"One
Day in Europe" hatte das Potenzial, ein richtig guter, kleiner
Film zu werden. Ein aktuelles Thema, nämlich Europa, witzige
Figuren in seltsamen Situationen und darüber hinaus der Grenzen
überschreitende Fußball als Bindeglied. Leider scheitert
der Film jedoch an seinem eigenen Vorhaben, Vorurteile und Klischees
zu widerlegen.
Ein Regisseur wandelt immer auf schmalen Pfaden, wenn er versucht,
landestypische Szenen und Figuren symbolisch auftreten zu lassen,
ohne dabei ins Klischee abzugleiten. Obwohl deutlich wird, dass
Regisseur Hannes Stöhr die Gemeinsamkeiten seiner Charaktere
unterstreichen will, endet er doch bei der steifen Engländerin,
dem mitleidslosen türkischen Polizeichef und der Wodka saufenden,
liebenswerten russischen Babuschka. Eingebunden ist die zeitgleiche
Handlung der vier Kapitel, die in Istanbul, Berlin, Santiago de
Compostela und Moskau spielen, durch das fiktive Champions League-Finale
zwischen Galatsaray Istanbul und Deportivo La Coruña in Moskau,
das in ganz Europa und vor allem in den Polizeiwachen (außer
bei den braven Deutschen) verfolgt wird.
In
jeder Stadt wiederholt sich die Geschichte eines Diebstahls an einem
Touristen, manchmal vorgetäuscht, manchmal tatsächlich.
Darauf folgt die Begegnung mit der örtlichen Polizei und deren
unterschiedlicher Umgang mit den Bestohlenen. Florian Lukas darf
mal wieder den hektischen Popper in Istanbul geben, dem ein herrlich
schwäbelnder türkischer Taxifahrer (Erdal Yildiz) zur
Hilfe kommt. Sehr verloren wirkt der ungarische Pilger, dem nach
seiner langen Wanderung auf dem Jakobsweg am Ziel in Santiago seine
Kamera mit allen Erinnerungen geklaut wird. Dabei kommt ihm die
moralstiftende Erkenntnis, dass vielleicht der Weg das Ziel war.
Aber
trotz des Potenzials dieses Ausgangsszenarios schafft der Film den
Sprung zu einem universell verständlichen europäischen
Augenblick nicht. Anstatt also einen Bildausschnitt des werdenden
Europas mit einem interessant gewählten östlichen Schwerpunkt
zu zeigen, ist "One Day in Europe" leider nur eine Aneinanderreihung
netter europäischer Anekdoten. Die eine oder andere skurrile
und witzige Wendung ist sicher dabei, aber vielleicht hatte sich
Regisseur Stöhr doch zuviel vorgenommen. An Jim Jarmuschs Klassiker
der Stadtepisoden "Night on Earth" kommt sein Film jedenfalls
bei weitem nicht heran, angenehme Unterhaltung bietet er trotzdem.
Nur an seinen überzeichneten Prototypen bleibt der Film leider
hängen und kommt nicht über sie hinweg. Am Ende sind doch
alle Touristen in diesem Europa noch fremd, lediglich der Fußball
bleibt als der große Gleichmacher bis zum Elfmeterschießen.


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