, was gerade gesagt wurde, auch auf diesen Film zu.

Die beiden Gauner Jimmy Hands (James Nesbitt, "Lang lebe Ned Devine") und Rudy landen mal wieder im Knast. Dort lernt Jimmy nicht nur die Anstaltspsychiaterin Annabel Sweep (Olivia Williams) kennen (und lieben), die beiden Gauner freunden sich auch mit dem eingebildeten Roger (Bill Nighy), dessen pyromanisch veranlagten Zellengenossen Darren (Raymond Waring) und dem schüchternen Gumble (Timothy Spall) an. Nach mehreren Tagen in Einzelhaft ist für Jimmy klar, dass er aus dem Knast raus muss, und Rudy weiß auch, wo die Schwachstelle des Gebäudes ist: die alte Kapelle. Da trifft es sich, dass genau dort die vom Anstaltsleiter Mortimer (Christopher Plummer) geplante Aufführung seines selbst verfassten Musicals "Nelson" stattfinden soll. Mit unkonventionellen Methoden überredet Jimmy, der die Rolle des Nelson aufgehalst bekommt, seine Knastbrüder zum Mitmachen, und da Annabel für die weibliche Hauptrolle vorgesehen ist, scheint alles in Butter zu sein. Doch die Probleme lassen nicht lange auf sich warten: Der zur Gewalt neigende, neu eingelieferte Verbrecher Toombes will unbedingt mit ausbrechen, und Gumble hat sich, nachdem seine Frau ihn verlassen hat und er vom sadistischen Aufseher Perry (Ron Cook) besonders hart drangsaliert wurde, das Leben genommen. Die Mannschaft um Jimmy muss nun den Ausbruch koordinieren, die Musicalproben bewältigen, und sich Toombes vom Hals halten. Und kann Jimmy seine Annabel beim Ausbruch einfach so zurücklassen? Der Vorhang hebt sich ...

"Rein oder raus" ist wieder eine typische britische Komödie, die Spaß macht. Cattaneo beweist mit ein paar gelungenen inszenatorischen Einfällen, dass er sein Handwerk als Regisseur beherrscht. Ihm gelingen nicht nur Szenen voller Komik, sondern auch traurige Sequenzen, die wirklich anrührend sind und nicht dumpf-pseudorührig. Der Engländer zeigt, dass er das Spiel auf der Gefühlsklaviatur beherrscht.
Die Handlung, die am Anfang flott vorgetragen wird, verliert allerdings in der Mitte etwas an Schwung, zieht dann aber zum Schluss hin wieder an, was dem Film nur zum Vorteil gereicht. Die Szenen, in denen sich die beiden Liebenden näherkommen, fallen gegen die anderen Sequenzen leider etwas ab, und da tut es gut, dass gegen Ende das Chaos wieder zunimmt.
Neben der guten Regie hat der Film auch gelungene Dialoge zu bieten, doch was vor allem heraussticht, ist die Leistung der Darsteller. Sie verleiben ihren Figuren Leben ein und schaffen es, dass der Zuschauer richtige Menschen auf der Leinwand zu sehen glaubt, und nicht bloß pappkameradenhafte Abziehbilder. James Nesbitt gibt den charmanten Kleingauner mit dem großen Herz sehr überzeugend, und den Charakteren von Bill Nighy zuzuschauen ist immer wieder amüsant.

Eigentlich alles richtig gemacht, Peter, doch trotzdem fehlt irgendwas. Nämlich das, was die US-amerikanischen Teenieklamotten zu Hauf bieten (wollen): die ganz dicken Brüller. Relativ überraschungsarm läuft das durchaus sympathische Geschehen ab, doch so richtig gelacht hat man am Ende dann doch nicht. Zudem fehlt "Rein oder Raus" etwas der Drive von "Ganz oder gar nicht", der doch etwas schwungvoller daherkam. Trotzdem ein guter Film, der aber zum diesjährigen Überraschungshit nicht das Potential hat.

Collin Delbrouck

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