Für ein paar Sekunden ruht die Kamera auf dem nachdenklichen
Gesicht von Kurt Russell alias Robert Ramsey. Gerade ist
schon wieder
ein Mitglied seiner Gruppe durch herunterfallende
Schiffsbestandteile
zu Fischfutter verarbeitet worden, doch Robert hat nicht
wirklich
viel Zeit zu trauern. Einem kurzen Innehalten folgt ein
noch kürzeres
Kopfschütteln, sowie ein nüchternes "Ok, let's go".
Nein,
Wolfgang
Petersens nun schon dritte Bootsfahrt in den Untergang
(nach "Das
Boot" und "Der Sturm")
lässt seinen Akteuren nicht wirklich viel Zeit zum
Luftholen.
Gottseidank kann man da nur sagen, denn dies ist die
einzig wirklich
effektive Waffe des Films, um die Aufmerksamkeit des
Zuschauers
von dem mit Stereotypen und banalen Dialogzeilen nur so
vollgestopften
Drehbuch abzulenken.
Auch wenn die Schwächen des Skripts es auf den ersten
Blick
verführerisch einfach erscheinen lassen, den Untergang der
"Poseidon" als metaphorisch für die mangelnde Kreativität
vieler Hollywood-Blockbuster zu betrachten, muss diesem
vorschnellen
Urteil letztendlich doch laut Einhalt geboten werden. Es
mag war
sein, dass "Poseidon" von intelligenter Unterhaltung so
weit entfernt ist wie die Republik Togo vom WM-Sieg, doch
dies muss
ja noch lange nicht bedeuten, dass es keinen Spaß macht
den
beiden bei ihrem Auftreten zuzuschauen. Denn Hollywoods
aktuellstes
Schwergewicht ist auf geradezu erfrischend simple und
geradlinige
Art und Weise dann doch noch richtig kurzweilige
Unterhaltung geworden.
Mit dem Fuß auf dem Gaspedal gibt der Film kaum
Gelegenheit,
sich über die zahlreichen Schlaglöcher des Drehbuchs
aufzuregen,
und so steht "Poseidon" am Ende symbolisch für etwas,
das einfach niemand besser als Hollywood zu leisten im
Stande ist:
selbst aus den furchtbarsten Klischees noch einen
unterhaltsamen
Film zu basteln.
Eifrig mitgebastelt hat dabei Wolfgang Petersen, der nach
einem
U-Boot und einem Fischkutter nun ein Kreuzfahrtschiff auf
Grund
laufen lassen darf. Ausgerechnet am Sylvester-Abend wird
die prachtvolle
Poseidon von einer Monsterwelle erwischt, welche das
Schiff schließlich
Kiel oben auf dem Atlantik treibend zurücklässt. Oben
ist nun unten und, das dürfte wohl kaum einen überraschen,
die meisten Crewmitglieder und Passagiere des Schiffes
sind tot.
Die wenigen Überlebenden sammeln sich im noch wasserfreien
Ballsaal, doch entgegen der Anweisung eines Offiziers
beschließt
eine Gruppe von Passagieren, nicht etwa auf Hilfe zu
warten, sondern
sich alleine den Weg an die Oberfläche zu bahnen.
Angeführt
von dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Robert Ramsey
(Kurt
Russell) und dem professionellen Glücksspieler Dylan (Josh
Lucas) wird ihnen aber schon bald bewusst, welches Risiko
der Aufstieg
birgt, denn das Schiff hält so manche tödliche
Überraschung
parat. So wird Dylans Vorgabe, so schnell wie möglich nach
"oben" zu kommen, gleich von mehreren Teammitgliedern
falsch ausgelegt und stattdessen reihenweise der Heldentod
gestorben.
Angesichts des nackten Überlebenskampfes rücken die
Selbstmordabsichten
des homosexuellen Richard Nelson (Richard Dreyfuss) und
die Heiratspläne
von Ramseys Tochter Jennifer (Emmy Rossum), deren Vater
den kommenden
Bräutigam (Mike Vogel) nicht wirklich ins Herz geschlossen
hat, auch sehr schnell in den Hintergrund.
"Poseidon", dieser Name wird im Alltag eher mit
luxuriösen
Yachten oder dem preiswerten Griechen um die Ecke
assoziiert, als
mit dem stolzen Meeresgott und seinem Dreizack. Mit "My
Big
Fat Greek Wedding" hatten griechische Restaurants ja
bereits
ihren Leinwandauftritt, nun widmet sich der deutsche
Regisseur Wolfgang
Petersen also dem Überlebenskampf der Passagiere eines
sinkenden
Kreuzfahrtschiffes. Das gab es zugegebenermaßen allerdings
schon einmal 1972, damals mussten sich Gene Hackman und
Ernest Borgnine
verzweifelt ihren Weg durch den Ozeandampfer bahnen. Wie
so oft
versucht Hollywood also mal wieder durch ein Remake das
Risiko eines
Misserfolges gering zu halten, was einmal funktioniert hat
wird
wohl auch ein zweites Mal die Kassen füllen.
Sehr oft ist diese Rechnung schon aufgegangen, diesmal
allerdings
nicht. Neben durchwachsenen Kritiken gab es eine satte
Ohrfeige
an der amerikanischen Kinokasse, und wenn auch noch die
internationalen
Einspielergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben,
dann
dürften wir es hier wohl mit einem aussichtsreichen
Kandidaten
für den (finanziellen) Flop des Jahres zu tun haben.
Leider
hat es da aber mit "Poseidon" den Falschen erwischt, denn
auch wenn uns Petersen keine Sternstunde des Kinos
liefert, entpuppt
sich sein Film dennoch als äußerst kurzweilige
Unterhaltung,
vorausgesetzt man hat neben Popcorn auch die richtige
Erwartungshaltung
mit in den Kinosaal gebracht. Dass der Film sich so kurz
anfühlt,
liegt natürlich zum einen daran, dass der Film auch
tatsächlich
kurz ist. Nicht einmal 100 Minuten bringt er auf die Uhr,
und das
ist bei den selbsternannten Blockbustern heutiger Tage
dann doch
schon eher eine Seltenheit. Zum anderen ist da aber auch
die Tatsache,
dass Petersen sich glücklicherweise bewusst darüber ist,
wo die Schwächen der Story liegen und, noch viel
wichtiger,
wie man diese möglichst geschickt übertünchen kann.
Sein Rezept: Konzentration aufs Wesentliche und Tempo,
Tempo, Tempo.
Abgesehen von einem leichten Anflug von Epos in der
beeindruckenden
Eröffnungssequenz, bei der man allerdings die
Computerherkunft
etwas zu deutlich spürt, bekommt der Kinobesucher mit
"Poseidon"
nämlich eine sehr simple Version des "10-kleine-Negerlein
Konzepts" serviert, ohne die in Filmen dieser
Größenordnung
so oft übliche extra Spritze bemühten Dramas und Pathos.
So werden die Protagonisten einfach ohne Atempause von
einem Set
in das andere gescheucht, jedes Mal konfrontiert mit einem
neuerlichen
Hindernis und seinen tödlichen Tücken. Abgesehen von ein
paar eingestreuten Außenaufnahmen des Schiffes bleibt der
Zuschauer dabei immer konsequent bei der Gruppe und
glücklicherweise
auch von überstrapazierten romantischen Nebenplots
verschont,
womit mögliche Tempobremser gleich schon mal vorab
eliminiert
wurden.
Sicher, eine Story mit Tiefgang würde zwar zu einem
sinkenden
Schiff passen, doch im Falle von "Poseidon" ist es nicht
so tragisch, dass sich der Film fast ausschließlich von
Klischees
bedient. Ein gutes Beispiel für diese Vorgehensweise ist
die
Exposition, bei der alle wichtigen Figuren dem Publikum im
Wesentlichen
mit zwei oder drei Sätzen vorgestellt werden. So etwas
funktioniert
natürlich nur,
wenn
tief in die Klischeekiste gegriffen wird, doch wieso mit
langer
Exposition Charaktertiefe schaffen für Figuren, die
letztendlich
doch sowieso nur Fischfutter sind. So dauert es nicht
einmal 15
Minuten bis zum Auftauchen der Welle und damit dem Begin
des Überlebenskampfes
der Passagiere, was dem Tempo des Films alles andere als
schadet
(man denke nur einmal an den etwas zähen Start von "King
Kong" zurück).
Natürlich lässt sich nicht leugnen, dass der Film den
Betrachter auch danach noch weiter kräftig mit Klischees
und
banalen Dialogen "verwöhnt". Wenn Heiratsanträge
diskutiert werden, kleine Kinder allzu cleveres Verhalten
an den
Tag legen und sich die Protagonisten immer in den
richtigen Momenten
an ihre Vergangenheit als Feuerwehrmänner oder
Sportschwimmer
erinnern, dann sollte man ja eigentlich den
Drehbuchautoren vierteilen.
Doch da all dies von dem Film eher beiläufig abgehandelt
wird,
bekommt man nie wirklich genug Zeit sich so richtig
darüber
aufzuregen. So wird zum Beispiel der Heiratsantrag
Jennifers in
einem Schacht ausdiskutiert, mit ansteigendem Wasserpegel
unten
und verschlossenem Deckel oben. So lächerlich das ist, so
dankbar
ist man dann doch auch wieder, dass dies nicht mit einer
langatmigen
und schmalzigen Fünfminuten-Szene zelebriert wird.
Petersen
bringt diesen Punkten offensichtlich ebenso wenig
Interesse entgegen
wie der Kinobesucher, und das macht es schwierig,
wirklichen Frust
darüber zu empfinden.
Stattdessen
liegt der Fokus des Films ganz wo anders, nämlich auf dem
fleißigen
Drehen der Spannungsschraube, den Action-Sequenzen und
einem einfallsreichen
Set-Design. In diesen Punkten kann sich "Poseidon" recht
gut behaupten und selbst die Darsteller können aus einem
Nichts
an Charakteren genug Ausstrahlung zaubern, um zumindest
nicht völlige
Gleichgültigkeit an ihrem Schicksal aufkommen zu lassen.
Wirklich
hervorstechen kann allerdings nur Josh Lucas, was aber
hauptsächlich
an der aktiven Präsenz seiner Figur liegt. Während Russell
ein wenig verschenkt ist, ist es schön, den deutlich
gealterten
Dreyfuss mal wieder auf der großen Leinwand begrüßen
zu können, auch wenn dieser mit seiner Rolle vollkommen
unterfordert
ist. Schließlich sollte man sich dann auch noch bezüglich
des Auftritts von Black Eyed Peas-Sängerin Stacey Ferguson
bei der Monsterwelle für ihr frühzeitiges Auftauchen
bedanken.
Ja, "Poseidon" darf vollkommen berechtigterweise als Edeltrash deklariert werden, doch wenigstens sind sich bei diesem Film die Macher dieser Tatsache auch bewusst. Die "kreativen" Tötungsszenarien, teilweise stark an die "Final Destination"-Reihe erinnernd, tragen dann ebenfalls noch ihren Teil zur Steigerung des Trash-Faktors bei. Dazu schwimmen fast in jeder Einstellung dutzende Leichen durchs Bild, was im Vergleich "Titanic" wie einen Kindergartenausflug erscheinen lässt. Zarte besaitete Seelen sollten also lieber keine Bordkarte lösen, alle anderen dürfen aber relativ unbesorgt zugreifen, solange man sich bewusst wird was einem hier serviert wird. So schnell "Poseidon" vorüber ist, so schnell ist er letztendlich auch wieder vergessen, doch in diesem Fall darf dies eher als Kompliment denn Kritik verstanden werden.


Kann mich der Kritik oben nur anschließen, ein durchaus spannender und vor allem kurzer Hollywood-Katastrophen-Film. Mehr habe ich auch nicht erwartet.
Wirklich sehr unzutreffende Kritik! Ehrlich.
Wolfgang Petersens neuer Film Poseidon hat mir sehr gut gefallen, obwohl er in der USA nicht so der Knüller war.Die Action und der Untergang des Schiffes ist gut umgesetzt und die Schauspieler passten auch. Fazit: Der Film ist ein guter Sommerhit, den man sich getrost anschauen kann. Er wird nicht enttäschen.
Super Kritik, bis auf einen Punkt: Durch diese "super geradlinige Story" ,die einem keinen Moment Atempause gönnt und alle Klischees mit Action überdeckt, kommt zwar insgesamt ein unterhaltender Film raus, der dann aber doch schnell langweilig wird. Darum würde der FIlm von mir höchstens 6 Punkte, eher 5 bekommen. Was die 7 Punkte für mich raushaut, sind die wirklich irrsinnigen Wasser-Special Effects!
Ach ja, vergessen: Ich finde die Effects sogar so gut, dass der Oscar meiner Meinung nach an diesen Film hätte gehen sollen und nicht an Fluch der Karibik 2, bei dem die CGI Hintergründe doch ganz schön durchleuchten...
Ups, und noch was: @gute-arbeit: Was heißt da, kein ewiges Liebesgesülze wie in Titanic??? Dafür haben wir hier kurzes Liebesgesülze mit der Feinfühligkeit von Silvester Stallone, wobei man nicht im Geringsten die Möglichkeit hat, die Personen kennenzulernen! Dazu ist es eine typisch Blockbuster-Beziehung: Gut aussehende Schauspieler, oberflächliche und schnell durchschaubare Charaktere. Nichts was der Person Tiefe verleiht.
Und in Titanic steckt weitaus mehr als "Liebesgesülze", das kann gar nicht oft genug gesagt werden!!
So - Over.
Ich finde den Film einfach nur toll, aber mit dem dem Film Titanic ist es nich zuvergleichen.
Aber ich gebe trotzdem 8 Augen.
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