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Mad Hot Ballroom

Mad Hot Ballroom
dokumentation , usa 2005
original
mad hot ballroom
regie
marilyn agrelo
drehbuch
amy sewell
cast
schüler von drei public high schools in new york, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
27. Oktober 2005
homepage
bewertung

6 von 10 Augen
 

Dokumentarfilme, die als "Indie-Hit" beschrieben werden, sind eher selten. Mit "Mad Hot Ballroom" kommt jetzt ein Überraschungserfolg in die Kinos, der schon unzählige Auszeichnungen auf verschiedenen Filmfestivals erhalten hat und anscheinend von Kritikern und Publikum gleichermaßen geliebt wird. Thema des Films ist ein einzigartiges Projekt einer New Yorker Tanzschule, die Kindern an öffentlichen Schulen - die meisten in so genannten "Problembezirken" - Gesellschaftstanz beibringt. Das Projekt begann 1994 mit nur zwei Schulen und 120 Schülern, dieses Jahr werden in 100 Schulen schon mehr als 11.000 Kinder unterrichtet. Regisseurin Marylin Agrelo begleitete drei Klassen, die am "Dancing Classrooms"-Projekt des American Ballroom Theater (ABrT) teilnahmen. Bei diesem Projekt geht es jedoch nicht nur um Tänze wie Rumba, Foxtrott oder Swing, sondern vielmehr darum, den Kindern Benimm und Respekt voreinander beizubringen.

So bittet Lehrer Rodney die "Gentlemen" in seiner Klasse zunächst, ihre Hemden ordentlich in die Hose zu stecken, und sich nach dem Tanz bei ihrer Partnerin zu bedanken. Nach einem ersten Kichern sind die Kinder wider Erwarten Feuer und Flamme und fiebern dem "Colors of the Rainbow Team Match"-Turnier entgegen, bei dem sie gegen die anderen Dancing Classrooms aus New York antreten sollen. Und das in einem Alter, in dem Mädchen Jungs eigentlich "doof" und Jungs Mädchen "zickig" finden. Außerdem kommt ein großer Teil der Schüler aus Gegenden, in denen sie täglich mit einer harten Realität umgehen müssen, in der normalerweise kein Platz für Tanzstunden und schon gar nicht für Gesellschaftstanz ist. Eins der teilnehmenden Mädchen erzählt zum Beispiel, dass sie sich später einen Freund wünscht, der keine Drogen verkauft.
Das Projekt bietet den Kindern eine neue Zukunftsperspektive und fördert ihre Integration und Sozialisation. Auch zwei moslemische Kinder, die aufgrund ihrer Religion nicht mittanzen dürfen, werden ins Projekt eingebunden: auf Kommando sorgen sie als DJs dafür, dass zum Unterricht die richtige Musik ertönt.
Regisseurin Agrelo spricht zwar immer wieder die Probleme der sozial schwachen Kinder an, jedoch negiert sie die Aussagen der Kinder stets gleich wieder mit Szenen aus den jeweiligen Stadtvierteln, die den Zuschauern vermitteln, dass es neben Armut und Gewalt natürlich auch exotische Verkaufsstände auf der Straße gibt. Alles gar nicht so schlimm hier. Man könnte auch sagen: Typisch amerikanische Schönfärberei.

Da es eine der größten Herausforderungen beim Dokumentarfilm ist, der unvorhersehbaren Realität eine dramatische Struktur zu geben, strukturieren viele Filmemacher ihre Handlung gern um eine "Krisensituation", die ihnen eine gewisse Kontrolle bietet. Wettbewerbe eignen sich besonders gut, wie man zum Beispiel in Jeffrey Blitzs grandiosem und Oscar-gekröntem Film "Spellbound" über den nationalen Buchstabier-Wettbewerb sieht. Zwar weiß auch der Regisseur vorher nicht, wie der Wettbewerb ausgehen wird, dafür lässt sich aber Einiges vorhersagen: das Datum, die Vorbereitung, und die Tatsache, dass es am Ende Gewinner und Verlierer gibt. Soviel sichere Dramaturgie ist für einen Dokumentarfilmer schon purer Luxus.
Leider verlässt sich auch "Mad Hot Ballroom" auf diese Methode, was bedeutet, dass es in der zweiten Hälfte des Films ausschließlich um das "Colors of the Rainbow"-Turnier geht. Natürlich ist es ein wichtiger Bestandteil des Films, zu zeigen, was für tolle Tänzer innerhalb von zehn Wochen aus den Kindern geworden sind, und die Kleinen sind wirklich grandios und verdienen es, ausgiebig im Rampenlicht zu stehen. Aber hier bleibt die gesamte soziale Komponente, die eigentlich das Projekt ausmacht, auf der Strecke. Hier geht es scheinbar nur noch ums Gewinnen einer riesigen Trophäe, und die zaghaft angedeutete Sozialkritik der ersten Hälfte verschwindet vollends aus dem Fokus. Besonders eine extrem ehrgeizige Schullehrerin lässt keine Zweifel aufkommen, worum es ihr bei dem Projekt wirklich geht: Ums Gewinnen. Traurig, sollte doch eigentlich der Weg das Ziel sein. Selbst Pierre Dulaine, Erfinder des Projekts, sagte in einem Interview, es sei ihm eigentlich egal, ob die Kinder die Tanzschritte behielten. Was zähle, seien der Respekt und Umgang mit anderen Menschen, den sie dabei lernen.

Regisseurin Agrelo gelingt es aber nicht nur, ein großartiges Sozialprojekt auf einen "Einer wird gewinnen"-Wettbewerb zu reduzieren. Sie schafft es auch, einen Film über die "Dancing Classrooms" zu machen, ohne auch nur einmal zu erwähnen, wer dieses fantastische Projekt ins Leben gerufen hat - obwohl Pierre Dulaine im Film zu sehen ist. Anders als bei den (austauschbaren) Lehrern der jeweiligen Schulen, wird aber nicht mal sein Name eingeblendet. Nur zur Information: Er ist der Mann, der beim Wettbewerb am Ende moderiert und die Preise verteilt.
Dulaine entwickelte den Lehrplan und unterrichtete die ersten Kurse, nachdem er seine eigene Karriere als professioneller Tänzer beendet hatte. Glücklicherweise sind die Verdienste von den Projekt-Direktoren Pierre Dulaine, Yvonne Marceau und Otto Cappel von vielen Seiten anerkannt und geehrt worden, zuletzt bekamen sie den Preis der Organisation Americans for the Arts. Außerdem wird Dulaines Lebensgeschichte gerade mit Antonio Banderas in der Hauptrolle verfilmt. Der Film wird "Take the Lead" heißen - und dem Geist seines Projekts wahrscheinlich gerechter werden als diese Dokumentation.

Bei aller Kritik: Der immense Erfolg von "Mad Hot Ballroom" hat immerhin dazu geführt, dass das Dancing Classrooms-Projekt so bekannt geworden ist, dass mittlerweile Anfragen von Schulen aus ganz Amerika vorliegen, die ebenfalls am Programm teilnehmen möchten. Womit mal wieder bewiesen wäre: Eine gute Idee setzt sich durch. Auch wenn sie mangelhaft präsentiert wird.

 

 

 

Anna Plumeyer

10

Aus tanz- und kulturpädagogischer Sicht ist für mich Mad Hot Ballroom nach Buena Vista Social Club oder Rhythm is it wieder ein Kinofilm der Extraklasse, welcher von Schulen, Städten, Tanz-, Sport-, Kultur- und Bildungseinrichtungen genau studiert werden sollte
Lothar Klee - Tanz-, Sport- + ShowSpektakel /-Bälle für Schulen, Vereine, Städt. www.OaseGreifenstein.de

10

ewig gut!!!

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