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Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück

Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück
drama , frankreich 2008
original
paris - faubourg 36
regie
christophe barratier
drehbuch
christophe barratier
cast
kad merad,
gérard jugnot,
clovis cornillac,
nora arnezeder,
pierre richard, u.a.
spielzeit
120 Minuten
kinostart
27. November 2008
homepage
http://www.paris.film.de
bewertung

7 von 10 Augen

Paris, Mitte der 30er Jahre: In dem kleinen Musiktheater "Chansonia" geht gerade eine Silvestergala über die Bühne, aber auch hinter den Kulissen geht es turbulent zu. Der Bühnenarbeiter Pigoil (Gérard Jugnot) wird von seiner Frau sitzen gelassen, die eine Affäre mit einem der Sänger hat, und der Direktor des Theaters erschießt sich, weil er sich beim lokalen Gangsterpaten haushoch verschuldet hat. Das Chansonia wird geschlossen. Pigoil ersäuft seinen Kummer im Alkohol, während sein Sohn Jojo (Maxence Perrin) als Straßenmusikant Geld für sie beide verdient. Kurz darauf erhält Jojos Mutter das alleinige Sorgerecht für Jojo und Pigoil wird jeglicher Kontakt zu ihm verwehrt. Als Pigoils ehemalige Theaterkollegen Jacky (Kad Merad) und Milou (Clovis Cornillac) das Chansonia zu neuem Leben erwecken wollen, schließt sich Pigoil ihnen an, da er ohne eine Arbeit keine Chance hat, seinen Sohn wieder sehen zu können. In der jungen Sängerin Douce (Nora Arnezeder) finden sie den zentralen Star für ihre Aufführungen und feiern schon bald wieder große Erfolge.

Mit "Paris, Paris" macht Regisseur Christophe Barratier nach seinem erfolgreichen Debüt "Die Kinder des Monsieur Mathieu" erneut die Musik zum Zentrum eines Films. Trotz ernster und melancholischer Untertöne wird der Film von den beschwingten Chansonnummern getragen, die auf der Theaterbühne zum Besten gegeben werden und passt stimmungsmäßig perfekt in die Vorweihnachtszeit. Dazu gesellen sich die von Clint Eastwoods Stamm-Kameramann Tom Stern eingefangenen Bilder, die einige eindrucksvolle Kamerafahrten aufweisen und Paris als romantischen Schauplatz der Geschichte in Szene setzen. Doch Barratier zeigt Paris nicht nur als die Stadt der Liebe und Chansons, sondern setzt zu der märchenhaften Geschichte vom allein gelassenen Familienvater und dem Kampf für den großen Bühnenerfolg noch einen Gegenpol, indem er die politische Situation Frankreichs im Jahr 1936 mit einbezieht, als es zunächst zu Massenstreiks kam und schließlich die von den Sozialisten geführte Volksfront-Regierung gebildet wurde. Besonders großen Raum nehmen diese Ereignisse im Film zwar nicht ein und sie sind auch nicht von wesentlicher Bedeutung für seine Handlung, doch helfen sie immerhin, die erfundene Geschichte in der historischen Realität zu verankern.
Mit Gérard Jugnot, Kad Merad und Maxence Perrin hat Barratier gleich drei Darsteller aus seinem Erstlingswerk erneut in wichtigen Rollen besetzt. Als am vielseitigsten erweist sich dabei das Schauspiel von Hauptdarsteller Jugnot, der in seiner Rolle nicht nur singen und tanzen darf, sondern auch emotionale Ausbrüche überzeugend meistert. Erstmals auf der Leinwand zu bewundern ist die junge Nora Arnezeder als Douce, die zwar mit ihrer Singstimme begeistern kann, schauspielerisch aber eher farblos bleibt. Als absolut stimmungsvoll und kinotauglich erweisen sich dafür die Chansons selber, was keine Selbstverständlichkeit ist, da man hier mehrheitlich nicht auf große französische Klassiker gesetzt, sondern eigens für den Film eine Reihe von Liedern geschrieben hat.

Lange Zeit sieht es während des Films so aus, als sei hier alles richtig gemacht worden. Die Dialoge sind witzig, die Darsteller gut aufgelegt und man bangt mit Pigoil und den anderen Charakteren, ob es ihnen denn gelingen wird, dem stillgelegten Theater wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Da "Paris, Paris" zwar mehr Drama als Komödie ist, aber in seinem Ton von Beginn an schwungvoll und positiv daherkommt, ist zudem schnell klar, dass ihnen das auch gelingen wird und die Handlung bleibt bis kurz vor Filmende ohne große Überraschungen.
Das macht es aber trotzdem ärgerlich, wie überstürzt gegen Schluss des Films ein versöhnliches Ende eingeläutet wird. Viel zu unproblematisch lösen sich da zentrale Handlungsstränge einfach in Wohlgefallen auf, so dass man sich als Zuschauer so überrumpelt fühlt, dass alles was danach geschieht beliebig wirkt, da es nur auf diesen kaum erklärten Handlungselementen fußt.

Von dieser Unstimmigkeit abgesehen ist "Paris, Paris" aber ein äußerst stimmungsvoller Film mit einigen wunderschönen Bildern, in dem neben all der beschwingten Musik auch die ernsten Elemente nicht zu kurz kommen. Als Ausklang für einen tristen Wintertag ist dieser Ausflug in die Welt des französischen Varietétheaters auf jeden Fall bestens geeignet.

Maximilian Schröter

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