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Der
Name Jacques Mesrine wird hierzulande kaum jemandem etwas
sagen,
denn der französische Gangster und Ausbrecherkönig beging
seine Taten zu einer Zeit, als man sich in Deutschland
eher den
Aktivitäten der RAF widmete. In unserem Nachbarland
Frankreich,
der Heimat Mesrines, sieht das natürlich ganz anders aus.
Und
was dem
deutschen
Kino ihr "Baader-Meinhof-Komplex", das war im letzten
Jahr Jean-François Richets Prestigeprojekt "Mesrine",
das sich - wie jetzt auch in Deutschland - episch über
zwei
im Abstand von einigen Wochen ins Kino kommenden Filmen
erstreckte,
"L'instinct de la Mort" (der Titel von Mesrines
Autobiographie)
und "L'Ennemi Public No. 1".
Dass man nur den letzten Teil als internationalen
Verleihtitel nehmen
wollte, ist noch nachvollziehbar, warum man für diesen
französischen
Film aber dann hierzulande den englischen Titel statt des
auch im
Deutschen eigentlich völlig passenden "Staatsfeind Nr.
1" nehmen musste, ist wieder mal schleierhaft. Der
Qualität
des Streifens tut dies zwar keinen Abbruch, der
Unverwechselbarkeit
allerdings schon, denn im Sommer kommt ja noch Michael
Manns Gangster-Biopic
"Public Enemies". Auch interessant, dass man den
zweideutigen
Titel des ersten Films im Deutschen auf beide Filme
verteilte, denn
"L'instinct de la mort" kann sowohl "Mordinstinkt"
(1. Teil) als auch "Todestrieb" (2. Teil) bedeuten. Beides
passt natürlich zum Leben des Jacques Mesrine, der seine
kriminelle
Karriere zusammen mit Kumpel Paul (Gilles Lelouche) mit
diversen
Einbrüchen beginnt und zum Zeitpunkt seines blutigen
Ablebens
als Staatsfeind Nummer Eins wegen Mordes, Entführung,
Erpressung
und dutzender anderer Delikte gesucht wurde.
"Mordinstinkt" zeigt jetzt quasi die Lehrjahre des
Hallodri
und Kleinkriminellen Jacques Mesrine, der darauf besteht,
dass man
seinen Namen "Merine" ausspricht und Leuten, die das
seiner
Meinung nach stumme S mitsprechen, schon mal Prügel
androht.
Dabei ist "Mordinstinkt" dem klassischen Verlauf des
Biopics
verpflichtet, beginnt aber wie die meisten dieser Filme
mit einer
Erzählklammer.
In
einer genial mit Split Screens arbeitenden Sequenz, die
Lust auf
mehr macht, wissen wir erst mal nicht recht, was wir sehen
- und
sehen dann, dass es sich um die letzten Minuten des
Jacques Mesrine
handelt. Ein Spoiler ist das also nicht, da der Regisseur
das (angedeutete)
Ende schon mal vorausstellt und dann beginnt,
zurückzuverfolgen,
wie sein Protagonist dorthin kam.
Wohltuend hält sich Richet dabei mit Überpsychologisieren
zurück, der Zuschauer muss sich hier schon selbst
überlegen,
was diesen Jaques Mesrine antreibt. Der Film bietet
mögliche
Motivationen, ohne sie mit dem Holzhammer einzuprügeln. So
wird durchaus überzeugend gemutmaßt, dass sich Mesrines
Widerstand gegen jegliche Autorität aus seiner Wut auf den
Mitläufervater speist, der damals in der Vichy-Regierung
mit
den Nazis kollaborierte. Und der Weg vom
autoritätshassenden
Großmaul zum Killer zeigt Richet dann mittels Mesrines
Freundschaft
mit dem lokalen Mafiaboss Louis (Gerard Depardieu,
mittlerweile
ja fast auf solche Rollen abonniert). Wie diese beiden
einen arabischen
Zuhälter erst noch mit ausländerfeindlichen Witzen
verhöhnen,
dann beschwichtigen und sagen "sie seien ja gar nicht so",
um dann das Opfer lebendig zu begraben - das ist schon
harter Tobak,
besonders nach dem eher noch spielerischen Anfang des
Films, in
der Mesrine die gerade beraubten Hauseigentümer davon
überzeugt,
er sei der ermittelnde Polizist. Wie diese immer nur kurz
aufblitzenden
Gewaltszenen und Momente, in denen Mesrines aufbrausendes
Temperament
die Kontrolle übernimmt, auch unbedingt nötig sind, damit
der Protagonist nicht arg zu positiv rüberkommt. Denn das
ist
ja nun mal Fakt im Genre des Gangsterfilms, dass dieser
seine Objekte
zwangsläufig verherrlicht.
Besonders
natürlich, wenn jener Gangster als Teil einer One Man Show
von einem der charismatischsten Schauspieler des Landes
dargestellt
wird. Da kann nicht mal die ansonsten ja auch immer
beeindruckende
Cécile de France gegen an als seine Komplizin Jeanne, die
mit Mesrine über Jahre als französische "Bonnie
und Clyde" berühmt-berüchtigt wurde. Das
"Mesrine"-Projekt
wäre ja fast undenkbar, oder zumindest nicht so gelungen,
ohne
die Leistung von Vincent Cassel. Der ist zwar auf ähnliche
Parts spezialisiert, aber doch meistens in Nebenrollen
oder eindimensionalen
Figuren. Hier gehört ihm und ihm allein die Bühne, und
Cassel wirft alles in die Rolle: Seinen spitzbübischen
Charme,
der durchaus dem des Jacques Mesrine ähnelt, weswegen
jener
auch lange nach den bekannt gewordenen Missetaten noch
viele Sympathisanten
hatte. Seine Intelligenz und Improvisationsfähigkeit, die
auch
Mesrine als "Mann der tausend Gesichter" und
Ausbrecherkönig
Ruhm brachten. Und eben seine jähzornige, brutale Seite.
Wenn
Cassel als Mesrine einen Ehestreit damit beendet, seiner
Frau den
Lauf einer geladenen Pistole in den Mund zu stecken, ist
auch der
letzte Zuschauer auf genug Distanz zum Subjekt des Films
gebracht.
Was auch gut tut, da sich "Mordinstinkt" im Schlussteil
zum Gefängnisfilm wandelt, der die Gefängnisbetreiber
als böse Folterknechte zeigt, und der Zuschauer
automatisch
auf Mesrines Seite ist, wenn er mit seinem Kumpel und
Mitgefangenen
Jean-
Paul
Mercier (Roy Dupuis) nicht nur den Gefängnisausbruch wagt,
sondern auch noch zurückkommt, um die Mitgefangenen
freizuschießen.
Mit einer ausgesprochen knalligen Actionsequenz endet dann
dieses
Kapitel der Jacques Mesrine-Biographie, und gibt auch dem
zweiten
Teil sein prophetisches Motto: "Dehors ou mort" - "Draußen
oder tot" schwören sich Jacques und Jean-Paul vor ihrem
Ausbruch und dann im letzten Satz des Films, mit dem sie
ihr Schicksal
als Flüchtige endgültig besiegeln.
Mit "Mordinstinkt" legt Richet in seinem "Mesrine"-Projekt gut vor und zeigt sich dabei als stilsicherer, intelligenter Regisseur. In der Anfangssequenz und zwei weiteren Quasi-Actionszenen wirft er mit Split Screens um sich, als wäre er der junge Brian de Palma, bleibt dabei aber immer im Dienst der Story. Auch um Mesrines zunehmend angegriffenen Geisteszustand in der brutalen Einzelhaft im kanadischen Knast zu visualisieren, greift er in die Trickkiste, bleibt aber sonst stilistisch eng bei der realistischen Thrillerästhetik der 1970er, was angesichts Thema und Epoche perfekt passt.
"Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt" erfindet weder das Biopic neu, noch den Gangsterfilm, erweist sich aber als ausgesprochen würdiger Vertreter beider Genres. Und dem explosiven Vincent Cassel würde man für seine Klasseleistung hier 2010 gern bei den Oscars sehen, zumindest ein César muss aber allemal drin sein.



der titel "staatsfeind nr.1" wurde sicherlich deshalb nicht gewählt, weil es bereits einen solchen film mit deutschen titel gibt (will smith)
Ein bestimmt interessanter Film über einen brutalen Verbrecher und Killer und gleichzeitig Volkshelden. Muss ich mir anschauen. Danke für diese Rezension, scheint sich zu lohnen.
Sehr guter, extrem düsterer Film ohne jegliche Identifikationsfigur! Ein extrem guter Cassel und eine verdammt gute Regie, geparrt mit einem tollen Buch.
Unbedingt angucken!
Der Film hat seine Längen. Aber zum Ende hin wird er recht spannend. Werde mir den zweiten Teil ansehen.
ich kann die begeisterung für den film nicht teilen!
dem film fehlt meiner meinung nach die spannung, da man eigentlich immer glaubt die szene vorher schonmal gesehen zu haben.
Ich sehe es ähnlich, wie meine beiden Vorschreiber, besonders die erste Hälfte ist eigentlich recht langweilig, dazu kommt, dass Hauptfigur Jacques Mesrine immer unsympathischer wird, nicht erst, als er seiner attraktiven spanischen Ehefrau (Elena Anaya) die Pistole in den Mund hält. Nein, auch im kanadischen Knast hatte ich kein Mitleid mit ihm.
Es stimmt, der Film klärt nicht auf, warum Mesrine so geworden ist, wie er war, aber lt. anderen Quellen soll er bereits als Kind und Jugendlicher verhaltensgestört gewesen sein.
Der Film ist Geschmachssache, mich persönlich störte vor allem die sinnlosen Gewaltausbrüche und die nicht nachvollziehbare Motivation der Hauptfigur.
Beide Teilen sind spanend und super gemacht ! Bravo la France besser als die ewigen gleichen Ami Filmen !
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