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Mary and Max

Mary and Max
animation , australien 2009
original
mary and max
regie
adam elliot
drehbuch
adam elliot
cast
toni collette,
philip seymour hoffman,
eric bana,
barry humphries, u.a.
spielzeit
92 Minuten
kinostart
26. August 2010
homepage
http://www.maryandmax.de
bewertung

8 von 10 Augen

Welcher Filmemacher fällt einem bei Knetgummi-Stop-Motion-Animation ein? Na? Nick Park, der Schöpfer von "Wallace & Gromit"! Und damit hat es sich dann schon, oder? Seit 2004 der knetanimierte Kurzfilm "Harvie Krumpet" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, warteten so einige Animations-Fans gespannt auf den ersten Langspielfilm des Australiers Adam Elliot. In "Harvie Krumpet" fand sich abseits von Wensleydale und Crackern ein weiteres aufregendes Knet-Universum: Elliot spann hier eine unglaubliche Biographie, prall gefüllt mit mütterlichem Wahnsinn, dem Tourette-Syndrom, Hodenkrebs, einem Contergan-Adoptivkind und Alzheimer - und das alles in 22 Minuten. Und wurde schon erwähnt, dass die Hauptperson ein Nudist ist? Die lebensbejahende Schlichtheit des Harvek Milos Krumpetzki (= Harvie Krumpet) im Angesicht seines so unglaublich harten Loses sorgte dafür, dass dieser kleine Film so ziemlich alle Auszeichnungen abräumte, die es für animierte Kurzfilme gab. Allgemein kann man ziemlich beeindruckt sein, dass Adam Elliots fünf Knetfigur-Animationsfilme auf über 600 Festivals liefen und dabei auch noch mit über 100 Preisen heimreisten.
Nun ist es endlich so weit, dass auch wir den Langspielfilm, für den Elliot fünf Jahre brauchte, sehen können: " Mary und Max" bezaubert nun auch hierzulande mit einer sehr untypischen Geschichte, die 1976 in zwei ganz unterschiedlichen Welten beginnt:

Mary lebt in Australien, ist 8 Jahre, 3 Monate und 9 Tage alt, hat Augen wie schmutzige Pfützen, ein Muttermal auf der Stirn und hätte gern einen Freund, der nicht aus Muscheln, Zweigen oder Fischgräten geformt ist wie die von ihr gebastelten Figürchen ihrer Lieblingsserie, der Noblets. Stattdessen wird sie gehänselt, hat eine Sherry-trunkene kettenrauchende Mutter und einen Vater, der lieber im Schuppen Tiere ausstopft als Zeit mit ihr zu verbringen.
Der mit dem Asperger-Syndrom (einer Unterform des Autismus) diagnostizierte Max hingegen lebt in New York, ist 44 Jahre alt, wiegt 352 Pfund, ist jüdischer Atheist und hätte gern einen Freund, der nicht unsichtbar, ein Haustier oder eine Plastikfigur ist.
Zwischen diesen beiden beginnt eine Brieffreundschaft, die sich über 20 Jahre spannen wird und im Verlauf derer viel Schokolade in Päckchen den Kontinent wechseln wird, wichtige Fragen geklärt werden ("Findet man die Kinder in Amerika in Coladosen? In Australien finden Männer die Kinder auf dem Grund von Bierkrügen.") und beide Charaktere über ihre Sorgen und Eigenheiten berichten, die sie in all ihrer schrulligen Andersartigkeit zeigen.
Elliot zeigt wie schon in "Harvie Krumpet" in diesem Film wieder seinen tiefschwarzen Humor, der Nick Park wie ein Kuschelkaninchen wirken lässt, und vielleicht noch an die Doppelbödigkeit von Charles M. Schulz' "Peanuts" erinnert. An Mary und Max besticht zuerst einmal die Detailversessenheit, die sogar dem detailreichen Universum von Wallace & Gromit noch eins draufsetzt. Visuell in zwei Welten geteilt, die Wärme von Marys Australien ausgedrückt in Sepia-Tönen, die urbane Welt von Max in großstadtgrau, scheint hier und da zwischen braun und grau ein roter Akzent hervor.
Die Knetkulissen sind alle etwas windschief, die Figuren unperfekt, was nicht nur die Geschichte dieser zwei Außenseiter stützt, sondern auch auf einer Unperfektheit des Autors beruht: Adam Elliot hat einen ererbten Tremor, all seine Zeichnungen sehen krakelig aus, wodurch das von ihm komplett selbst gezeichnete Storyboard schon visuell andersartig erscheint als bei anderen Filmemachern. Zusätzlich sind die Figuren erfrischend merkwürdig in ihrer optischen Darstellung. So findet Adam Elliot sogar selbst, dass Mary im Film aussieht wie eine Kreuzung aus Nana Mouskouri und einer Ente.

Visuell ist "Mary and Max" allgemein ein Fest. Inspiriert von extremen Lichtverhältnissen wie bei Caravaggio orientiert sich Elliot auch an der Ästhetik der Fotos von Diane Arbus, die mit ihren Schwarz-Weiß-Porträts von Prostituierten, Zwergwüchsigen und Riesen die Außenseiter der Gesellschaft ins Bild rückte (man sieht sie einmal als Nachbarin von Max in New York aus dem Fenster schauen). Hinzu kommt der Einsatz von Kamerafahrten und unerwarteten Perspektivwechseln, bei denen man die Welt zum Beispiel plötzlich aus den Augen von Max sieht, der sie aufgrund seines Asperger-Syndroms ganz anders wahrnimmt. Hier ist jede Kameraeinstellung mehr als kinowürdig, trotz der Schlichtheit der Mittel.
Selbst die kleinste Nebenfigur ist in "Mary und Max" nicht nur visuell ausgereift, sondern auch charakterlich ausgearbeitet. Wie schon bei "Harvie Krumpet" oder Jeunets "Amelie" erfährt der Zuschauer sehr viele Eigenheiten über alle Figuren, die vom Erzähler genannt, aber auch gleichzeitig visuell umgesetzt werden. Erstaunlich dabei ist, wie sinnlich nicht nur die Knetfiguren erscheinen, sondern auch die Erzählung. Jeder Geruch, Geschmack wird uns bewusst, jeder Sinneseindruck erhöht wie beim überempfindlichen Max.
Es wechseln sich wunderbare Orchester-Melodien ab mit der Stimme des Erzählers und den manchmal vorgelesenen Brieftexten der beiden Hauptpersonen. Ansonsten wird fast nie gesprochen und sagt Max im gesamten Film nur zwei Sätze. Über Mimik und Gestik wird das Innenleben der Figuren gezeigt, eine herausragende Leistung angesichts der Komplexität von Stop-Motion, bei der die Nachstellung eines einfachen Augenbrauenhochziehens schon zu einer Sisyphos-Arbeit wird. Adam Elliot begründete die Dialogarmut seiner Knetfiguren augenzwinkernd damit, dass es noch viel aufwendiger ist, die Mundbewegungen beim Sprechen in Stop-Motion nachzustellen.

Doch all die wundervolle Ästhetik kann nicht ablenken von der schwächeren zweiten Hälfte des Films, in der die tragikomische Welt der beiden plötzlich arg ins Tragische abdriftet und dabei unverhältnismäßig viel Hanebüchenes in Zeitraffer geschieht, wovon sich der Film leider nie wieder ganz erholt. Hier ist es manchmal zu viel. Man möchte geneigt sein, sich hier weichkneten zu lassen, da der Film auf einer wahren Geschichte basiert, wie es am Anfang heißt, doch ist dies keine Entschuldigung. Adam Elliot hat zwar seit 20 Jahren einen Asperger-Brieffreund, doch ist die Handlungsentwicklung in der zweiten Hälfte nicht auf realen Begebenheiten aufgebaut, umso bedauerlicher, dass sie dann nicht stärker ausgefallen ist.
Trotzdem handelt es sich bei "Mary und Max" um einen besonderen, wahrlich außergewöhnlichen Film, der hoffentlich auch in Deutschland wenigstens noch ein kleines Publikum finden wird. Warum die Oscar-Academy Filme wie "Die Prinzessin und den Frosch" statt "Mary und Max" für den Animationsfilm-Oscar nominierte, wird daher ein Rätsel bleiben. Ein anderes lässt sich leichter aufklären: Natürlich werden in Amerika Babys nicht auf dem Grund von Biergläsern gefunden, schreibt Max, der seine Mutter mit vier Jahren danach gefragt hat: Babys kommen aus Eiern, die von Rabbinern gelegt werden. Wenn man nicht jüdisch ist, werden diese von katholischen Nonnen gelegt. Wenn man hingegen Atheist ist, von schmutzigen, einsamen Prostituierten.

Margarete Prowe

9

Ein kleines Meisterwerk! So traurig und witzig, skurril und alltäglich, einfach so komplett anders als all der durchschnittliche Hollywood-Einheitsbrei, der uns Woche für Woche präsentiert wird, dass es höchst erstaunlich und erfreulich ist, dass dieser Film es auch in Deutschland in die Kinos geschafft hat. Perfekt für den verregneten Spätsommer/Frühherbst!

9

Schließe mich meinem Vorredner an! Besonders die Hintergrundmusik geht unter die Haut und der Film ist so detailreich! Man fühlt so intensiv mit den Figuren mit! Ein herrlicher, unglaublich niedlicher, warmherziger und dennoch trauriger Film.
Schade nur, dass sich bestimmt Wenige auf solch einen Film einlassen werde. Definitv sehenswert!

10

Ich hab ihn jetzt schon zwei mal gesehen und ich würde es auch ein drittes mal tun schade ist es aber das max und mary sich nicht persönlich gekannt haben

kleines Juwel!

10

kleines Juwel!

Der Film ist rührend, im

Der Film ist rührend, im Sinne von anrührend, nicht im Sinne eines Klischees.
Mir ist die Schwäche im zweiten Part nicht aufgefallen. Mir bleibt aber der Tod des Vaters nicht plausibel dargestellt.
Der Film, genau wie der Kurzfilm über Krumpet, der ebenfalls auf der DVD ist, zeigt mir, nachfühlbar, eine gewisse Authentizität des Lebens.
Wir werden alle nicht lebend herauskommen, wohl auch nicht gesund und (hoffentlich?) alt.
Alle Werte und Ziele sind letztlich "vanitas", also bleibt doch nur, im Jetzt und Hier ein Leben zu leben, ein Glück im Moment (und man merke): Dies sind letztlich Klischees, aber nur weil sie letztlich wahr sind.
Natürlich kann kaum jemand ein Leben in diesem Bewusstsein und unter diesen Prämissen leben, aber die Figuren aus den Filmen können es. Und wohl auch ihre Entsprechungen im wahren Leben: Außenseiter, die letztlich keine über den Moment hinauszielende Absichten verfolgen (Max möchte Schokolade...).
Sich mit den Unzulänglichkeiten und der letztlichen Abwärtstendenz im Leben zu versöhnen: Dies zeigt meines Erachtens der Film sehr liebevoll, notwendigerweise zynisch. Diese Wirkung hält nach.
Auch wenn später wieder die Bedingungen des Alltags gelten : Alterssicherung, Job, Familie, Karriere....

Ein Meisterwerk, mal komisch,

8

Ein Meisterwerk, mal komisch, mal tragisch, etwas schräg mit genialen Stilmitteln umgesetzt. Wäre da nicht die etwas schwächere 2. Hälfte, ich hätte dem Film 10 Augen verpasst, so sind es "nur" 8. Emotional bewegende Stop-Motion in Perfektion. Gegen Ende ist man als Zuschauer sogar echt gerührt, obwohl es doch nur Knetmännchen sind, das spricht für sich. Daumen hoch !

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