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Legend

Legend
action-krimi , großbritannien/frankreich 2015
original
legend
regie
brian helgeland
drehbuch
brian helgeland
cast
tom hardy,
emily browning,
christopher ecclestone,
paul anderson, u.a.
spielzeit
130 Minuten
kinostart
5. Januar 2016
homepage
http://www.legend-derfilm.de
bewertung

7 von 10 Augen

legend 1Im London der 60er Jahre haben sich die beiden Kray-Brüder Reggie und Ronnie (beide: Tom Hardy) mit Cleverness und Brutalität die kriminelle Vorherrschaft gesichert. Von den korrupten Behörden weitgehend unbehelligt, ist es vor allem die Strategie des attraktiven und charmanten Reggie, welche den Krays zum Erfolg in ihrem „Geschäftsfeld“ verhilft. Der überhaupt nur mit Erpressung aus staatlicher Haft befreite Ronnie ist dagegen ein unkontrollierbarer Unruheherd, psychisch gestört, stets gewaltbereit und absolut unberechenbar. Wenn überhaupt jemand diese offensichtliche Gefahr für seine Umwelt halbwegs in Zaum halten kann, dann ist das Reggie, der sich auch nicht vor der Verantwortung gegenüber seinem Bruder drückt. Doch Reggies Pläne – nicht zuletzt aus Rücksicht auf seine geliebte Frau Frances (Emily Browning) – mit Hilfe der Las Vegas-Mafia sein Imperium auf solide und vor allem ruhigere Füße zu stellen, wird immer wieder von den Aktionen Ronnies torpediert, der jegliche Probleme weiterhin einfach mit Gewalt löst und damit unaufhaltsam in Richtung Katastrophe steuert.
 

legend 2Tom Hardy ist zweifellos so etwas wie der Schauspieler der Stunde. Hardy, der zu Beginn seiner Karriere noch als schmächtiger Klon von Captain Picard in dem Film agieren durfte, der das vorläufige Ende der Marke „Star Trek“ einläutete, verschwand daraufhin erst mal für einige Jahre von der großen Bildfläche, um dann – nicht zuletzt in mehreren Filmen von Christopher Nolan - mit Wucht zurückzukehren. Zur Zeit hört man öfter mal den Satz „Dieser Tom Hardy kann alles spielen“ und das tut er dann aktuell auch, war der mittlerweile bullige Mime doch zuletzt nicht nur im (laut kollektiver Filmszene-Redaktionsmeinung) besten Film des letzten Jahres als „Mad Max“ zu sehen, sondern auch noch als russischer Ermittler in „Kind 44“. In seiner Filmographie befinden sich außerdem herausragende Leistungen in „Warrior“ oder „Bronson“ und fast zeitgleich mit „Legend“ begegnet er uns aktuell auch noch als Gegenspieler von Leonardo DiCaprio in „The Revenant“. Weil all das aber offenbar immer noch nicht reicht, übernimmt Hardy jetzt im Film über die tatsächlich in den 60er Jahren die Londoner Unterwelt beherrschenden Kray-Brüder einfach gleich beide Rollen.

legend 3Und wie er das macht ist erneut beeindruckend und auch ganz eindeutig der besondere Clou von „Legend“, für den der sonst vor allem als gefragter Drehbuchautor („Mystic River“, „Robin Hood“) bekannte Brian Helgeland mal wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm. Weniger tricktechnisch gesehen, denn da ist man von der Perfektion, mit der so eine Doppelrolle umgesetzt wird, ja kaum noch zu überraschen, selbst wenn sich Hardy hier irgendwann minutenlang mit sich selbst prügelt. Aber mit welch (scheinbarer) Leichtigkeit der Schauspieler diese zwei so grundverschiedenen Charaktere verkörpert und sie dabei in jedem Moment nicht nur durch Äußerlichkeiten erkenn- und unterscheidbar macht, das ist schon herausragende Arbeit.

Dabei ist natürlich der psychisch gestörte Ronnie im Vergleich zum eher „normalen“ Reggie die ergiebigere und dankbarere Rolle. Deren Möglichkeiten Hardy auch voll ausschöpft, wenn er etwa stark mit seiner Stimme arbeitet, dem stets derangiert wirkenden Ronnie damit latente Gefährlichkeit verleiht, ohne ihn dabei aber als reinen Unsympathen erscheinen zu lassen. Denn dieser Mann besitzt ja auf seine ganz eigene Art durchaus Prinzipien und ist im Prinzip auch überhaupt nicht als „schuldfähig" anzusehen – man hätte ihn halt bloß nie mehr auf den Rest der Gesellschaft loslassen dürfen.

legend 4Diese Gesellschaft der englischen Unterwelt in den Zeiten von zuerst Rock’n Roll und später Beat-Musik wird in stilvollen und akkuraten Bildern serviert, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass man sich ansonsten bei der Erzählung nicht gerade wenige Freiheiten genommen und die historischen Fakten lediglich als Basis für eine ziemlich wilde und mit lakonischem Humor durchsetzte Räuberpistole benutzt hat. Da kann man gar nicht anders als sich auf die Seite der verrückten Brüder zu stellen und sich fast diebisch mit ihnen zu freuen, wenn sie die genauso dämliche wie korrupte Polizei mal wieder vorführen. Der große Humoranteil verleiht der Geschichte phasenweise eine Leichtigkeit, die mit den realen Vorbildern vermutlich wenig zu tun hat – jedenfalls immer so lange, bis bei Reggie dann im Kopf wieder irgendwas aushakt. Daran, dass dies die große Tom Hardy-Show ist, kann auch die Entscheidung, die Handlung von Reggies Frau Frances erzählen zu lassen, nichts ändern, diese dritte Perspektive zu wählen und somit nicht einen der beiden Brüder zu bevorzugen ist dennoch eine nachvollziehbare Entscheidung.

legend 5„Legend“ ist nicht der erste Kinofilm über die Krays, denn 1990 gab es schon einmal eine Umsetzung, in welcher die Brüder Gary und Martin Kemp (im Hauptberuf eigentlich Gitarrist und Sänger der Band „Spandau Ballet“) sich an den Brüdern versuchen durften. Der schlicht „Die Krays“ betitelte Film bot eine deutlich ernsthaftere und seriösere Abhandlung des gleichen Stoffes, aber „Legend“ ist zweifelsohne die Version, die mit wesentlich mehr Wucht daherkommt und deutlich mehr Spaß macht – nicht nur, aber doch hauptsächlich dank Tom Hardy.

Volker Robrahn

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