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Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt

Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt
gangster-epos , frankreich 2008
original
mesrine: l'instinct de la mort
regie
jjean-françois richet
drehbuch
jean-françois richet, abdel raouf dafri
cast
vincent cassel,
gérard depardieu,
cécile de france,
gilles lellouche,
roy dupuis, u.a.
spielzeit
113 Minuten
kinostart
23. April 2009
homepage
http://www.senator.de
bewertung

8 von 10 Augen

Der Name Jacques Mesrine wird hierzulande kaum jemandem etwas sagen, denn der französische Gangster und Ausbrecherkönig beging seine Taten zu einer Zeit, als man sich in Deutschland eher den Aktivitäten der RAF widmete. In unserem Nachbarland Frankreich, der Heimat Mesrines, sieht das natürlich ganz anders aus. Und was dem deutschen Kino ihr "Baader-Meinhof-Komplex", das war im letzten Jahr Jean-François Richets Prestigeprojekt "Mesrine", das sich - wie jetzt auch in Deutschland - episch über zwei im Abstand von einigen Wochen ins Kino kommenden Filmen erstreckte, "L'instinct de la Mort" (der Titel von Mesrines Autobiographie) und "L'Ennemi Public No. 1".
Dass man nur den letzten Teil als internationalen Verleihtitel nehmen wollte, ist noch nachvollziehbar, warum man für diesen französischen Film aber dann hierzulande den englischen Titel statt des auch im Deutschen eigentlich völlig passenden "Staatsfeind Nr. 1" nehmen musste, ist wieder mal schleierhaft. Der Qualität des Streifens tut dies zwar keinen Abbruch, der Unverwechselbarkeit allerdings schon, denn im Sommer kommt ja noch Michael Manns Gangster-Biopic "Public Enemies". Auch interessant, dass man den zweideutigen Titel des ersten Films im Deutschen auf beide Filme verteilte, denn "L'instinct de la mort" kann sowohl "Mordinstinkt" (1. Teil) als auch "Todestrieb" (2. Teil) bedeuten. Beides passt natürlich zum Leben des Jacques Mesrine, der seine kriminelle Karriere zusammen mit Kumpel Paul (Gilles Lelouche) mit diversen Einbrüchen beginnt und zum Zeitpunkt seines blutigen Ablebens als Staatsfeind Nummer Eins wegen Mordes, Entführung, Erpressung und dutzender anderer Delikte gesucht wurde.

"Mordinstinkt" zeigt jetzt quasi die Lehrjahre des Hallodri und Kleinkriminellen Jacques Mesrine, der darauf besteht, dass man seinen Namen "Merine" ausspricht und Leuten, die das seiner Meinung nach stumme S mitsprechen, schon mal Prügel androht. Dabei ist "Mordinstinkt" dem klassischen Verlauf des Biopics verpflichtet, beginnt aber wie die meisten dieser Filme mit einer Erzählklammer. In einer genial mit Split Screens arbeitenden Sequenz, die Lust auf mehr macht, wissen wir erst mal nicht recht, was wir sehen - und sehen dann, dass es sich um die letzten Minuten des Jacques Mesrine handelt. Ein Spoiler ist das also nicht, da der Regisseur das (angedeutete) Ende schon mal vorausstellt und dann beginnt, zurückzuverfolgen, wie sein Protagonist dorthin kam.
Wohltuend hält sich Richet dabei mit Überpsychologisieren zurück, der Zuschauer muss sich hier schon selbst überlegen, was diesen Jaques Mesrine antreibt. Der Film bietet mögliche Motivationen, ohne sie mit dem Holzhammer einzuprügeln. So wird durchaus überzeugend gemutmaßt, dass sich Mesrines Widerstand gegen jegliche Autorität aus seiner Wut auf den Mitläufervater speist, der damals in der Vichy-Regierung mit den Nazis kollaborierte. Und der Weg vom autoritätshassenden Großmaul zum Killer zeigt Richet dann mittels Mesrines Freundschaft mit dem lokalen Mafiaboss Louis (Gerard Depardieu, mittlerweile ja fast auf solche Rollen abonniert). Wie diese beiden einen arabischen Zuhälter erst noch mit ausländerfeindlichen Witzen verhöhnen, dann beschwichtigen und sagen "sie seien ja gar nicht so", um dann das Opfer lebendig zu begraben - das ist schon harter Tobak, besonders nach dem eher noch spielerischen Anfang des Films, in der Mesrine die gerade beraubten Hauseigentümer davon überzeugt, er sei der ermittelnde Polizist. Wie diese immer nur kurz aufblitzenden Gewaltszenen und Momente, in denen Mesrines aufbrausendes Temperament die Kontrolle übernimmt, auch unbedingt nötig sind, damit der Protagonist nicht arg zu positiv rüberkommt. Denn das ist ja nun mal Fakt im Genre des Gangsterfilms, dass dieser seine Objekte zwangsläufig verherrlicht.
Besonders natürlich, wenn jener Gangster als Teil einer One Man Show von einem der charismatischsten Schauspieler des Landes dargestellt wird. Da kann nicht mal die ansonsten ja auch immer beeindruckende Cécile de France gegen an als seine Komplizin Jeanne, die mit Mesrine über Jahre als französische "Bonnie und Clyde" berühmt-berüchtigt wurde. Das "Mesrine"-Projekt wäre ja fast undenkbar, oder zumindest nicht so gelungen, ohne die Leistung von Vincent Cassel. Der ist zwar auf ähnliche Parts spezialisiert, aber doch meistens in Nebenrollen oder eindimensionalen Figuren. Hier gehört ihm und ihm allein die Bühne, und Cassel wirft alles in die Rolle: Seinen spitzbübischen Charme, der durchaus dem des Jacques Mesrine ähnelt, weswegen jener auch lange nach den bekannt gewordenen Missetaten noch viele Sympathisanten hatte. Seine Intelligenz und Improvisationsfähigkeit, die auch Mesrine als "Mann der tausend Gesichter" und Ausbrecherkönig Ruhm brachten. Und eben seine jähzornige, brutale Seite. Wenn Cassel als Mesrine einen Ehestreit damit beendet, seiner Frau den Lauf einer geladenen Pistole in den Mund zu stecken, ist auch der letzte Zuschauer auf genug Distanz zum Subjekt des Films gebracht.
Was auch gut tut, da sich "Mordinstinkt" im Schlussteil zum Gefängnisfilm wandelt, der die Gefängnisbetreiber als böse Folterknechte zeigt, und der Zuschauer automatisch auf Mesrines Seite ist, wenn er mit seinem Kumpel und Mitgefangenen Jean-Paul Mercier (Roy Dupuis) nicht nur den Gefängnisausbruch wagt, sondern auch noch zurückkommt, um die Mitgefangenen freizuschießen. Mit einer ausgesprochen knalligen Actionsequenz endet dann dieses Kapitel der Jacques Mesrine-Biographie, und gibt auch dem zweiten Teil sein prophetisches Motto: "Dehors ou mort" - "Draußen oder tot" schwören sich Jacques und Jean-Paul vor ihrem Ausbruch und dann im letzten Satz des Films, mit dem sie ihr Schicksal als Flüchtige endgültig besiegeln.

Mit "Mordinstinkt" legt Richet in seinem "Mesrine"-Projekt gut vor und zeigt sich dabei als stilsicherer, intelligenter Regisseur. In der Anfangssequenz und zwei weiteren Quasi-Actionszenen wirft er mit Split Screens um sich, als wäre er der junge Brian de Palma, bleibt dabei aber immer im Dienst der Story. Auch um Mesrines zunehmend angegriffenen Geisteszustand in der brutalen Einzelhaft im kanadischen Knast zu visualisieren, greift er in die Trickkiste, bleibt aber sonst stilistisch eng bei der realistischen Thrillerästhetik der 1970er, was angesichts Thema und Epoche perfekt passt.

"Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt" erfindet weder das Biopic neu, noch den Gangsterfilm, erweist sich aber als ausgesprochen würdiger Vertreter beider Genres. Und dem explosiven Vincent Cassel würde man für seine Klasseleistung hier 2010 gern bei den Oscars sehen, zumindest ein César muss aber allemal drin sein.

Simon Staake

der titel "staatsfeind nr.1" wurde sicherlich deshalb nicht gewählt, weil es bereits einen solchen film mit deutschen titel gibt (will smith)

Ein bestimmt interessanter Film über einen brutalen Verbrecher und Killer und gleichzeitig Volkshelden. Muss ich mir anschauen. Danke für diese Rezension, scheint sich zu lohnen.

9

Sehr guter, extrem düsterer Film ohne jegliche Identifikationsfigur! Ein extrem guter Cassel und eine verdammt gute Regie, geparrt mit einem tollen Buch.
Unbedingt angucken!

7

Der Film hat seine Längen. Aber zum Ende hin wird er recht spannend. Werde mir den zweiten Teil ansehen.

5

ich kann die begeisterung für den film nicht teilen!
dem film fehlt meiner meinung nach die spannung, da man eigentlich immer glaubt die szene vorher schonmal gesehen zu haben.

5

Ich sehe es ähnlich, wie meine beiden Vorschreiber, besonders die erste Hälfte ist eigentlich recht langweilig, dazu kommt, dass Hauptfigur Jacques Mesrine immer unsympathischer wird, nicht erst, als er seiner attraktiven spanischen Ehefrau (Elena Anaya) die Pistole in den Mund hält. Nein, auch im kanadischen Knast hatte ich kein Mitleid mit ihm.

Es stimmt, der Film klärt nicht auf, warum Mesrine so geworden ist, wie er war, aber lt. anderen Quellen soll er bereits als Kind und Jugendlicher verhaltensgestört gewesen sein.

Der Film ist Geschmachssache, mich persönlich störte vor allem die sinnlosen Gewaltausbrüche und die nicht nachvollziehbare Motivation der Hauptfigur.

10

Beide Teilen sind spanend und super gemacht ! Bravo la France besser als die ewigen gleichen Ami Filmen !

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