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Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden
drama , usa 2013
original
the monuments men
regie
george clooney
drehbuch
george clooney, grant heslov
cast
george clooney,
matt damon,
cate blanchett,
john goodman,
bill murray,
bob balaban,
jean dujardin, u.a.
spielzeit
118 Minuten
kinostart
20. Februar 2014
homepage
http://www.monumentsmen-derfilm.de
bewertung

4 von 10 Augen
Monuments Men

George Clooney hat sich einen Ruf erarbeitet als liberaler Vorzeige-Intellektueller von Hollywood, und als solcher liest man natürlich viele Bücher. Da Clooney sich offensichtlich auch für die amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert - ein Thema, dass sich auffällig als roter Faden durch seine Filmografie als Regisseur und Produzent zieht - sind vieles davon Sachbücher, und man wäre ja nicht Filmemacher, wenn man dabei nicht ständig den Gedanken bekäme: Daraus müsste man unbedingt einen Film machen! Monuments MenManchmal ist dieser Gedanke richtig, so wie beim Oscar-prämierten "Argo". Manchmal ist dieser Gedanke falsch, so wie bei der schlappen Militär-Realsatire "Männer, die auf Ziegen starren". Clooneys neuster Film gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.


"Monuments Men" erzählt die wahre Geschichte eine Gruppe von Kunsthistorikern, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges massive Sorgen machten, dass im Schlachtengetümmel und Dauer-Bombardement auf dem europäischen Kontinent und angesichts der Politik der verbrannten Erde, welche die Nazis verfolgten, unersetzliche Kunstschätze der Menschheitsgeschichte vernichtet werden könnten. Mit dem Segen aber nicht gerade der aktiven Unterstützung der US-Army machte sich diese kleine Gruppe auf, um in den Wirren des letzten Kriegsjahres soviele Kunstschätze wie nur möglich zu retten und an ihre rechtmäßigen Besitzer (oftmals von den Nazi enteignete, jüdische Kunstsammler) zurück zu geben. 


Monuments MenEs gibt verschiedene Ansätze, mit der man sich diesem Stoff in der filmischen Umsetzung nähern kann. Das zentrale Problem von "Monuments Men" ist, dass er sich so unsicher zu sein scheint, welchen Weg er einschlagen will, dass er einfach in alle Richtungen gleichzeitig läuft. Da gibt es die hehre, ehrenhafte Heldengeschichte, deren Kernaussage den Film ganz offensichtlich motiviert hat: Dass die größten Kulturgüter der Menschheitsgeschichte eine Bedeutung haben, die über ein einzelnes Menschenleben hinausgeht, und dass sie es somit wert sind mit dem Leben verteidigt zu werden. Wenn Stokes beim Aufbruch nach Europa zu seinen Mannen sagt "Euer Leben ist wichtiger als irgendein Kunstwerk", so ist denn auch völlig klar, dass Stokes' selbst bis zum Ende des Films die Lektion verinnerlicht haben wird, dass das nicht stimmt. Zugleich fragt man sich aber schon am Anfang, ob ein Mann, der von diesem Satz überzeugt ist, sich überhaupt für diese sehr spezielle Mission entscheiden würde. Denn schließlich wagen sich hier im Sinne einer größeren Sache eine Gruppe von Männern in die Hölle des Krieges, die dafür eigentlich überhaupt nicht geeignet sind.

Womit wir bei der nächsten Variante dieser Geschichte wären: Die Konfrontation unvorbereiteter Akademiker mit den Gräueln und Gefahren des Krieges, und wie sie an dieser Herausforderung wachsen müssen, um zu überleben. Das ist aber natürlich auch ein "Fish out of water"-Szenario, welches sich genauso gut als Komödie inszenieren lässt: Verkopfte Bücherwürmer versuchen sich als Soldaten und müssen auf oft absurde Weise lernen, dass das Leben beim Militär anders aussieht als in der Bibliothek. Und dann ist da noch die Variante, die ganze Sache wie eine Art Gaunerstück zu spielen, in dem ein zusammen gewürfelter Haufen cleverer Köpfe mit spitzen Zungen versucht, den Nazis den größten Kunstschatz der Welt zu stehlen, welchen die Nazis sich zuvor selbst zusammengeraubt haben. So eine Art "Ocean's Eleven im Weltkrieg - und mit Kunst". 

Monuments MenClooney und sein Co-Autor/Produzent Grant Heslov waren wohl der Auffassung, dass dieser Stoff all diese verschiedenen Aspekte enthält und gerade darum einen guten Film abgeben muss, nämlich einen Film, der alles gleichzeitig ist: Drama, Tragödie, Komödie, Gauner-Krimi. In ihrer Umsetzung ist "Monuments Men" wirklich all das, aber leider nicht gleichzeitig, sondern nebeneinander. Über weite Strecken fühlt es sich so an, als würde der Film mit jeder Szene seine Tonalität verändern, wobei er mindestens so unsortiert und zusammenhanglos umher hüpft, wie es bald auch die Geschichte tut. Es hilft der Stringenz von "Monuments Men" leider überhaupt nicht, dass sich die mit großen Schauspieler-Namen gespickte Truppe nach Ankunft in Europa aufteilt und auf bis zu fünf gleichzeitige Handlungsstränge zerfasert, die nur bedingt miteinander zusammenhängen. Vieles ist hier nicht mehr als anekdotisch, kleine "Geschichtchen aus dem Krieg", für sich genommen ganz nett, fürs große Ganze aber nur wenig bis gar nicht relevant. Richtig ärgerlich wird es, als der einzige Subplot, der so etwas wie eine runde Handlung besitzt - Matt Damons Versuch, eine schnippische und skeptische Französin (Cate Blanchett in dem "Wir haben auch eine wirklich wichtige Frauenrolle in diesem Männerfilm!"-Part) von der Aufrichtigkeit seiner kunstbeschützenden Absichten zu überzeugen - dem allgemeinen Tonalitätswirrwarr auch noch unbeholfen einen Hauch Romanze beizufügen versucht, leider sehr zu Lasten von Blanchetts Charakter. 

Monuments MenMan merkt "Monuments Men" durchweg seine verkrampfte Mühe an, aus dem Sachbuch, auf dem er basiert, die Rosinen heraus zu picken und aus einem Tatsachenbericht so etwas wie eine runde Filmhandlung zu stricken. Es klappt leider überhaupt nicht. Die Mission der Kunstbeschützer (alle Kunst Europas vor dem Krieg und den Nazis retten) ist so überdimensional, dass der Versuch, sie mit sieben Mann anzugehen, geradezu lächerlich naiv wirkt, wodurch wiederum ein klares ernstzunehmendes Ziel fehlt, aus dem man Spannung generieren könnte. Und selbst als sich der Film gegen Ende bemüht, ein Rennen gegen die Zeit zu konstruieren, so glaubt man doch für keinen Moment, dass die Kunst, die hier am Ende gerettet wird, ernsthaft in Gefahr war. Es ist kein Geheimnis, dass die echten "Monuments Men" die großen Kunstverstecke der Nazis tatsächlich ausfindig machten. Man kommt nur nicht umhin sich zu fragen, ob diese nach Ende des Krieges nicht auch so oder so gefunden worden wären. Und so schafft es der Film nicht mal, sein zentrales, pathetisches Motiv - das es große Kulturgüter wert sind, sie mit seinem Leben zu verteidigen - überzeugend rüber zu bringen. Es gibt nur eine einzige dramatische Zuspitzung, in der einer der Männer sein Leben in Verbindung mit einem Kunstschatz lässt, und dabei versucht er nicht einmal aktiv, diesen wirklich mit aller Kraft zu verteidigen. Auch wenn der Film nachher so tut, als hätte er.

So scheitert Clooney mit seinen hehren Motiven leider auf ganzer Linie. Die gewichtige Aussage, die er mit "Monuments Men" transportieren will, bleibt in schlechter filmischer Umsetzung stecken, der es auf fast schon erschreckende Weise an Feinfühligkeit fehlt. Und der Rest ist in seiner erzählerischen und tonalen Unentschlossenheit so unfokussiert und krampfig, dass es an jeglicher Spannung ebenso fehlt wie an überzeugendem Witz. Wenn selbst Komödien-Größen wie Bill Murray und Bob Balaban nicht in der Lage sind, die Konstruiertheit ihrer gewollt spitzzüngigen Wortgefechte zu überspielen, dann wird es wirklich düster für einen Film. Und fürs Publikum einfach nur sehr, sehr öde.

Frank-Michael Helmke

Den Spoiler, dass exakt eine

Den Spoiler, dass exakt eine Person in diesem Film ihr Leben lässt, hätte man sich meiner Meinung nach auch schenken können. Klar will der Autor damit argumentieren, dass es dem Film an Dramatik fehlt, jedoch macht es dadurch um so weniger Sinn diesen kleinen Rest an Spannung gleich mit zu eliminieren.

Ich versuche es mal so

Ich versuche es mal so spoilerfrei wie möglich auszudrücken, um Ihnen, lieber Leser, die "Restspannung" wieder zu geben. Ihre Vermutung, dass "exakt eine Person in diesem Film ihr Leben lässt" ist nicht korrekt. In meiner Rezension bezog ich mich auf die genauen Umstände eines bestimmten Todesfalls. Ich habe nirgends gesagt, dass es der einzige ist.

Die Rezension bestätigt meine

Die Rezension bestätigt meine Meinung über den Trailer, wenn ein Trailer schon dermaßen wenig verspricht dann kann der Film nichts werden. Das ganze erinnert an einen der drei Oceans Film mit anderen Setting, älteren schauspielern und einem schlechte Drehbuch.
Danke Herr Helmke, ein Film den ich mir nicht ansehen werden.

Nun gut, danke für die

Nun gut, danke für die Antwort, Sie haben natürlich Recht mit Ihrer Aussage, daher ziehe ich meine Kritik hiermit zurück. Jetzt könnte ich aus ihrer Anmerkung jedoch vermuten, dass eine oder mehrere Personen ohne jede dramatische Zuspitzung - quasi nebenbei - sterben. Oder der Tod tritt lediglich im hohen Alter ein, fernab von Krieg und Waffengewalt. Die Spannung ist wiederhergestellt!

Tja, das ist immer das

Tja, das ist immer das Problem. Glaube ich der Kritik.
Deckt sich die Meinung des Kritikers später mit meiner ?
Ist der Film wirklich SO "schlecht" ?

Dies kann man nur auf eine Weise herausfinden, ins Kino
gehen.
Da mich selbst Kriegsfilm, egal ob lustig oder ernst, nie
interessieren, werde ich auch diesen auslassen.

Aber eine Kritik kann man immer nur als die persönliche
Meinung des Verfassers sehen, mehr nicht.

Wenn ich jeden Film gemieden hätte, der hier nur 3-5
Augen bekommen hat, wären mir einige unterhaltsame Abende
entgangen.

Vielleicht bin ich

4

Vielleicht bin ich Kulturbanause, doch ich habe mich selten so gelangweilt. Nichts ist interessant oder glaubwürdig. Nach einem Zwischenbesuch auf dem Klo habe ich nicht gemerkt, dass jemand der Protagonisten fehlt, bis es im Film erwähnt wurde...
Clooney vor der Kamera, ja bitte, dahinter, nein danke. Passiert ihm nicht zum ersten Mal. Musste dabei an die Aussage Emmerichs in einem Interview zu "Patriot" oder so denken, was er sich denn erlauben würde, von historischen Fakten abzuweichen. Antwort in etwa: "Ich mache Unterhaltung, keine Dokumentarfilme". Die beiden sollten mal ein Bier zusammen trinken.

Die 4 Sterne gibt's für die Besetzung.

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