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Love + Sex

Love + Sex
romantische komödie , usa 2001
original
love + sex
regie
valerie breiman
drehbuch
valerie breiman
cast
famke janssen,
jon favreau,
noah emmerich, u.a.
spielzeit
82 Minuten
kinostart
14. Juni 2001
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

Hollywoodromanzen. Warum funktionieren manche und andere wiederum gar nicht? Sicher, die Chemie zwischen den Darstellern muß stimmen. Und ja, originelles Setting, skurrile und interessante Nebenfiguren sowie eine gewisse Frische in den Dialogen wären auch nicht verkehrt. Zu dumm nur, daß "Love + Sex" keinen, aber auch wirklich keinen einzigen dieser Faktoren aufbringen kann und zu einer weiteren Schaufel Dreck ins allmählich randvolle Grab der RomCom als irgendwie kreatives Genre mutiert. Dieser Film sollte an Filmhochschulen gezeigt werden, um dem Regienachwuchs zu zeigen, wie man es auf keinen Fall macht.

Kate Welles (Famke Janssen) ist Journalistin, auffallend hübsch, aber immer mit den falschen Typen zusammen. Als sie von ihrer Chefin den Auftrag bekommt, einen Artikel darüber zu schreiben, wie man den richtigen Mann findet und auch behält, kommt sie ins Grübeln. Dieses Kunststück hat sie nämlich noch nicht geschafft. Oder vielleicht doch? Rückblickend klappert sie die Liste ihrer Liebschaften ab und bleibt schließlich bei Adam (Jon Favreau) hängen, jenem liebenswert-chaotischen Künstler, mit dem sie gerade auseinandergegangen ist. Aber ist vielleicht genau er der Richtige gewesen und kann immer noch der Richtige sein...?

Hollywoodromanzen. Warum funktionieren manche und andere wiederum gar nicht? Hollywoods Einstellung gegenüber der Romanze oder Liebesgeschichte war noch nie ein unbelastetes, was an Filmen wie diesem schmerzlich deutlich wird. Zuallererst wäre da mal die Frage, wieso der verliebte Erwachsene in Hollywood sich nicht wie ein verliebter Erwachsener benehmen kann, sondern immer wie ein verliebtes Kind - "Love + Sex" beginnt mit der neunjährigen Kate, und man wundert sich, dass sie in den 20 darauffolgenden Jahren offenbar keinen Deut reifer, erwachsener geworden ist. Wieso meint Hollywood nur immer, uns die Geschichte auftischen zu müssen, dass Erwachsene ihrer Liebe mit den Methoden eines Teenagers nachjagen? Um dem offensichtlichen Gegenteil in der realen Welt entgegenzuwirken? Dass dies völlig unnötig ist, beweist ein großartiger Film wie "You can count on me", in dem sich ein Erwachsener zwar auch wie ein Kind benimmt, dies aber in einer Welt der Erwachsenen tut, und dementsprechend auch die Konsequenzen als Erwachsener zu tragen hat. Hier dagegen bewegen wir uns ganz offensichtlich in jener völlig falschen Scheinwelt, die uns Hollywood so regelmäßig wie in der Effektivität variierend verkauft. Und deren Effektivität hier gegen Null strebt...

Man muss "Love + Sex" nicht verdammen, weil er unlogisch oder unrealistisch ist (viele Filme - und ganze Genres wie das des muskelbepackten Actionfilms - sind dies), sondern weil er unehrlich ist. Man ist ja schon erstaunt, dass einem nicht die so lächerliche wie oft gebrauchte Lüge aufgetischt wird, dass die schönen Frauen immer die sind, die jahrelang kein ordentliches Date hatten. Aber ansonsten wird hier gelogen, dass sich die Balken biegen. Bestes Beispiel ist der wiederum Hollywood-typische Umgang mit Sexualität. Einem Film, der dies sogar im Titel vor sich her trägt, sollte man zutrauen, daß er sich diesem Thema offen und unverklemmt nähert, doch was bekommen wir: Prüde Witze. Klischee um Klischee, es ist hier alles Mumpitz. Wie auch die Figuren. Keiner der Charaktere ist aus Fleisch und Blut, und alles, was sie sagen, entstammt so offensichtlich aus einem stumpfen Textbuch, dass nichts, aber auch nichts mit dem wirklichen Leben zu tun hat. Man fühlt sich wie am untersten Qualitätsrand einer Daily Soap. Besonders schlimm: Famke Janssens Off-Kommentare, in dem sie den Film begleitend über die Liebe und das Leben schwadroniert. Pompöser Unsinn ist das, Sachen, die bedeutsam klingen sollen und doch nur lächerlich falsche Worthülsen sind, bedeutungs- und hirnlos wie diese Quasi-Abhandlung über "Love + Sex".

Man mag sich das kaum vorstellen, wie sie sich da vor den Geldgebern aufstellte, die gute Valerie Breiman - Regisseurin und Drehbuchautorin in Personalunion, und somit alleinschuldig in allen Anklagepunkten - und erzählte, was für eine großartige, romantische, geistreiche und witzige Geschichte sie zu erzählen hätte. Ohne den Kalauerfaktor unnötig hochtreiben zu wollen und selbst der Unwitzigkeit überführt zu werden: Aber, liebe Valerie, dieses Drehbuch und die Umsetzung desselben ist ja ganz schlimmer und dümmlicher Brei, Mann! Weswegen die Schauspieler noch die geringste Schuld an diesem Debakel haben. Zugegeben, Famke Janssen und Jon Favreau sind nicht gerade Katherine Hepburn und Spencer Tracy - und das werden sie auch nicht mehr werden. Aber dass diese von der darstellerischen Bandbreite ohnehin limitierten Schauspieler von einem katastrophalen Drehbuch derart vorgeführt werden, haben sie denn doch nicht verdient.

Das einzige, was man an diesem Projekt schon wieder halbwegs bewundern muß, ist die Dreistigkeit, mit der bei "Harry und Sally" abgekupfert wird. Freilich ohne auch nur einen einzigen Moment lang dessen Brillanz zu erreichen. Traurig stimmt einen allerdings, dass dieser Film als Independentproduktion alles falsch macht, was der Hollywoodmainstream schon massakriert hat. Wenn schon aus dem Independentlager nicht die innovativen Sachen kommen, woher denn dann? Aber auch als unabhängiger Filmemacher darf man ja mal voll danebengreifen. Nur nicht erwarten, daß sich jemand ein derart falsches und ärgerliches Ergebnis wie "Love + Sex" antut. 82 Minuten ohne einen Funken Wahrhaftigkeit oder Ehrlichkeit, geschweige denn Sinn und Verstand.

Simon Staake

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