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Ponyo - Das große Abenteuer am Meer

Ponyo - Das große Abenteuer am Meer
animation , japan 2009
original
gake no ue no ponyo
regie
hayao miyazaki
drehbuch
hayao miyazaki
cast
anja kling,
christian tramitz,
alina freund,
nick romeo reimann, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
16. September 2010
homepage
http://www.ponyo-film.de
bewertung

7 von 10 Augen

 

Nur einmal passt der grimmige Unterwasserzauberer nicht auf und schon ist es passiert: Eines seiner zahlreichen kleinen Kinder in Goldfischform macht sich davon und erkundet die Welt der Menschen. Glücklicherweise trifft sie dabei auf den gutmütigen Sosuke, der mit seiner Mutter und seinem nur selten nach Hause kommenden Vater in einem Haus auf einem Berg direkt am Meer lebt. Nachdem der Junge und das muntere Wasserwesen einen ereignisreichen gemeinsamen Tag verbracht haben, gelingt es jedoch ihrem Vater sein verlorenes Schäfchen zu finden und wieder mit nach Hause zu nehmen. Doch Ponyo, wie sie von Sosuke getauft wurde, hat Gefallen gefunden am Leben an Land und es gelingt ihr erneut auszureißen, diesmal sogar in Menschengestalt. Dabei löst sie allerdings eine Kettenreaktion aus, die nicht nur einen zornigen Vater, sondern vor allem eine ganze Welle von Naturkatastrophen zur Folge hat.

Nun ist es passiert: Die wohl beeindruckendste Serie an Höchstwertungen auf den Seiten von Filmszene ist gerissen. Die Wiederaufführung "Das Schloss im Himmel" mit eingerechnet, gelang es Japans Meisterregisseur Hayao Miyazaki mit seinen faszinierenden Animationswelten gleich viermal in Folge hier die Höchstwertung einzustreichen - und das auch noch von vier verschiedenen Rezensenten. Dass dies nun bei "Ponyo" nicht passiert ist aber keineswegs ein Grund für große Depressionen und es dürfte auch keine wirkliche Überraschung sein. Denn ganz bewusst hat Miyazaki eine Auszeit von den komplexen Themen seiner Vorgängerfilme genommen und diesmal einen reinen Kinderfilm inszeniert.
Dies ist auch der Grund für das lange Zögern des Verleihs diesen hierzulande überhaupt herauszubringen. Was aufgrund des Renommees der beliebten und ja auch mehrfach Oscar-nominierten letzten Filme im ersten Moment überraschen mag, ist durchaus nachvollziehbar, denn "Prinzessin Mononoke", "Chihiros Reise ins Zauberland" oder "Das wandelnde Schloss" entwickelten sich bei uns zwar zu Programmkinohits, nicht aber zu großen Massenerfolgen. Die Vermarktung des nun auf ein wesentlich jüngeres Publikum ausgerichteten "Ponyo" ist daher nicht einfach und so dauerte es fast drei Jahre bis man sich entschloss, doch noch einen Kinostart zu riskieren. Das sollte sich lohnen, denn obwohl "Das große Abenteuer am Meer" ein ganzes Stück simpler daherkommt als von Miyazaki gewohnt, enthält es aber immer noch genug unverwechselbare Bestandteile.

Vor allem das "Wohlfühlelement", welches die kunstvoll gestalteten Welten des Regisseurs seit jeher auszeichnet, ist auch in "Ponyo" zu finden und lässt Sehnsucht aufkommen nach diesem wunderschönen kleinen Dorf am Meer, bei dem selbst eine Autofahrt durch den Regen noch Poesie verströmt. Zeichnerisch hat das zweifellos erneut große Klasse, obwohl es auch hier eine Spur einfacher und klarer zugeht und nicht ganz so ausufernde und verrückte Gestalten entstanden sind wie in den Filmen zuvor.
Noch prägnanter als bisher ist aber die Musik, die erneut vom Hauskomponisten des Studio Ghibli Joe Hisaishi stammt. Angereichert durch ein paar gesungene Lieder (die in Japan sogar die Hitparaden stürmten) legt sich ein durchgehend angenehmer Klangteppich über das Geschehen. Das dreht sich nur in Nuancen um soziale Konflikte unter den Menschen, wenn etwa der Vater von Sosuke wieder eine Nachtschicht auf seinem Schiff verbringen muss anstatt nach Hause zu seiner Familie zu kommen oder wir einen kleinen Einblick in die nicht ausschließlich heile Welt des örtlichen Altenheimes bekommen. Der Fokus liegt aber ansonsten ganz klar auf der Freundschaftsgeschichte zwischen dem Jungem und der verkappten Meerjungfrau.
Vor allem die Abhandlung der sich daraus entfesselnden Naturgewalten macht dann aber den augenfälligsten Unterschied zu anderen Miyazaki-Werken aus. Der Mensch und sein bedenklicher Einfluss auf die Umwelt gehören ja auch zu den Standardthemen des Regisseurs, doch dient dieses Element hier nicht zur Verdeutlichung irgendeiner ökologischen Botschaft, sondern im Grunde lediglich als Vehikel für vordergründige Effekte, wie gewaltige Wellen mit darin und darauf reitenden Meerwesen. Das sieht zu Beginn des Films noch anders aus, denn da lässt der übellaunig eine kleine Hasstirade auf die Menschheit abfeuernde Zauberer eine weitaus größere Auseinandersetzung erwarten als was dann tatsächlich daraus entsteht. Man darf wohl sogar feststellen, dass die in der ersten Filmhälfte aufgebauten Konflikte am Ende förmlich implodieren und man sich schon ein wenig wundert über die abrupte Auflösung der Handlung. Kommt doch eher selten vor, dass eine zunächst als Bösewicht aufgebaute Figur, die lange Zeit mit aller Gewalt gegen die ungeliebte Entwicklung der Geschichte vorgeht, sich mit einem schlichten "Aber sie haben sich doch so lieb" überzeugen lässt und das dann alles plötzlich doch ganz okay findet.

Nein, diese Geschichte ist nicht nur ein wenig flach, was für ein reines Kinderbuch oder eben einen ebensolchen Film ja noch akzeptabel wäre. Sie ist einfach nicht richtig rund und durchdacht geraten und bildet daher den größten Schwach- und Kritikpunkt an "Ponyo". Über alle anderen Zutaten gibt es aber nichts zu meckern und deshalb auch für Erwachsene eigentlich nur wenig Ausreden, sich dem Kinobesuch zu verweigern. Auch wenn es diesmal also kein Meisterwerk geworden ist, so ist es doch allemal angebracht abschließend zu folgender Floskel zu greifen: Selbst ein leicht schwächelnder Miyazaki liegt immer noch deutlich über dem Durchschnitt der meisten anderen Animationsfilme (als hätten wir das nicht sowieso geahnt).

Volker Robrahn

Schade Schade Schade

"Aber sie haben sich doch so lieb"
Das hat mich schon bei "Prinzessin Mononoke" gewaltig geärgert. Weniger weil ich es sowieso abstrus, unglaubwürdig und einfach schlecht durchdacht finde, sondern weil es das Bild eines herrausragend erscheineden Films mit einem Schlag zunichte gemacht hat.
Das gilt freilich nur für mich - andere mögen es anders sehen.
Ich werde den Film trotzdem sehen, mich von den Bildern (wie bei jedem seiner Werke) mitreißen lassen und bei entsprechender Szene wohl einen tiefen Seufzer ausstoßen.

10

Ich habe den Film schon auf japanisch gesehen. Es ist nach langer Zeit mal wieder mehr ein "Kinderfilm" als es die letzten Werke waren. Meine kleine Tochter findet den Film und die Musik toll. Ich finde es ist ein sehr gelungener Film.

10

Für mich geht die unheimliche 10-Augen-Serie für Ghibli-Filme weiter.
Ich habe den Film vor kurzem gesehen und bin noch wie berauscht.
Ein weiteres Meisterwerk, sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene, die dem Kind in ihnen etwas Gutes tun wollen.
Wunderschön, herzlich, lehrreich, belebend, liebevoll...
Insbesonders die Szenen mit der Göttin des Mitgefühls sind reine Magie.
Miyazaki ist ein Prophet der Filmkunst, ich hoffe, er beschenkt uns noch mit vielen weiteren Meisterwerken.

Danke, Hayao.

6

Ja, die Geschichte schwächelt stark. Auch wurden mir ab der Hälfte des Films die Szenen, die dem Zuschauer ein entzücktes "Hach, ist Ponyo aber süss!" entlocken sollen, etwas zuviel. Die Welt jedoch, egal ob unter oder über Wasser, ist wieder mal ein faszinierendes Panoptikum purer Bildmagie. Leider kann Ponyo nicht wie "Chihiro´s Zauberreise" alle Altersgruppen gleichermassen begeistern. Mein Fazit: Für Kinder perfekt! Für Erwachsene eingeschränkt zu empfehlen.

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