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Old men in new cars

Old men in new cars
schwarze komödie , dänemark 2002
original
gamle maend i nye byler
regie
lasse spang olsen
drehbuch
anders tomas jensen
cast
iben hjejle,
kim bodnia,
tomas villum jensen,
nikolaj lie kaas,
torkel petersson, u.a.
spielzeit
94 Minuten
kinostart
17. März 2005
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Trotz einer äußerst fragwürdigen Schlussmoral und teilweise dilettantischer Inszenierung konnte sich die bitterböse schwarze Komödie "In China essen sie Hunde" von 1999 mit ihrem trockenen Humor und absurd-überzogenen Gewaltdarstellungen bei vielen Leuten einen gewissen Kultstatus erarbeiten - wohl als Trittbrettfahrer der allgemeinen "Gewalt ist geil"-Tarantino-Welle. 2002 legte Regisseur Lasse Spang Olsen angesichts des Erfolgs dann einen zweiten Teil nach, der mit gut zwei Jahren Verspätung nun auch deutsche Leinwände erreicht - und wirklich nur den Leuten empfohlen werden kann, die sich beim ersten Teil köstlich amüsieren konnten.

Der Trend zur Vor- statt Fortsetzung geht auch hier weiter, denn "Old Men in New Cars" ist ein Prequel, steht von der Chronologie der Handlung also zeitlich vor "In China essen sie Hunde" und funktioniert so relativ unabhängig von seinem Vorgänger, da es abgesehen von den Hauptpersonen keine direkte Verbindung gibt. Den Bankangestellten Arvid und seine Frau sucht man hier überdies vergebens, "Old Men in New Cars" konzentriert sich auf seinen schlagkräftigen Bruder Harald (Kim Bodnia), der - frisch aus dem Knast entlassen - nicht nur sofort von seinen balkanischen Gläubigern behelligt wird, sondern auch feststellen muss, dass sein krimineller Ziehvater Munken im Sterben liegt. Dessen letzter Wunsch: Einmal seinen unehelichen (und bis dato unbekannten) Sohn Ludvig zu sehen. Problem: Ludvig ist ein mehrfacher Frauen-Mörder und sitzt in Schwedens bestbewachtem Hochsicherheitsgefängnis. Egal: Harald schnappt sich seine kochenden Kumpanen Peter und Martin (die eigentlich mit einem wettbewerbsfähigen Hefezopf eine grundehrliche Gastronomie-Karriere starten wollen) und macht sich ohne rechten Plan, aber bestens motiviert auf nach Schweden. Die Befreiung von Ludvig ist aber erst der Anfang, denn um dem chronischen Säufer Munken per neuer Leber das Leben zu retten, macht man sich anschließend an die Beschaffung größerer Mengen Bargeld.

Wie schon bei "In China essen sie Hunde" wird diese Handlung mehr schlecht als recht von nur mäßig agierenden Schauspielern getragen, von denen einzig noch Iben Hjejle ("High Fidelity") als lebensmüde Geisel positiv auffallen kann. Ansonsten herrscht hier wie gehabt ein latenter Dilettantismus vor, der sich ungebrochen in der Inszenierung fortsetzt: Gerade in den Actionszenen schneidet Lasse Spang Olsen seine Crash-Highlights so stümperhaft zusammen, dass sich nie ein überzeugender Bildfluss ergibt - was auch schwer wäre, da hier offensichtlich ohne jegliches Gefühl für Kohärenz gedreht wurde. Hauptsache, die fette Exlplosion/der dicke Autocrash ist gut eingefangen, das Drumherum schert hier niemanden so recht. Heraus kommen Anschlussfehler in solch rauen Mengen, dass die Geschichte schon bald jeglichen Anspruch auf Sinn oder Verstand verloren hat - was den Machern anscheinend gänzlich egal ist, denn die bauen wohl darauf, dass sie ihr Publikum wie schon bei Teil Eins mit ein paar trockenen Sprüchen und jeder Menge absurder Gewalt zufrieden stellen können.

Das ist dann wohl auch die entscheidende Geschmacksfrage, die über Ge- oder Missfallen von "Old Men in New Cars" bestimmt: Findet man das komisch? Kann man darüber lachen, dass der siebenfache Frauenmörder Ludvig - kaum aus dem Knast befreit - schon das Blut seines achten Opfers an den Händen hat? Oder dass der jähzornige Schläger Harald bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit seinem Gehilfen Vuk mit variierenden Gegenständen den Kopf zertrümmert? Wer sich über solche Dinge schon beim ersten Teil amüsieren konnte, wird wohl auch den zweiten mögen. Der Rezensent jedoch schüttelt verständnislos und ein wenig angewidert den Kopf ob solch menschenverachtender Schadenfreude, die er einfach nicht komisch finden kann. Wenn die zwei führenden "Sympathieträger" in einem Film ein psychopathischer Massenmörder und ein rücksichtsloser Schläger sind, dann fehlt es nicht nur an jeglicher Identifikationsfigur, dann versandet auch jede bemüht tragische Note wirkungslos im emotionalen Vakuum dieses Films.
"Old Men in New Cars" (dessen Titel sich wie beim Vorgänger aus einem halbwegs zentralen Dialogsatz ableitet, wobei allein der Verleih weiß, warum der dänische Originaltitel für den deutschen Markt auf englisch übersetzt wurde) versucht hier und da (und ziemlich halbherzig) auch noch auf konventionelle Weise komisch zu sein, was allerdings auch scheitert. Wie sich Harald, Peter und Martin mit einem schwedischen Hotel-Rezeptionisten verständigen wollen und dabei an ihren eigenen Englisch-Fähigkeiten scheitern, ist so unglaublich unlustig, dass es fast die peinlichste Szene des ganzen Films ist. Und den Besucherschein im Gefängnis mit Michael Laudrup zu unterschreiben ist wohl auch nur für Dänen halbwegs komisch.

Konnte man "In China essen sie Hunde" - trotz holpriger Umsetzung und fragwürdigem Humor - zumindest noch Schwung und Einfallsreichtum attestieren, ist "Old Men in New Cars" schon nicht mehr als ein typischer Nachklapp, der mit weniger Ideen, weniger Witz und weniger Tempo die Lorbeeren seines Vorgängers nochmals abzuernten versucht. Ein unschöner und unsympathischer Film.

Frank-Michael Helmke

7

Eines Vorweg: "In China essen sie Hunde" ist einer meiner Lieblingsfilme. Deswegen bin ich auch ein klein wenig enttäuscht, weil der Nachfolher bzw. Vorgänger "old men in new cars" nicht ganz rankommt. Dennoch ist es ein guter Film. Wieder eine skurille Geschichte mit dem "Findet-ihr-dass-ich-ein-Agressionsproblem-habe"-Harald, sowie den Köchen Martin und Peter und dem Sidekick Vuk. Vor allem cool ist Ludvig, der manische Frauenmörder. Es ist eine Geschichte von aberwitzigen Szenen, Absurditäten und einer großen Menge bitterschwarzem Humor. Klar, den muss man mögen. Aber, wenn man auf bösen Humor steht kann ich den Film vorbehaltslos empfehlen.
Ich weiß nicht wie man den Film so schlecht reden bzw. schreiben kann... Aber Geschmäcker sind eben verschieden. Wem der erste Teil gefallen hat, dem wird auch dieser Teil wieder gefallen, weil der Humor derselbe geblieben ist. Lediglich ist mir in diesem Film ein wenig zu viel Action, die zwar wieder herrlich übertrieben daherkommt, aber trotzdem ein wenig zu oft...
Für alle die den Film als Einzelwerk ansehen: Ein lustiger Film mit individuellen Charakteren, skurillen Handlungen und viel schwarzem Humor. Deswegen einfach mal anschaun und sein eigenes Bild darüber machen!

"You need a meat-room with towels?!" "Yes!" <-also ich fand den Dialog echt urkomisch :)

Mich erinnert der Film nicht an Tarantino sondern an die Olsen Bande, nur dass man über die ab und zu noch lachen konnte

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