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Nomaden der Lüfte

Nomaden der Lüfte
dokumentation , frankreich 2001
original
winged migration
regie
jacques perrin, jacques cluzaud
drehbuch
jacques perrin, jean dorst, stephan durand
cast
viele vögel, u.a.
spielzeit
99 Minuten
kinostart
4. April 2002
homepage
bewertung

9 von 10 Augen

Selbst die Öffentlich-Rechtlichen wollten sich dieses Thema nicht entgehen lassen: Das ARD-Morgenmagazin zeigte sogar eine einwöchige Livereportage über den Storchenzug von Störchin Prinzesschen und Storch Felix. Das Geheimnis der Zugvögel ist plötzlich in aller Munde und die gemeine Graugans ist zum gefiederten Bentley unter den Lebewesen geworden. Und das alles nur wegen einem Film, irgend so einer Tierdokumentation. Nein. Es ist eben nicht nur so ein Film.
Wenn Regisseur und Produzent Jacques Perrins sich für ein neues filmisches Projekt entschieden hat, hängt er sein ganzes Herzblut in dieses Streben. Als er sich 1999 in die Idee verliebte, die Zugvögel zu begleiten auf ihren oft Tausende von Kilometer weiten Wanderungen und dem Kinopublikum einmal die Welt aus der Vogelperspektive zu zeigen, rief er seine bereits tierfilm-erprobte (und mehrfach ausgezeichnete: "Das Volk der Affen" '86, "Mikrokosmos" `96) Crew zusammen, und sie machten das scheinbar Unmögliche möglich: Sie brachten die "Nomaden der Lüfte" auf die Erde, auf unsere Leinwände, ohne dass die Tiere dabei ihre Kraft und Schönheit verloren. Im Gegenteil - Perrins "Nomaden der Lüfte" ist sowohl eine filmische Verneigung vor der Schönheit der Natur im Allgemeinen als auch der Vögel im Besonderen. Und so werden wohl viele Menschen, in Betrachtung dieser außergewöhnlichen Bilder, Zugvögel zum ersten Mal mit anderen Augen sehen. Sozusagen verzaubert durch Perrins Augen (oder die seiner Kameramänner).

Drei Jahre lang haben die Regisseure Perrin, Cluzaud, Debats und ihr Team 25 verschiedene Länder der Welt bereist, um insgesamt 44 Vogelarten in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und zu filmen. Zusätzlich entstand in der Normandie eine Schule für die 'gefiederten Filmstars', in der sich 20 Betreuer um die Aufzucht, Hege und das Training von Pelikanen aus Afrika, Kranichen aus Russland und Gänsen aus Kanada kümmerten - Menschen und Vögel mussten lernen miteinander zu leben und zu arbeiten. In dieser Vogelschule wurden die ungewöhnlichen Protagonisten durch die Prägung auf den Menschen und seine Flugapperate auf besonders lange und nahe Filmaufnahmen vorbereitet. Einige der Vögel, die in der Vertrautheit mit ihren menschlichen Ersatzeltern aufwuchsen, schlossen sich bei den späteren Dreharbeiten wildlebenden Tieren an. Doch die meisten kehrten in die Normandie, an den Hort der alten Bindung zwischen Mensch und Tier zurück.
Auf die Frage, was die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Film/Dreh waren, antwortet Perrin auf der Berlinale: "Wenn die Zuschauer den Film sehen, sollen sie das Gefühl haben, gemeinsam mit den Vögeln unterwegs zu sein. Es wird ganz leicht und selbstverständlich anmuten, mit den Vögeln um die Erde zu fliegen. Um die Schönheit und Faszination des Fliegens sowie die instinktive Sicherheit und Navigation der Vögel erlebbar zu machen, mussten wir ebenso gut fliegen lernen wie unsere Schauspieler. Der Flugstil der Störche, Kraniche oder Enten ist völlig unterschiedlich. Für jeden dieser Flugstile brauchten wir die angemessene technische Ausrüstung und Flugerfahrung der Piloten. Die zehn Kameraleute unseres Teams mussten mit ihrer ganzen Person, mit ihren Gefühlen, mit ihrer Passion und ihrem Engagement bei der Sache sein. Ansonsten wären die Aufnahmen mit den Zugvögeln nicht gelungen."

Sie sind gelungen. Wahrlich atemberaubende Momente hat sie, diese Reise der Zugvögel, auf der der Zuschauer die Kamera begleitet, die manchmal so nah an den Tieren ist, dass man meint die Federn mir den Fingern berühren zu können. Das Abenteuer, in dessen Verlauf wir mit den Vögeln fliegen, bis der Planet einmal von Pol zu Pol umrundet ist, beginnt zu Frühlingsanfang in unseren gemäßigten Klimazonen. Viele der gefiederten Wanderer machen sich in den hohen Norden auf, wo sie riesige und unberührte Landstriche vorfinden, wie zum Beispiel die arktische Tundra, die sie zum Nisten bevorzugen. Andere zieht es in tropische Gebiete und bis ins ferne Australien, während wieder andere den Weg über den Äquator bis in die Antarktis finden.
Völlig egal, welche Szene man betrachtet: Die Ringelgänse vielleicht, die einer Schneelawine trotzend, in 9000 Meter Höhe den Himalaya überqueren; die kleine Trottellumme, die sich zum ersten Mal kopfüber in den Nordatlantik stürzt oder die Störche, die zu den schwersten Vögeln überhaupt gehören, wie sie in 5000 Meter Höhe erhaben über den heißen Dünen der Sahara hinweg ziehen. Jede Szene ist einzigartig; jedes Motiv scheint aufsehenerregender als das vorherige. Mystische, unwirklich schöne Bilder fingen die Kamerateams mit ihren Flugapperaten nach der neuesten Flugtechnik (Ultraleichtflugzeug, Deltadrachen, ferngesteuerter Minihubschrauber ...) in den unterschiedlichsten Höhen - von 11.500 Metern bis knapp über den Wellenkämmen der Südsee - und in allen Wetterlagen ein. Eine actionstrotzende Stuntsequenz ist nichts gegen so manches waghalsige Flugmanöver dieser außergewöhnlichen Tiere - ihre Ausdauer und Widerstandsfähigkeit verleihen dem Film seine Dynamik und Kraft.
Aber auch fast 50 Vogelarten können keine 99 Minuten Filmlänge konstant in Schwung halten: Etwa ab der zweiten Hälfte des Films fühlt man sich immer verlorener zwischen den häufigen Arten- und Standortwechseln der 'Geschichte'. Eine etwas geradlinigere Dramaturgie, präzisere Untertitelung oder einfach nur das häufigere Auftauchen des unterstützend-aufklärenden Offsprechers hätten geholfen, Möwe, Sperbergeier und Brachvogel irgendwo auf ihren Wegen zwischen Mangrovenhainen und schneebedeckten Gipfeln besser folgen zu können. Das Jacques Perrin mit "Nomaden der Lüfte" keine klassische Tierdokumentation nach 'Erich Böhme' vorlegen wollte, zeigt wiederum gerade die Tatsache, dass der Film nur äußerst rar an Kommentaren ist. Stattdessen erzählen die mannigfaltigen Stimmen der Tiere und die Geräusche der Natur ihre eigene Geschichte.
Ebenso anmutig wie natürlich erscheint das musikalische Konzept: Solisten wie der Bluessänger Robert Wyatt mit seinem wundervollen Titelsong "Masters of the field", zartstimmige Knabenchöre und die Gesänge der Nachtigall, Amsel oder des exotischen Einsiedlervogels vermischen sich mit dem Rhythmus der Flügel - und Schnabelschläge, den Balzrufen und Alarmschreien zu einer, wie Perrin es nennt, "pastoralen Symphonie".
Doch bei aller Schönheit und kleinen Abstechern in die 'lustige Welt der Tiere' hält uns der Filmemacher auch den ökologischen Zeigefinger vor. Aber Perrin hat entweder die Möglichkeit einer ökologischen Botschaft nur für die zweite Hälfte des Films in Erwägung gezogen oder die Zusammenstöße mit der feindlichen menschlichen Umwelt spielten sich tatsächlich erst auf den Rückzügen der Vögel in heimatliche Gefilde ab. Dies wird wohl eines ihrer Geheimnisse bleiben. Überzeugender wäre jedoch eine konsequentere Mischung der Tierbilder und Öko-Message von Beginn an gewesen. Ganz abgesehen davon ist Demut vor der Natur ja etwas sehr lobens - und erstrebenswertes. Aber sie lässt sich eben so schwer erzwingen; selbst dann nicht, wenn die Bilder noch so überwältigend sein mögen.
Soll dieser wundervolle Film also primär das bleiben, was er ist - eine Liebeserklärung an die Zugvögel unserer Welt. Eine Hymne auf das Fliegen, die Freiheit und die Vollkommenheit der Natur. Eine Ode an die "Masters of the field", die jedes Jahr versuchen zwischen Nord- und Südpol ihr stummes Versprechen auf Wiederkehr einzulösen.

Nadja Raweh

10

Ich finde diesen Film äußerst Lehrreich.
Natürlich gibt es einige die diesen Film nicht mögen,
aber ich sag euch eins wenn wir (die diesen Film spannend finden und ihn uns angesehen haben)später ein besseres und erfolgreicheres Leben als ihr .Was sagt ihr dann??ICh finde diesen Film einfach super und faszinierend.

10

Ich danke einfach nur allen die an diesem Film mitgewirkt haben.

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