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Machtlos

Machtlos
polit-drama , usa 2007
original
rendition
regie
gavin hood
drehbuch
kelley sane
cast
jake gyllenhaal,
reese witherspoon,
meryl streep,
peter sarsgard,
igal naor, u.a.
spielzeit
121 Minuten
kinostart
22. November 2007
homepage
http://www.machtlos-derfilm.de
bewertung

5 von 10 Augen

 

Der Ausdruck "Extraordinary Rendition" bedeutet soviel wie "Überstellung in die Rechtlosigkeit" und das muss schon deshalb kurz erwähnt werden, weil der deutsche Verleih sich mal wieder für einen der beliebten Titel entschieden hat, die Verlauf und Ergebnis der Handlung beschreiben, was in diesem Fall praktischerweise sogar mit einem einzigen Wort möglich ist.
Bei dem erwähnten Verfahren werden Terrorverdächtige von der Regierung der USA außer Landes gebracht, ohne Rücksicht auf ihre Grundrechte verhört und wenn für nötig gehalten auch gefoltert. Ein Vorgehen, welches beim Image der derzeitigen Bush-Regierung kaum jemanden überraschen dürfte, tatsächlich aber schon von der Clinton-Administration eingeführt wurde. Ein Thema also, bei dem viele daran interessiert sind, dass es möglichst unbekannt bleibt und besser nicht groß in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Wenn sich nun aber doch eine Hollywood-Produktion dieser frag- und diskussionswürdigen Praxis annimmt, die zweifellos an den Grundprinzipien des demokratischen Selbstverständnisses rüttelt, ist das allemal lobenswert.
Und dieser Verdienst, ein wichtiges Thema etwas mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, ist dann auch das eindeutig Beste was man über "Machtlos" sagen kann, einen Film der sowohl angesichts seines emotionalen Themas als auch des dahinter stehenden Regisseurs (dem für "Tsotsi" mit dem Oscar ausgezeichneten Gavin Hood) erstaunlich kraftlos und brav daherkommt.

In drei unterschiedlichen Handlungssträngen verfolgen wir das Schicksal der folgenden Charaktere: Der junge CIA-Analytiker Doug Freeman (Jake Gyllenhaal) überlebt einen Selbstmordanschlag in einem nordafrikanischen Land und wird kurz darauf als Beobachter zum Verhör des ägyptisch-stämmigen US-Bürgers Anwar El-Ibrahimi bestellt, der aufgrund einiger verdächtiger Telefonate ins Visier der Fahnder geraten ist. Erschüttert von der Brutalität, mit welcher der örtliche Gefängnisdirektor Fawal (Igal Naor) dabei vorgeht, gerät Freeman schnell in einen starken Gewissenskonflikt mit seiner Aufgabe. Dabei hat Fawal ganz eigene Probleme mit seiner rebellischen Tochter, die eine Liaison mit einem jungen islamischen Fundamentalisten beginnt. Unterdessen versucht die hochschwangere Isabella El-Ibrahimi (Reese Witherspoon) in der Heimat mit Hilfe ihres alten Schulfreundes Alan (Peter Sarsgaard) herauszufinden, was mit ihrem Mann geschehen ist, und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens.

Obwohl es sich hier natürlich um eine zusammenhängende Geschichte handelt, wird jede Episode für sich erzählt und die einzelnen Figuren begegnen sich nur selten oder überhaupt nicht. Wie stark dabei auch der vermeintliche Nebenstrang um das junge arabische Liebespaar mit den anderen Ereignissen verbunden ist, wird dabei erst spät klar, denn hier erlaubt es sich der Film sein Publikum bewusst etwas in die Irre zu führen und arbeitet dabei mit einem kleinen Gimmick, welches vielleicht grundsätzlich nicht so recht zum ernsten Anliegen passt, trotzdem aber sehr gut funktioniert.
Es ist vielleicht sogar das gelungenste, spannendste und bewegendste Element in einer ansonsten ziemlich vorhersehbaren Handlung. Wenn einem sowohl für den Part der hilflosen daheim gebliebenen Ehefrau ("Ich will doch nur wissen, ob es ihm gut geht"), als auch für die Figur des genauso idealistischen und aufrechten wie etwas naiven CIA-Anfängers Freeman nur der Begriff "klischeehaft" einfällt, dann ist das bei einem Thema, dass ja wohl das Publikum zumindest ein wenig aufrütteln will, doch sehr enttäuschend. Sowohl Gyllenhal als auch Witherspoon bleiben in ihren jeweiligen Rollen blass, und wer weiß, wozu diese beiden Darsteller sonst in der Lage sind, der muss die Schuld dafür notgedrungen dem Drehbuch und der Inszenierung zuschieben.
Charisma und Emotion versprühen daher am Ehesten Igal Naor ("München") als zwiespältiger Folterknecht mit Familienproblemen und Peter Sarsgaard ("Flightplan") als im moralischen Dilemma zwischen Freundschaftsdienst und Karriereplanung agierender Jungpolitiker. Dass man eine Meryl Streep nicht unerwähnt lassen darf versteht sich von selbst, ihre Darstellung der für die Entführungen verantwortlichen CIA-Chefin ist erwartungsgemäß souverän und überzeugend. Allerdings macht man es sich doch recht einfach, wenn versucht wird dieser eher negativen Figur mit ein bis zwei Standardfloskeln der Marke "Wenn meine Familie dadurch ruhiger schlafen kann, tue ich gerne das, was getan werden muss" auch noch eine passende Rechtfertigung zu verpassen.
Diese auch sonst immer wieder festzustellende Ambivalenz und Unentschlossenheit ist es, die "Machtlos" trotz des brisanten, schließlich freiwillig gewählten Themas wie einen Film erscheinen lässt, der letztendlich doch keinem wehtun möchte. Denn jeder hat hier gute Gründe für sein Vorgehen und will natürlich im Grunde nur das Beste. Dementsprechend versinkt dann auch noch die Haupthandlung zum Schluss in Hollywood-Kitsch und umgeht so mehr oder weniger geschickt die Problematik, das Dilemma politisch lösen zu müssen.

Es ist bezeichnend, dass von den immerhin drei großen US-Produktionen, die sich in diesem Herbst dem Konflikt mit der arabischen Welt widmen, ausgerechnet der eher als Action-Film konzipierte "Operation Kingdom" den stärksten und im Hinblick auf eine realistische Darstellung der Situation überzeugendsten Eindruck hinterlässt. Das eher als politisches Statement angetretene Robert Redford-Werk "Von Löwen und Lämmern" konnte dagegen genauso wenig überzeugen wie nun Gavin Hoods "Machtlos", für den am Ende deshalb auch nur das nicht allzu schmeichelhafte Etikett "ehrenwerter Versuch" übrig bleibt.

Volker Robrahn

8

Guter Film, wenn auch nicht sehr gut, da halt amerikanische Perspektive auf amerikanische Folter.

Die obige Rezension ist ausschließlich Geschwafel.

Ansonsten machen solche Filmbesprechungen sowieso nur Sinn, wenn man den Film schon gesehen hat. Schließlich kann man sich den Film bei der spoiligen Schreibe sonst schenken.

9

Ich finde den Film super!

Ich zitiere aus der Rezension:"erstaunlich kraftlos und brav"

und gerade das finde ich an dem Film so positiv (obwohl kraftlos auch untertrieben ist). Es wird nicht Hollywoodtypisch rumgeballert, Bomben mit rießigen Feuerbällen gezündet oder ähnliches, sondern der Film bleibt bei all dem zurückhaltend. So hat man deutlich mehr von der Geschichte. Auch die Folterscenen sind zum Glück nicht übertrieben und sind so noch viel bedrückender als wenn wieder gnadenlos versucht worden wäre es möglichst brutal aussehen zu lassen.
Es gibt mehrere Handlungsstränge im Film die mehr oder weniger Parallel ablaufen. So kommt es nicht selten vor, dass man sich fragt wie es denn eigentlich mit "Person X" weitergeht. Außerdem gibt es viele Charaktere im Film, bei denen man sich zu jedem Gedanken macht warum er/sie so handelt und was er/sie für ein "Typ" ist.

Das Ende ist gut gemacht und hat genau die richtige Länge, es ist nämlich sehr kurz!

Der Film ist auf jeden fall einen Freitag/Samstag/Sonntag-Abend wert.

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