Die Legende über die Entstehung eines der außergewöhnlichsten
und sicher eines der meistgeliebten Bücher, das je das
englische
Eiland verließ (einflussreicher als die gesammelten Werke
von William Shakespeare und mit größerem intergalaktischen
Informationsgehalt als die Encycloaedia Britannica),
besagt, dass
sein Autor Douglas Adams im Jahre 1971 - damals ein
bettelarmer
Rucksacktourist ohne einen Penny in der Tasche - betrunken
auf einem
Feld im schönen Innsbruck lag, eine gestohlene Ausgabe des
"Hitchhiker's Guide to Europe" in seiner Tasche, zu den
Sternen hinauf blickte und darüber sinnierte, dass jemand
einen
"Hitchhiker's Guide to the Galaxy" schreiben sollte -
einen Reiseführer für Anhalter durch die unendlichen
Weiten
des Universums.
Der
Rest ist Geschichte: 1978 sendete die BBC Adams'
sechsteilige Radioserie
"Per Anhalter durch die Galaxis", ein Jahr später
erschien die Romanversion, zu der erst zwei, später dann
noch
zwei Fortsetzungen entstanden, um aus dem Anhalter-Opus
eine Trilogie
mit fünf Teilen zu machen. Wenn sich je ein literarisches
Werk
als "Kult-Buch" bezeichnen durfte, dann dieses: Adams'
wilder Mix aus aberwitziger Science-Fiction-Parodie,
grenzenlosem
Einfallsreichtum, trockener Sinnsuche-Satire und typisch
britischem
Humor steht in den Annalen der Verlagsindustrie vielleicht
nicht
ganz als eines der erfolgreichsten, aber sicher als eines
der witzigsten
Bücher, die jemals geschrieben wurden. Alle, die die
Anhalter-Trilogie
noch nicht gelesen haben, sollten das sofort nachholen.
20 Jahre lang versuchte Douglas Adams im Folgenden, eine
Filmversion
des "Anhalters" zustande zu bringen (die BBC hatte Anfang
der 80er eine recht trashige TV-Miniserie daraus gemacht)
und schrieb
selbst drei verschiedene Drehbuchfassungen.
Tragischerweise war
es ihm nicht vergönnt, das Endprodukt seiner langjährigen
Bemühungen zu sehen: Vollkommen überraschend verstarb
Adams am 11. Mai 2001 an einem Herzinfarkt. Die Welt ist
ein traurigerer
Ort ohne ihn.
Da diese Verfilmung nun so etwas wie eine posthume
Würdigung
für Adams und sein Gesamtwerk ist, möchte man als
leidenschaftlicher
Verehrer von Autor und Werk dem Film eigentlich nur das
Beste wünschen
- wäre da nicht von vornherein das Wissen, dass sich der
"Anhalter"
schlichtweg nicht adäquat verfilmen lässt. Das mögen
viele Bücherfans über ihre Lieblingswerke sagen (manche
Leute hielten ja selbst die "Herr der Ringe"-Trilogie
für unzureichend), doch kaum eine Literaturverfilmung
hatte
mit einem Ausgangswerk zu kämpfen, dass a) sich dermaßen
ergötzt in der Kreierung vollkommen fremder Welten, Wesen
und
Phänomene, dass man selbst beim lesen Probleme hat, sich
all
diese Dinge
in
der eigenen Phantasie vernünftig vorzustellen, und b) ohne
eine stringente Dramaturgie funktioniert. Der "Anhalter"
ist eher eine Reihe von verrückten Episoden als eine
wirklich
runde und sich entwickelnde Geschichte, und kann daher
nicht vernünftig
an die Konventionen und Notwendigkeiten eines Filmplots
angepasst
werden. Und genau das ist dann auch der offensichtliche
und entscheidende
Schwachpunkt dieser Verfilmung.
Für alle Nicht-Kenner der Vorlage kurz die
Kerngeschichte:
Der unbedarfte Engländer Arthur Dent (Martin Freeman)
erfährt
eines Morgens von seinem langjährigen Freund Ford Prefect
(Mos
Def), dass dieser in Wirklichkeit ein Außerirdischer ist,
als Reporter für den intergalaktischen Reiseführer "Per
Anhalter durch die Galaxis" arbeitet und seit nunmehr
fünfzehn
Jahren auf der Erde gestrandet ist. Wenige Minuten später
wird
die gesamte Erde von einer Bauflotte vogonischer
Raumschiffe zerstört,
um Platz für eine neue Hyperraum-Expressroute zu machen,
und
Arthur Dent - dank Fords Erfahrungen als intergalaktischer
Anhalter
auf eines der Vogonen-Schiffe gerettet - ist der einzig
überlebende
Mensch. Abgesehen natürlich von seiner Party-Bekanntschaft
Tricia McMillian (Zooey Deschanel), die wenige Wochen
zuvor mit
Zaphod Beeblebrox (Sam Rockwell), dem zweiköpfigen und
dreiarmigen
Präsidenten der Galaxis, durchgebrannt war. Zusammen mit
dem
deprimierten
Roboter Marvin (im Original göttlich gesprochen von Alan
Rickman)
macht sich das Quartett im gestohlenen Raumschiff "Herz
aus
Gold" mit seinem unendlichen Unwahrscheinlichkeitsantrieb
auf
zum sagenumwobenen Planeten Magrathea, auf der Suche nach
der ultimativen
Frage nach dem Leben, dem Universum und allem.
Warum sie nur die Frage und nicht die längst bekannte
Antwort
suchen, und welche Rolle die zerstörte Erde dabei spielt,
gehört
zu den kongenialen Einfällen von Adams und ist Teil der
von
seinen Fans sorgsam gepflegten Anhalter-Folklore. Da diese
Suche
(aus ihr eigenen Gründen) aber leider nicht als
dramaturgischer
Rahmen für die Filmhandlung taugte, muss sich die
Verfilmung
von "Per Anhalter durch die Galaxis" einiger Storyelemente
bedienen, die im Buch nicht vorhanden waren, um der ganzen
Sache
ein emotionales Zentrum zu geben. Das führt zum einen zu
einigen
gänzlich neuen Szenen, die sich größtenteils als
die unlustigsten und langatmigsten des ganzen Films
erweisen, und
zum anderen zu einer aufgezwungenen und drum einfach nicht
überzeugenden
Liebesgeschichte, die dem Film eben jenen in sich
geschlossenen
Rahmen geben soll, den das Buch nicht parat hielt.
Die ohnehin schon etwas zerfahrene Handlung kommt zudem
immer wieder
ins Stocken, wenn notwendige Hintergrundinformationen per
Zitat
aus dem "Anhalter" (im Original aus dem Off verlesen von
Komiker Stephen Fry, und unterlegt mit durchaus
einfallsreichen
und lustigen Animationen) vorgetragen werden, was zum
einen zwar
zu den komischsten Elementen des Films gehört, zum anderen
die ganze Angelegenheit aber auch etwas holprig gestaltet.
Weil
in der verrückten Welt von Douglas Adams einfach zu viel
erklärt
werden muss, kommt der Film nie so recht in Fluss, und es
wird selbst
beim Zusehen schnell offensichtlich, dass das Lesen des
Buches hier
wohl wirklich mehr Spaß macht.
Etwas
unstet kommt auch der allgemeine visuelle Look des Films
daher:
Da erinnern viele Kulissen - gerade innerhalb der "Herz
aus
Gold" - mit unverkennbarem Trash-Faktor an die alte
BBC-Serie,
während Außerirdische wie die Vogonen aus dem legendären
Jim Henson-Puppenstudio kommen und ebenfalls leichten 80er
Jahre-Charme
versprühen. In manchen Szenen herrscht verdächtige
Dunkelheit,
wenn eine detaillierte (und gut ausgeleuchtete)
Darstellung des
Szenarios ziemlich teuer geworden wäre. Allerdings weiß
man auch ganz genau, wo die "money shots" liegen, und
Freunde der Vorlage wird es nicht wundern, dass der
imposanteste
Anblick im ganzen Film die Montagehalle von Magrathea ist.
Hier
findet der Film gegen Ende dann auch endlich zu jenem
Tempo und
konstanter Witzigkeit, die man im übrigen Verlauf ein
wenig
vermisst hat.
Man kann den Machern nicht wirklich sauer sein: Sie
wollten Douglas
Adams und seinem Werk so treu wie möglich bleiben, und man
spürt die Verehrung, mit der hier gearbeitet wurde. Dass
es
- nun erwiesenermaßen - einfach unmöglich ist, den
"Anhalter"
mit Adams' wild davon galoppierender Kreativitätsexplosion
überzeugend auf die Leinwand zu bringen, ist nicht ihre
Schuld.
Sie haben ihr Bestes gegeben.
Dennoch: Trotz der inhärenten Schwächen ist "Per
Anhalter durch die Galaxis" ein durchgeknallter und
unterhaltsamer
Kinospaß, bei dem auch Kenner und Verehrer der Vorlage
desöfteren
viel zu lachen haben werden. "Anhalter"-Unerfahrene
dürften
sich sogar köstlich amüsieren - einen Hang zu gänzlich
verrückten Ideen natürlich vorausgesetzt. Spätestens
nach dem Kinobesuch sollte man aber auf jeden Fall sofort
in den
nächsten Buchladen wetzen und sich die "Anhalter"-Trilogie
zulegen. Dann erfährt man auch, wo (bzw. wann) sich das
Restaurant
am Ende des Universums befindet, wieso der nützlichste
Gegenstand
für einen interstellaren Reisenden ein Handtuch ist, und
warum
man auf jedem anderen Planeten dieser Galaxis für den Satz
"Ich mag Kricket" sofort hingerichtet würde. In diesem
Sinne: Keine Panik!


Der film hat mich beeindruckt. Das buch is ebenso beeindruckend.
Die leute die den film nicht gut finden haben ihn nicht verstanden
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