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Lonely Hearts Killers

Lonely Hearts Killers
krimi-drama , usa 2006
original
lonely hearts
regie
todd robinson
drehbuch
todd robinson
cast
john travolta,
james gandolfini,
salma hayek,
jared leto, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
22. Februar 2007
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Unter all den (realen, nicht fiktiven) verrückten Serienkiller-Pärchen gehören sie sicherlich zu den berüchtigsten, die Lonely Hearts Killers. Die Masche von Raymond Fernandez und Krankenschwester Martha Beck, die sich als seine Schwester ausgab, war eigentlich eine ganz simple: Raymond antwortete auf Kontaktanzeigen von Kriegs-Witwen und sonstigen alleinstehenden Frauen, erzählte ihnen etwas von der großen Liebe und schaute dabei natürlich auf nichts anderes als ihren Geldbeutel, sofern vorhanden. Die rasend eifersüchtige Martha ermordete eines Tages eine dieser Frauen im Affekt und zog anschließend gemeinsam mit Raymond eine Blutspur durch ganz Amerika. Zwanzig Morde sollen die Beiden verübt haben, bevor sie 1951 auf dem elektrischen Stuhl landeten.

Bereits 1969 wurde diese Geschichte in "The Honeymoon Killers" von Leonard Kastle aufgegriffen und 1996 legte der Mexikaner Arturo Ripstein mit "Profundo carmesi" eine weitere Verarbeitung nach. Im Gegensatz zur aktuellen Verfilmung von Todd Robinson lag der Fokus in beiden Fällen auf den Tätern. Aus einem sehr nahe liegenden Grund werden nun erstmals die ermittelnden Polizisten stärker in die Handlung integriert: Robinson ist der Enkel des Mannes, der das mörderische Pärchen vor mehr als 50 Jahren zur Strecke gebracht hat.

Jener Elmer C. Robinson (John Travolta) hat im Jahre 1947 noch immer am scheinbar grundlosen Selbstmord seiner Frau zu knabbern. Sein neuester Fall kommt ihm da eventuell gerade recht: Eine Frau, die sich daheim in ihrer Badewanne das Leben genommen hat, weckt nicht nur Erinnerungen an seine eigene Vergangenheit, sondern vor allem Zweifel, ob dieser Fall so eindeutig ist, wie es den Anschein hat. Gemeinsam mit seinem Partner Charles Hildebrandt (James Gandolfini) nimmt Elmer die Ermittlungen auf und findet heraus, dass sämtliches Geld vom Konto der Verstorbenen verschwunden ist. Ein vermeintlicher Abschiedsbrief und vereinzelt auftauchende Zeugen führen die Cops allmählich auf die Spur des ehemaligen Gauner-Pärchens (Salma Hayek und Jared Leto), das mittlerweile über die Leichen einsamer Herzen geht. Doch immerhin sind sich Jäger und Gejagte in einem gleich: Sie teilen den Hang zur Obsession. Für die einen ist es das Töten, für den anderen das Aufklären eines Falls, um die tragische Vergangenheit besser verstehen und mit ihr abschließen zu können.

Man möchte fast meinen, dass es keine Person gibt, die für die Umsetzung dieses Stoffes besser geeignet ist als der gewissermaßen persönlich involvierte Todd Robinson, der die Ereignisse noch aus den zahlreichen Erzählungen seines Großvaters Elmer kennt. Dementsprechend schwer fällt es auch, etwas Schlechtes über diese Herzensangelegenheit zu schreiben, zumal die Stärken auf den ersten Blick deutlich überwiegen. Die Ausstattung ist top, die oftmals jazzige musikalische Untermalung stimmungsvoll, das 40er-Jahre-Feeling perfekt. Kameramann Peter Levy weiß die Protagonisten wirkungsvoll einzufangen und baut dabei auf sehr kontrastreiche, stark entsättigte Bilder. Dem reinen visuellen Genuss steht nichts im Wege.

Richtig schwer ins Gewicht fallen dafür die dramaturgischen Mängel. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man mit der Geschichte dieser Killer vertraut ist, denn bereits nach fünf Minuten erklärt Elmers Partner Charles als Stimme aus dem Off, dass es Martha und Raymond auf den elektrischen Stuhl geschafft haben. Auch wenn für alle Uninformierten nun vielleicht noch die Frage im Raum stehen mag, was genau die Beiden angestellt haben, besteht doch zumindest Klarheit, dass sie geschnappt werden und Elmer und diverse Kollegen heil aus der Sache heraus kommen.
Erwartungsgemäß spannungs- und überraschungsarm schleppt sich die Handlung fortan knapp zwei Stunden in bestenfalls gemächlichem Erzähltempo dahin und mündet in einem unspektakulären Finale. Das alles legt natürlich den Verdacht nahe, dass Robinson vor allem seine gebrochenen Charaktere ins Blickfeld rücken wollte, doch bleiben diese wiederum insgesamt zu eindimensional.
Die Schuld dafür ist sicher im Drehbuch zu suchen und nicht bei den Darstellern, die das Bestmögliche aus ihren Rollen herausholen. Scientologe John Travolta, der Mann mit dem sehr markanten Gesicht, ist zwar sichtbar älter und ordentlich beleibt geworden, hat die depressiven, von inneren Dämonen zerfressenen und irgendwie gutmütig und sympathisch herüberkommenden Charaktere aber immer noch drauf und mit James Gandolfini, unter anderem aus der Kult-Serie "Die Sopranos" bekannt, einen nahezu ebenbürtigen Partner an seiner Seite.
In der Besetzung der - man glaubt es kaum - mittlerweile 40-jährigen Salma Hayek als Martha Beck offenbart sich der einzige größere Ausbruch aus der Authentizität, auf die Robinson ansonsten viel Wert gelegt hat. Hier schimmern doch offensichtlich gewisse Casting-Kriterien durch: Die echte Martha Beck hat sich durch eine recht ordentliche Leibesfülle ausgezeichnet. Egal - Hayek liefert eine Performance ab, die sich sehen lassen kann, und meistert den Spagat zwischen Normalo und Wahnsinniger ziemlich gut. Ihr Filmpartner Jared Leto kann voll und ganz mithalten und liefert eine vielleicht sogar noch etwas differenziertere Vorstellung ab.

In einem um Authentizität bemühten Film holt Todd Robinson aus einer wahren Begebenheit für sich das Optimum heraus, ohne dass ihm dabei der große Wurf gelingt. Meisterwerke wie "Die üblichen Verdächtigen" haben zwar gezeigt, dass ein Film durch interessante Neben-Plots und überraschende Wendungen auch dann noch begeistern kann, wenn das vermeintliche Ende vorweg genommen wird, doch schlägt Robinson eben den sichereren Weg ein, was es zu respektieren gilt.
Eine handwerklich astreine, gut gespielte Crime-Story im 40er-Jahre-Look bekommt man geboten - nicht mehr, nicht weniger. Wer sich dafür interessiert, sollte eventuell die Originalfassung in Erwägung ziehen, da speziell in den emotionalen Momenten in der Synchronfassung scheinbar einiges an Atmosphäre verloren gegangen ist.

René Loch

8

fand ich einen klasse film. durchaus auch fesselnd.
salma hayek ist mir persönlich einfach zu klein und zu viereckig ;-), hat ihre rolle aber toll gespielt.
insgesamt überzeugend!

gruß aus berlin
++

4

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