'Warum
ein Film über Luther?' ist sicherlich eine Frage, die sich
viele stellen werden. Hinsichtlich der Helden des diesjährigen
Kinosommers ist das verständlich. Schließlich ist Luther
weder grün, noch hat er übermenschliche Kräfte oder
ein schnelles Auto. Eine mögliche Antwort wäre sicherlich,
dass die Produktion von evangelischen Gemeinden und diversen ähnlich
veranlagten amerikanischen Unternehmen gefördert wurde. Regisseur
Eric Till (Bonhoeffer - die letzte Stufe) beweist jedoch, dass "Luther"
nicht nur ein Lehrfilm für Anhänger seines Glaubens ist,
sondern vor allem eine spannende Geschichte über das Leben
eines Mönchs im Wittenberg des 16. Jahrhunderts: So wurde Luther
beinahe vom Blitz erschlagen, stellte sich mit 95 Thesen gegen den
Papst, wurde auf die Wartburg entführt, übersetze das
Neue Testament innerhalb von elf Wochen ins Deutsche und wurde Begründer
der Reformation.
Der
vielversprechende Stoff wurde Dank internationaler Produktion vom
Schicksal 'TV-Movie' verschont und wirkt eher wie ein Hollywood-Kostümfilm.
Till versteht es, Luther als eine Art Robin Hood erscheinen zu lassen,
der der Katholischen Kirche klar macht, dass die Ausbeutung der
Armen durch den Ablasshandel (das "Erkaufen" einer reinen
Seele für den vermeintlichen Eintritt ins Himmelreich) ein
Ende haben muss. Wie ein Hollywood-Held stellt Luther sich gegen
das herrschende System um für den kleinen Mann zu kämpfen.
Da Filmhelden (selbst historische) nie hässlich sind, wurde
die Hauptrolle nicht etwa mit Bruno Ganz, der Luther zwar ähnlich
sieht, aber weder jung noch schön ist, sondern mit Joseph Fiennes
(Shakespeare in Love) besetzt
(der sich immerhin im 16. Jahrhundert wohl zufühlen scheint).
Bruno Ganz (Der Himmel über
Berlin) spielt stattdessen seinen väterlichen Ratgeber
von Staupitz. Ein weiterer Verbündeter Luthers ist Friedrich
der
Weise
von Sachsen, gespielt von Sir Peter Ustinov (Quo Vadis, Lorenzos
Öl). Dieser spielt sich zwar hauptsächlich selbst, das
aber mit soviel Humor, dass man es ihm nicht übel nimmt. Als
Gegner Luthers glänzen Alfred Molina (Chocolat) als Ablasshändler
Tetzel und Jonathan Firth als Gesandter des Papstes. Der Vorteil
dieser internationalen Besetzung ist, dass dem deutschen Publikum
einmal die ewige Präsenz von Moritz Bleibtreu und Katja Riemann
erspart bleibt.
Regisseur Till gelingt es, diese Geschichte mit bekanntem Ausgang
(sozusagen das Titanic-Dilemma) spannend zu erzählen, ohne
historisch zu ungenau zu werden. Somit gibt es nicht nur zwei Stunden
Unterhaltung, sondern auch ein bisschen Nachhilfe für die weniger
Bibelfesten unter uns.



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