Er hat es doch nicht getan! John Woos launige Ankündigung, nach der eher lauwarmen Aufnahme seines letzten Films "Windtalkers" dann als Nächstes eben ein Western-Musical zu inszenieren bleibt vorerst eine leere Drohung. Stattdessen bewegt sich der Altmeister des Hongkong-Kinos auf eher gewohntem Terrain: Eine rasanter Action-Film, angereichert mit zahlreichen Verfolgungsjagden und einem interessanten Schuss Science-Fiction. Und liefert dabei dann auch einen durchaus gefälligen Streifen ab, der seinem Hauptdarsteller Ben Affleck sehr entgegenkommt.
Denn
Herr Affleck in der Rolle des technischen Wunderkinds
Michael Jennings
darf diesmal mit Fug und Recht ahnungs- und ausdruckslos
in die
Kamera schauen. Hat er doch keinen Schimmer, was er in den
letzten
drei Jahren so gemacht hat und ist mächtig erstaunt über
die Schlamassel in die er plötzlich gerät. Nicht nur,
dass man ihm offensichtlich nach dem Leben trachtet. Nein,
auch
zum Landesverräter ist er angeblich geworden und nicht mal
die Liebe seines Lebens erkennt er noch wieder.
Dabei wusste Jennings doch eigentlich genau worauf er sich
eingelassen
hatte. Denn um nicht in die Versuchung oder Gefahr zu
geraten, auch
nur irgendetwas über die streng geheimen Projekte - an
denen
er maßgeblich als brillanter Technik-Freelancer
mitarbeitet
- auszuplaudern, lässt sich der kühle Wissenschaftler
fast routinemäßig einen Teil seiner Erinnerung "löschen".
Und dieses Mal war er sogar bereit drei ganze Jahre seines
Lebens
verschwinden zu lassen, für einen letzten großen
"Paycheck".
Doch dabei lief eben auch etwas ganz gewaltig schief, und
es sieht
aus, als gebe es für Michael Jennings nicht nur keine
Vergangenheit
sondern auch keine große Zukunft mehr. Einziger
Anhaltspunkt
ist zunächst ein Briefumschlag mit 20 nur vordergründig
banalen Gegenständen. Michael findet schnell heraus, dass
er
selbst sich diese Dinge geschickt hat und dass sie ihm
auch tatsächlich
helfen können. Doch wie konnte er das überhaupt wissen,
und woran hat er die letzten Jahre gearbeitet?
Es
scheint, als ob da jemand ein wenig in die Zukunft sehen
konnte,
und wer jetzt noch mit dem Namen Philip K. Dick als
Verfasser der
dem Film zugrunde liegenden Kurzgeschichte konfrontiert
wird, bei
dem macht es "klick" und er verbindet "Paycheck"
mal ganz flink mit einer weiteren Dick-Adaption, die wir
erst kürzlich
im Kino bewundern durften. Und so ganz unangebracht ist
dieser Vergleich
sicher nicht, auch wenn dieser Film eher als eine Art "Minority
Report light" daherkommt.
Denn eigentlich kann das nicht so recht zusammengehen: Die
eher
philosophisch angehauchten Geschichten der SF-Ikone Dick
kommen
doch meist recht kopflastig und schwermütig daher (selbst
den
"Blade
Runner" finden
ja einige Menschen ziemlich langweilig). Aus den Händen
von
Actiongarant John Woo erwartet man dagegen eher einen
geradlinigen
Thriller mit reichlich Bewegung und Futter für den Mann an
der Kamera. Und so kommt es dann auch: "Paycheck"
präsentiert
eine interessante, wenn auch nur zu Beginn recht
verschachtelte
Handlung, die aber im Verlaufe immer abstruser und vor
allem immer
unwahrscheinlicher wird, doch ganz bestimmt nicht
"tiefsinnig".
Dafür bietet die Flucht von Jennings aber umso mehr
Gelegenheit
für kernige Hetzjagden auf zwei oder vier Rädern, nette
bis spektakuläre Stunts und einige technische Spielereien.
Das
muss man aber keinesfalls negativ sehen, wenn es denn so
unterhaltsam
und kurzweilig präsentiert wird wie hier. Es scheint, als
seien
Filme nach Ideen von Philip K. Dick grundsätzlich schon
mal
eine gute Idee. Der sympathische, aber eben in seinem
mimischen
Ausdrucksvermögen begrenzte Ben Affleck ist hier absolut
passend
besetzt, auch wenn die Wandlung vom angeblich drögen
Wissenschaftler
zum toughen Kämpfer doch etwas erstaunen mag. Mit Uma
Thurman
hat er zudem eine Frau an seiner Seite, von der man seit
"Kill
Bill" ja wohl tatkräftige Unterstützung erwarten
darf - trotzdem kommt ihre Rolle aber nicht wesentlich
über
die eines standardisierten "Love Interest" hinaus.
Ein neues Meisterwerk hat John Woo hier also nicht abgeliefert, aber das hat er seit seinem Umzug nach Hollywood eh erst ein einziges Mal (und zwar mit "Im Körper des Feindes"), und vielleicht sollte man so etwas auch gar nicht mehr erwarten angesichts der Systemzwänge, denen man sich in Hollywood zwangsläufig unterwerfen muss. Mit "Paycheck" zeigt er sich aber zumindest wieder auf einem ordentlichen Weg, und damit darf man dann auch zufrieden sein. Wie bitte, die Taube? Ja, aber selbstredend, auch die fliegt wieder. Allerdings erst ziemlich spät und dann auch noch an sehr unpassender Stelle, so dass dieses wohl unvermeidliche Selbstzitat schon fast etwas albern wirkt. Dafür gibt es deshalb auch die gelbe Karte und beim nächsten Mal einen Punkt Abzug, Mr. Woo!



ich finde den film auch klasse, nur finde ich euch pseudofilmexperten lächerlich...
machts besser, bevor ihr sowas vom stapel lasst
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