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Muppets aus dem All

Muppets aus dem All
komödie , usa 1999
original
muppets from space
regie
tim hill
drehbuch
jerry huhl, joseph mazzarino
cast
david arquette,
rob schneider,
k. edgar singer,
andie macdowell, u.a.
spielzeit
85 Minuten
kinostart
16. Dezember 1999
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

 

Die beste Szene in „Muppets aus dem All“ kommt direkt am Anfang. Gonzo steht vor Noah’s Arche und darf nicht rein, weil er der einzige seiner Art ist. Gott sei Dank ist das nur ein Albtraum, aus dem Gonzo ziemlich heftig (und unangenehm für seinen Zimmergenossen Rizzo) aufwacht. Aber der arme Bläuling mit der krummen Nase möchte endlich wissen, woher er kommt und was genau er eigentlich ist. Da ist es schon irgendwie interessant, wenn sein „Captain Alphabet“-Frühstück auf einmal Botschaften an ihn richtet: „Watch the sky“ und „R U there?“. Gonzo ist Feuer und Flamme und tritt alsbald in Kontakt mit zwei Weltraumfischen, die die baldige Ankunft seiner Artgenossen ankündigen. Dummerweise hat eine geheime Regierungsbehörde von den außerirdischen Botschaften Wind bekommen, da diese äußerst dezent auch auf den größten Sehenswürdigkeiten der Welt hinterlassen wurden. Und so wird Gonzo kurzerhand gekidnappt und muß nun von seinen Kollegen gerettet werden.

Diese wenig einfallsreiche Geschichte basiert auf einem Lied, das Gonzo im ersten Muppets-Film von 1979 gesungen hat. „I’m going back there someday“ hieß die Ballade, in der schon damals die ungewisse Herkunft des verrückten Trompeters thematisiert wurde. Jetzt, zwanzig Jahre später, wird die Sache endlich geklärt. Schade nur, daß es auf recht langweilige Art und Weise geschieht, denn „Muppets aus dem All“ ist der bis dato lahmste Film mit den sympathischen Puppen aus den legendären Henson-Studios. Dies mag daran liegen, daß die Muppets irgendwie überaltert sind, daß es auf dem Sektor des Puppenspielens weniger neue Innovationen gibt als bei Spezialeffekten, und daß man ob der Beweglichkeit dieser kleinen Viecher längst nicht mehr in Verzückung gerät, wenn man einmal „Ein Schweinchen namens Babe“ gesehen hat.

Aber das ist es auch nicht wirklich, denn die erste Sequenz des Films ist richtig spaßig. Wir beobachten den Muppets-Haushalt beim Aufwachen. Die Wecker klingeln, es bildet sich eine lange Schlange vor dem Badezimmer, das Frühstück wird vorbereitet und die alten Opis sitzen schon zeternd vor dem Fernseher. In wenigen Minuten laufen hier alle altbekannten Charaktere durchs Bild, und es macht richtig Spaß, diesen Gefährten aus längst vergangenen Kindertagen bei ihrem alltäglichen Schabernack zuzusehen. Aber dann verliert der Film in wahnsinniger Geschwindigkeit an Tempo (na, wenn das mal kein schönes Paradoxon ist!), und schleppt sich so dahin, ohne nochmal richtig aufregend zu wirken. Manch einer mag vermuten, daß dies einzig daran liegt, daß der Hauptcharakter dieses Mal nicht Kermit der Frosch ist, sondern Gonzo. Ich persönlich fand immer schon, daß Kermit und Miss Piggy die langweiligsten Charaktere der ganzen Truppe sind und bin daher noch nicht einmal traurig um die neue zweite Geige. Das Problem ist, daß von Gonzo’s früherer Energie und Abgedrehtheit absolut nichts übrig geblieben ist. Gut, er fühlt sich einsam und verloren und hat wenig Gelegenheit zum lachen, aber Gonzo seinen komödiantischen Anarchismus zu nehmen bedeutet, die zweitwitzigste Puppe überhaupt mehr oder weniger auszuschalten. Die witzigste ist natürlich Tier, aber der (das?) kann leider zu wenig reden, als daß man einen Film um ihn (es?) stricken könnte. Schade.

Überall durch den Film verteilt finden sich unzählige Anspielungen auf andere, „richtige“ Science-Fiction-Filme. „Star Wars“, „Buck Rogers“, „Men in Black“, „Independence Day“, „Armageddon“, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „Star Trek“ und so weiter, alle finden ihr kurzes Zitat. Zusätzlich gibt es eine kleine James-Bond-Parodie, mit Professor Bunsen als Q-Ersatz. Diese Szenen sind sehr schön eingefügt und bringen so manch guten Lacher. Es spricht jedoch nicht sonderlich für einen Film, wenn solche Zitate die beste Unterhaltungsquelle darstellen. Zumindest nicht, wenn der Film nicht darauf basiert, und wir sind hier nicht bei Zucker-Abrahams-Zucker. 

Auch die zahlreichen Gastauftritte größerer und kleinerer Berühmtheiten sorgen für Abwechslung. So sehen wir u.a. Andie MacDowell als Fernsehmoderatorin, Ray Liotta als Wachmann, David Arquette als Labor-Tierquäler, Hulk Hogan als sich selbst und F. Murray Abraham als Noah. Das dumme an diesen Szenen ist allerdings jedesmal, daß man ganz genau spürt, daß sie nur geschrieben wurden, um ein weiteres bekanntes Gesicht unterzubringen. Daher bleibt von all diesen Cameos auch nicht viel mehr übrig als die Tatsache, daß sie dabei waren.
Übrigens ist der Titel des Films ein wenig irreführend. „Muppets aus dem All“ läßt so manchen Fan vielleicht fälschlicherweise auf eine Rückkehr der legendären „Schweine im Weltall“ hoffen. Dem ist nicht so. Kein einziger der bekannten Muppet-Charaktere macht hier einen Ausflug durchs Weltall. Es ist nicht so, daß niemand aus dem All kommt. Aber es sind zumindest keine Bekannten.

Es ist eine unumstößliche Tatsache, daß die Muppets Kult sind. Diese einfachen Puppen mit ihren ganz speziellen Persönlichkeiten sind weltweit bekannter als so mancher wichtiger Politiker. Es ist aber auch eine unumstößliche Tatsache, daß das simple Auftreten dieser Puppen heutzutage niemanden mehr von den Sitzen reißt. Ein wirklich guter Muppets-Film braucht mehr Unterhaltungswerte, mehr Gags, mehr von dem gutmütigen Anarchismus, der diese Puppen einst auszeichnete. Ich möchte nicht behaupten, daß es keine guten Muppets-Filme mehr geben kann, denn speziell „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“ war sehr schön. Dieser Film ist es allerdings nicht. Es bleibt zu hoffen, daß der nächste Auftritt von Kermit & Co. wieder besser wird. Bis dahin sehe ich mir lieber die Wiederholungen der alten Shows an. „Applaus, Applaus, Applaus!“
Frank-Michael Helmke

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