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Meer is nich

Meer is nich
jugend-drama , deutschland 2007
original
regie
hagen keller
drehbuch
hagen keller
cast
elinor lüdde,
luise kehm,
sandra zänker,
ulrike krumbiegel,
thorsten merten, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
27. März 2008
homepage
http://www.meerisnich.kinowelt.de
bewertung

8 von 10 Augen

 

 Das Filmjahr ist keine drei Monate alt und hat bereits mehr Meisterwerke gesehen als manch anderes komplettes. In den meisten Fällen hat dabei die Musik den entscheidenden Teil dazu beigetragen, dass ein unvergesslicher, nachhaltig in Erinnerung bleibender Film entstand. In "Once" und "I'm Not There" zum Beispiel, vielleicht noch etwas mehr als in "Into the Wild". So überrascht es dann auch nicht, dass in einem der besseren deutschen Filme der jüngeren Vergangenheit eben die Musik die treibende Kraft darstellt.

Lena (Elinor Lüdde) ist 17 Jahre alt, und die einzige Gewissheit in ihrem Leben ist die bevorstehende Abschlussprüfung. Wie es danach weitergehen soll, ist offen, was ihr selbst deutlich weniger zu schaffen macht als dem Berufsberater oder natürlich ihren Eltern (Ulrike Krumbiegel und Thorsten Merten). Sich den Vater als Vorbild zu nehmen fällt auch einigermaßen schwer, schließlich sitzt der daheim und wartet auf den einen, ganz speziellen Job. Lenas Passion ist die Musik - Konzertbesuche und die Erkenntnis, dass das Schlagzeug das richtige Instrument für sie ist, um ihre ganze Energie herauszulassen. Durch Zufall landet sie im Musikunterricht von Sascha und folgt im Grunde nur noch einer Devise: Scheiß doch auf Abschluss und Ausbildung, Musik ist das wahre Leben! Lena nimmt die Dinge von nun an selbst in die Hand, muss aber lernen, dass das Leben auch Rückschläge für sie bereit hält und selbst der scheinbar kürzeste Weg zum Glück ein sehr langer werden kann.

Natürlich ist Lena am Ende der gut 100 Minuten nicht der umjubelte Superstar. Auch nicht annähernd. "Meer is nich", das Spielfilmdebüt von Hagen Keller, ist schließlich ein authentischer Film, dessen Heldin zwar mit sehr viel Talent und Hingabe gesegnet ist, aber eben auch keine Wunder vollbringt. Manch glücklicher Umstand mag ihr zudem behilflich sein, doch ob sie ihre Chance nutzt oder von ihr davon läuft, bleibt offen. "Meer is nich" endet abrupt, verwirrt damit zunächst, doch nach wenigen Minuten fühlt es sich an, als ob es genau der richtige Punkt gewesen ist. Der Film zeigt einen Ausschnitt aus Lenas Leben, das sich ganz einfach nicht in unterschiedliche Etappen gliedern lässt. Er zeigt Entwicklungen, ohne Schlussstriche zu ziehen, offeriert maximal Tendenzen.
Dabei ist der Einstieg noch etwas holprig, wirken die Figuren ganz zu Beginn ein wenig klischeebeladen. Vielleicht ist es der eigene Fehler, sich ein vorschnelles Urteil über Lena zu erlauben, sie in eine Schublade zu stecken. Denn je mehr man sie kennenlernt, desto größere Sympathien weckt der Film für sie. Nur allzu gut kann man sich selbst in ihr wiederfinden. In einer Phase, in der Erwartungshaltungen auf einen einstürmen, man gezwungen ist, seinen Weg zu gehen, sich am Besten bereits für den Rest des Lebens festzulegen, dazu aber natürlich noch nicht bereit ist.
Lena ist dabei sicher noch eine Spur "konsequenter", verweigert sich Rat- und Vorschlägen und fordert mehr Zeit ein. Wie viel? So viel es eben bedarf. Wenn sie sich dann ihrer Sache sicher ist und sich für das Schlagzeug entscheidet, fiebert man mit ihr, folgt ihr interessiert auf ihrem Weg, beobachtet den Umgang ihres Umfeldes mit ihr. Und das ist das Schöne an Lena: Sie lässt sich nicht verbiegen.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen Klara (Luise Kehm) und Alex (Sandra Zänker) bildet Lena im Film eine Band. Dass diese verdammt authentisch rüberkommt, hat den einfachen Grund, dass sie nicht wirklich fiktiver Natur ist. Seit 2003 spielen die drei jungen Damen gemeinsam in der Band "sleazy inc. operated", haben aber auch schon lange vorher begonnen, sich intensiv mit Musik zu beschäftigen. Dem Film kann das nur zugute kommen.
Und so liefert Hagen Keller ein Langfilm-Debüt ab, das sich sehen und vor allem hören lassen kann. Frei von Klischees porträtiert er junge Menschen wie sie eben sind, mit ihren Gefühlen und Sehnsüchten, Hoffnungen und Ängsten. Sein Gespür für die Figuren ist faszinierend und darf gerne weitere so scheinbar locker von der Hand gehende Filme nach sich ziehen.

René Loch

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