Trotz einer äußerst fragwürdigen Schlussmoral und teilweise dilettantischer Inszenierung konnte sich die bitterböse schwarze Komödie "In China essen sie Hunde" von 1999 mit ihrem trockenen Humor und absurd-überzogenen Gewaltdarstellungen bei vielen Leuten einen gewissen Kultstatus erarbeiten - wohl als Trittbrettfahrer der allgemeinen "Gewalt ist geil"-Tarantino-Welle. 2002 legte Regisseur Lasse Spang Olsen angesichts des Erfolgs dann einen zweiten Teil nach, der mit gut zwei Jahren Verspätung nun auch deutsche Leinwände erreicht - und wirklich nur den Leuten empfohlen werden kann, die sich beim ersten Teil köstlich amüsieren konnten.
Der
Trend zur Vor- statt Fortsetzung geht auch hier weiter, denn "Old
Men in New Cars" ist ein Prequel, steht von der Chronologie
der Handlung also zeitlich vor "In China essen sie Hunde"
und funktioniert so relativ unabhängig von seinem Vorgänger,
da es abgesehen von den Hauptpersonen keine direkte Verbindung gibt.
Den Bankangestellten Arvid und seine Frau sucht man hier überdies
vergebens, "Old Men in New Cars" konzentriert sich auf
seinen schlagkräftigen Bruder Harald (Kim Bodnia), der - frisch
aus dem Knast entlassen - nicht nur sofort von seinen balkanischen
Gläubigern behelligt wird, sondern auch feststellen muss, dass
sein krimineller Ziehvater Munken im Sterben liegt. Dessen letzter
Wunsch: Einmal seinen unehelichen (und bis dato unbekannten) Sohn
Ludvig zu sehen. Problem: Ludvig ist ein mehrfacher Frauen-Mörder
und sitzt in Schwedens bestbewachtem Hochsicherheitsgefängnis.
Egal: Harald schnappt sich seine kochenden Kumpanen Peter und Martin
(die eigentlich mit einem wettbewerbsfähigen Hefezopf eine
grundehrliche Gastronomie-Karriere starten wollen) und macht sich
ohne rechten Plan, aber bestens motiviert auf nach Schweden. Die
Befreiung von Ludvig ist aber erst der Anfang, denn um dem chronischen
Säufer Munken per neuer Leber das Leben zu retten, macht man
sich anschließend an die Beschaffung größerer Mengen
Bargeld.
Wie
schon bei "In China essen sie Hunde" wird diese Handlung
mehr schlecht als recht von nur mäßig agierenden Schauspielern
getragen, von denen einzig noch Iben Hjejle ("High
Fidelity") als lebensmüde Geisel positiv auffallen
kann. Ansonsten herrscht hier wie gehabt ein latenter Dilettantismus
vor, der sich ungebrochen in der Inszenierung fortsetzt: Gerade
in den Actionszenen schneidet Lasse Spang Olsen seine Crash-Highlights
so stümperhaft zusammen, dass sich nie ein überzeugender
Bildfluss ergibt - was auch schwer wäre, da hier offensichtlich
ohne jegliches Gefühl für Kohärenz gedreht wurde.
Hauptsache, die fette Exlplosion/der dicke Autocrash ist gut eingefangen,
das Drumherum schert hier niemanden so recht. Heraus kommen Anschlussfehler
in solch rauen Mengen, dass die Geschichte schon bald jeglichen
Anspruch auf Sinn oder Verstand verloren hat - was den Machern anscheinend
gänzlich egal ist, denn die bauen wohl darauf, dass sie ihr
Publikum wie schon bei Teil Eins mit ein paar trockenen Sprüchen
und jeder Menge absurder Gewalt zufrieden stellen können.
Das
ist dann wohl auch die entscheidende Geschmacksfrage, die über
Ge- oder Missfallen von "Old Men in New Cars" bestimmt:
Findet man das komisch? Kann man darüber lachen, dass der siebenfache
Frauenmörder Ludvig - kaum aus dem Knast befreit - schon das
Blut seines achten Opfers an den Händen hat? Oder dass der
jähzornige Schläger Harald bei jeder passenden oder unpassenden
Gelegenheit seinem Gehilfen Vuk mit variierenden Gegenständen
den Kopf zertrümmert? Wer sich über solche Dinge schon
beim ersten Teil amüsieren konnte, wird wohl auch den zweiten
mögen. Der Rezensent jedoch schüttelt verständnislos
und ein wenig angewidert den Kopf ob solch menschenverachtender
Schadenfreude, die er einfach nicht komisch finden kann. Wenn die
zwei führenden "Sympathieträger" in einem Film
ein psychopathischer Massenmörder und ein rücksichtsloser
Schläger sind, dann fehlt es nicht nur an jeglicher Identifikationsfigur,
dann versandet auch jede bemüht tragische Note wirkungslos
im emotionalen Vakuum dieses Films.
"Old Men in New Cars" (dessen Titel sich wie beim Vorgänger
aus einem halbwegs zentralen Dialogsatz ableitet, wobei allein der
Verleih weiß, warum der dänische Originaltitel für
den deutschen Markt auf englisch übersetzt wurde) versucht
hier und da (und ziemlich halbherzig) auch noch auf konventionelle
Weise komisch zu sein, was allerdings auch scheitert. Wie sich Harald,
Peter und Martin mit einem schwedischen Hotel-Rezeptionisten verständigen
wollen und dabei an ihren eigenen Englisch-Fähigkeiten scheitern,
ist so unglaublich unlustig, dass es fast die peinlichste Szene
des ganzen Films ist. Und den Besucherschein im Gefängnis mit
Michael Laudrup zu unterschreiben ist wohl auch nur für Dänen
halbwegs komisch.
Konnte man "In China essen sie Hunde" - trotz holpriger Umsetzung und fragwürdigem Humor - zumindest noch Schwung und Einfallsreichtum attestieren, ist "Old Men in New Cars" schon nicht mehr als ein typischer Nachklapp, der mit weniger Ideen, weniger Witz und weniger Tempo die Lorbeeren seines Vorgängers nochmals abzuernten versucht. Ein unschöner und unsympathischer Film.

Eines Vorweg: "In China essen sie Hunde" ist einer meiner Lieblingsfilme. Deswegen bin ich auch ein klein wenig enttäuscht, weil der Nachfolher bzw. Vorgänger "old men in new cars" nicht ganz rankommt. Dennoch ist es ein guter Film. Wieder eine skurille Geschichte mit dem "Findet-ihr-dass-ich-ein-Agressionsproblem-habe"-Harald, sowie den Köchen Martin und Peter und dem Sidekick Vuk. Vor allem cool ist Ludvig, der manische Frauenmörder. Es ist eine Geschichte von aberwitzigen Szenen, Absurditäten und einer großen Menge bitterschwarzem Humor. Klar, den muss man mögen. Aber, wenn man auf bösen Humor steht kann ich den Film vorbehaltslos empfehlen.
Ich weiß nicht wie man den Film so schlecht reden bzw. schreiben kann... Aber Geschmäcker sind eben verschieden. Wem der erste Teil gefallen hat, dem wird auch dieser Teil wieder gefallen, weil der Humor derselbe geblieben ist. Lediglich ist mir in diesem Film ein wenig zu viel Action, die zwar wieder herrlich übertrieben daherkommt, aber trotzdem ein wenig zu oft...
Für alle die den Film als Einzelwerk ansehen: Ein lustiger Film mit individuellen Charakteren, skurillen Handlungen und viel schwarzem Humor. Deswegen einfach mal anschaun und sein eigenes Bild darüber machen!
"You need a meat-room with towels?!" "Yes!" <-also ich fand den Dialog echt urkomisch :)
Mich erinnert der Film nicht an Tarantino sondern an die Olsen Bande, nur dass man über die ab und zu noch lachen konnte
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