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Little Children

Little Children
drama , usa 2006
original
little children
regie
todd field
drehbuch
todd field
cast
kate winslet,
patrick wilson,
jackie earle haley,
jennifer connelly,
noah emmerich, u.a.
spielzeit
130 Minuten
kinostart
26. April 2007
homepage
http://www.littlechildren.de/
bewertung

9 von 10 Augen

Im Jahr 2001 debütierte Regisseur und Autor Todd Field mit "In the Bedroom", dem besten Independent-Film seines Jahrgangs, und demonstrierte darin ein beeindruckendes Einfühlungsvermögen, ein Talent, die Dramatik im Alltäglichen zu finden und die Handlungen ganz normaler Leute von Nebenan als Äußerungen einer hochspannenden Psychologie zu offenbaren. "In the Bedroom" war ein leiser Film der unausgesprochenen Worte, aber dennoch über zwei Stunden packender als die meisten Thriller. Es ist schade, dass es fünf Jahre gedauert hat, bis Field endlich sein Nachfolgewerk fertig hatte. Es ist für jeden Cineasten umso erfreulicher, dass "Little Children" seinem Vorgänger in nichts nachsteht.

Dass es nicht ganz einfach zu beschreiben ist, worum es in "Little Children" eigentlich geht, illustriert schon der offizielle Pressetext zum Film, der zum Inhalt nicht mehr sagt als dies: "'Little Children' handelt von einer Handvoll Menschen, deren Leben sich auf den Spielplätzen, Schwimmbädern und Straßen ihrer kleinen Gemeinde auf überraschende und möglicherweise gefährliche Art kreuzen." Machen wir es mal ein wenig konkreter: Erste Hauptfigur des Films ist die junge Mutter Sarah Pierce (Kate Winslet), die sich nach einem Literaturstudium von Ehe und Kind einfangen ließ und nun dem leisen Schrecken entgegen blickt, in ihrer ruhigen Vorort-Siedlung zu solch einem kleingeistigen, durchorganisierten Muttertier zu werden wie die anderen Hausfrauen, die sie täglich auf dem Spielplatz trifft. Wäre da nicht der attraktive Hausmann Brad Adamson (Patrick Wilson, "Hard Candy"), ebenfalls Stammgast mit Kind auf dem Spielplatz, der von den anderen Frauen nur aus der Ferne angehimmelt wird. Als Sarah aus einer Trotzreaktion heraus auf Brad zugeht, überschreitet sie in den Augen der anderen Mamis eine soziale Grenze, für sie bedeutet die entstehende Freundschaft mit den täglichen Treffen auf dem Spielplatz und im Schwimmbad jedoch neuen Schwung in ihrem Leben - und den stillen Nervenkitzel, mit dem Verbotenen zu flirten.

Der Ehebruch liegt hier von Beginn an in der Luft, und als er passiert, kann man weder Sarah noch Brad wirklich böse sein. Ihre jeweiligen Ehen sind Herde der Frustration: Brad hütet nach einem Jura-Studium, aber ohne Anwaltszulassung Haus und Kind für seine Frau (Jennifer Connelly), eine erfolgreiche Dokumentarfilmerin, die in ihrer knappen Freizeit dem gemeinsamen Sohn mehr Liebe und Zuneigung schenkt als ihrem Gatten. Sarah ist mit einem langweiligen Schlipsträger verheiratet, der zum Onanieren Internet-Pornoseiten besucht.
Die Vorstellung dieser Vorort-Hölle fällt flott und sehr amüsant aus, in der ersten halben Stunde von "Little Children" gibt es viel zu lachen, sei es über die mütterlichen Spielplatz-Rituale oder über die Szene, als Sarah ihren Gatten beim Wichsen erwischt. Die unterschwellige Komik wird dabei unterstützt von den gelegentlichen Kommentaren eines Off-Erzählers, dessen wortgewandter, unterschwelliger Witz das Geschehen nicht nur in die richtige Perspektive rückt, sondern auch als zarter Verweis auf die Wurzeln des Films dient. "Little Children" ist eine Romanadaption, die Todd Field gemeinsam mit dem Autor der Vorlage, Tom Perrotta, erarbeitet hat, wobei sie sich zwar zum Teil signifikant vom Buch entfernt haben, gleichzeitig jedoch die Charakteristik und Erzähldynamik eines Romans vorbildlich auf die Leinwand übertrugen. "Little Children" ist kurzum der Roman-artigste Film, den es seit langem zu sehen gab, und das ist durchweg positiv gemeint: Obwohl genau genommen nicht sehr viel passiert, sind die Charaktere so fein beobachtet und die Dramatik so behutsam aufgebaut, dass man über 130 Minuten das Geschehen durchgehend gebannt und gefesselt verfolgt.

Das liegt nicht zuletzt an einem omnipräsenten Gefühl der Vorahnung, ein Unwohlsein, das selbst während des amüsanten Anfangs in jeder Ecke lauert, und sich in der Person von Ronnie McGorvey (Jackie Earle Haley) manifestiert. Ronnie saß zwei Jahre im Gefängnis für Entblößung vor einer Minderjährigen, und versteckt sich nun im Haus seiner Mutter (Phyllis Somerville) vor der durch den Ex-Polizisten Larry (Noah Emmerich, Jim Carreys bester Freund aus der "Truman Show") aufgewiegelten Öffentlichkeit. Während Larry mit einer Hetzkampagne Ronnie als gefährlichen Triebtäter und Gefahr für die Kinder der Nachbarschaft hinstellt, ist Ronnies Mutter beharrlich darum bemüht, ihren Sohn zu einem neuen, unbescholtenen Leben zu animieren.
Man ahnt, dass das nicht funktionieren wird, nicht zuletzt dank des meisterhaften Schauspiels von Jackie Earle Haley, der Ronnie als Gefangenen seiner eigenen Triebe zeigt und es trotzdem schafft, ihm Menschlichkeit zu verleihen. Die Würdigung mit einer Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller war mehr als angebracht, die im Übrigen auch Noah Emmerich verdient gehabt hätte. Und dass Kate Winslet für ihre Vorstellung hier vollkommen berechtigt bereits ihre fünfte Oscar-Nominierung erhielt, unterstreicht nur nochmals, dass sie wohl die weltbeste Schauspielerin unter 30 ist.
Zur Beruhigung aller potentiellen Zuschauer sei an dieser Stelle übrigens verraten, dass es nicht zu dem kommt, was man angesichts des Filmtitels, der bedrohlichen Stimmung und Ronnies Sexualtrieb eventuell vermutet - und deswegen diesen Film fälschlicherweise meidet. Es geht hier nicht um Kindesmissbrauch (Ronnie ist Exhibitionist, kein Vergewaltiger), und es wird auch nichts in der Art geschehen.
Und auch wenn der Filmtitel zunächst auf die kleinen Kinder verweist, die das Leben der Hauptcharaktere als ihre Schutzbefohlenen bestimmen, so wird im Verlauf des Films doch langsam klar, dass der Titel sich ebenso sehr (wenn nicht sogar vor allem) auf die Erwachsenen bezieht. Wenn die Erzählung nach und nach die Schichten der Persönlichkeiten von Sarah und Brad abschält und die Motivation ihrer Handlungen immer mehr aus dem Licht der Sympathie herausrückt, erkennt man schließlich, dass die beiden eben nicht zwei Gefangene ihrer Lebensumstände (und somit quasi verständliche Ehebrecher) sind, sondern schlicht trotzige Kinder, die den Schritt aus ihren vermeintlichen Träumen hinein ins verantwortungsvolle Erwachsenen-Dasein nicht machen wollten und sich in die Rolle des Kinderhüters flüchteten, um weiterhin ihren jugendlichen Träumen nachhängen und die Schuld für deren Nicht-Erfüllung bei jemand anders suchen zu können.

Solche wirklichkeitsgetreue Feinheiten in der Zeichnung von Figuren findet man für gewöhnlich nicht im Kino, weil die meisten (Hollywood-)Filme es nicht einmal versuchen; stattdessen belassen sie ihre Charaktere in vorgezeichneten und für die beabsichtigte Geschichte nützlichen Rollenfunktionen. Darum wohl auch das nach wie vor gängige Vorurteil, dass die Erzeugung tiefgründiger und komplexer (und darum faszinierender) Figuren, die eine Geschichte durch sich allein tragen können und keinen spektakulären Plot brauchen, der Romanwelt vorbehalten und für einen Film nicht möglich ist.
"Little Children" beweist (wie es auch schon "In the Bedroom" getan hat), dass das nicht stimmt. Ohne plakative Schockmomente und Plotwendungen, dafür mit herausragend konstruierten Figuren, durch die Bank großartigen Darstellern und einer atemberaubend brillanten Inszenierung fesselt der Film sein Publikum über zwei Stunden in den Kinosessel und setzt sich auch danach so nachhaltig im Kopf fest, wie es sonst eigentlich nur ein wirklich guter Roman schafft. Es gibt solche Filme nicht oft, leider sogar viel zu selten. Umso mehr ist zu hoffen, dass Todd Field nicht wieder fünf Jahre braucht, bis er den nächsten fertig hat.

Frank-Michael Helmke

kate winslet ist toll, aber nicht unter 30

Eigentlich soll man ja hier keine Vorschusslorbeeren verteilen... aber 'In the Bedroom' hat mich damals tief beeindruckt - sicherlich einer der traurigsten Filme, die ich kenne (Breaking the Waves mal ausgenommen), aber auch einer der besten.
Insofern ist dieser ein 'must'.

4

amerikanischer mist!! mist!! mist!! 2 punkte für die schauspieler 2 punkte für die kamera . berufsverbot für den drehbuchautor . fragende blicke an die regie.

9

Was ist denn mit "Priscilla" los. Dieser Film ist ein Meisterwerk-
Die Schlussszene ist das Beste, was ich seit langem im Kino gesehen habe. Und das endlich mal Madame Bovary Figur adaptiert wird, denn nichts anderes ist Sarah Pierce ist einfach wunderbar. "Little Children" ist richtig gutes Kino.

10

toller film - gelungen kameraarbeit und interessante thematische auseinandersetzung mit gesellschaftlichen inhalten die heutzutage leider pseudoliberal verwässert oder plump-populistisch abgehandelt werden - ich mag den film...
...und patrick wilson
...
:)

9

Ein aussergewöhnlicher Film - aussergewöhnlich erzählt, gefilmt und trotzdem aussergewöhnlich glaubhaft!
'In the Bedroom' war gradliniger, emotionaler als 'Little Children', während dieser spielerischer, fragmentarischer ist. Das erinnert an ähnliche Filme wie Todd Solondz' 'Happiness', die ebenfalls ein Panoptikum der vermeintlich normalen (amerikanischen) Menschen aufzeigen und wo das Grauen immer ein soziales Grauen ist, das dicht unter dieser normalen Oberfläche liegt.
Das schöne an 'Little Children' ist, dass trotz mancher filmischer Verfremdungen (Off-Erzähler, das Football-Spiel) - und einer tollen visuellen Ästhetik, die ein wenig an 'Americann Beauty' erinnert - alles glaubwürdig bleibt. Und auch die zentrale Affäre ist immer glaubwürdig.
Fazit: Ein toller Film, der durchaus ungewöhnliche Aspekte hat.

8

War ganz in Ordnung. Wirklich ein guter Film. Díe Affäre der beiden in dem Film war auch glaubwürdig gespielt, ausserordentlicher Film. Aber diese filmische Verfremdungungen wie Football usw. haben manchmal etwas abgelenkt...... ansonsonsten gut.

7

gut geschauspielert, story in ordnung...

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