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Lebenslänglich

Lebenslänglich
tragikomödie , usa 1999
original
life
regie
ted demme
drehbuch
matthew stone, robert ramsey
cast
eddie murphy,
martin lawrence,
ned beatty,
lisa nicole carson, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
1. Juni 2000
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Was waren das für Zeiten, damals Mitte der achtziger Jahre. Jeder neue Eddie Murphy-Film, der auf Video erschien, garantierte eine Menge Spaß und durch mehrmaliges Ansehen reichlich neue Zitate von unserem „Kultkomiker“. Ich spreche hier von Klassikern wie „Nur 48 Stunden“ , „Die Glücksritter“, „Beverly Hills Cop“ und mit Abstrichen auch noch „Der Prinz von Zamunda“ und „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“.
Danach folgte ein totaler Absturz („Harlem Nights“, „Vampire in Brooklyn“) und mühevolle Comebackversuche („Boomerang“, „Ein ehrenwerter Gentleman“). Und heute? Heute ist Herr Murphy kommerziell gesehen erfolgreicher denn je, denn familienfreundliche, harmlose Komödien wie „Der verrückte Professor“ oder „Dr. Doolittle“ erreichen ein Millionenpublikum.
Dem Fan des „alten“ Eddie Murphy geben diese Werke allerdings wenig, im Gegenteil, er ist eher genervt. Die Vorfreude hält sich also in Grenzen, wenn man jetzt „Lebenslänglich“ vorgesetzt bekommt. Aber irgendwie hofft man ja doch immer auf einen neuen „großen Wurf“.

Das ist „Lebenslänglich“ sicher nicht. Aber auch kein totaler Reinfall, sondern irgendwo dazwischen. Die Handlung ist schnell wiedergegeben: Der Kleinganove Ray (Eddie Murphy) und der eigentlich gesetzestreue, aber abgebrannte Buchhalter Claude (Martin Lawrence) lernen sich unter reichlich konstruierten Umständen kennen, müssen mehr oder weniger gezwungenermaßen einen Schmuggelauftrag gemeinsam abwickeln, geraten dabei ins Visier eines korrupten und rassistischen Kleinstadtsheriffs und werden unschuldig wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Claude wird Ray ewig die Schuld dafür geben und sowieso können sich die beiden ja grundsätzlich nicht ausstehen. Können sie natürlich doch, und die jahrelangen Sticheleien und Hahnenkämpfe zwischen den beiden verdecken nur die Tatsache, daß sie ohne den jeweils anderen gar nicht mehr auskommen könnten. 
Im Prinzip hat der Film ab der Verurteilung der beiden Protagonisten gar keine wirkliche Handlung mehr, sondern wird zu einer Aneinanderreihung einzelner Episoden aus dem Gefängnisalltag. Im Knast gibt es die übliche Mischung aus fiesen Aufsehern und gutherzigen Direktoren (Ned Beatty), sowie gewohnt schräge und skurrile Mitgefangene, die eigentlich alle viel zu nett sind, um als verurteilte Massenmörder durchzugehen. Aber so liebenswert und gemütlich diese Knastgemeinschaft auch ist, unsere beiden Helden versuchen trotzdem ständig, die Flucht zu ergreifen. Allerdings ohne den geringsten Erfolg. Und so wird die „Welcome back“-Begrüßung durch die Knastbrüder schnell zur Routine. Diese Geschichte erzählt der Film über eine Zeitspanne von 65 Jahren (von 1932 bis heute) und wird damit seinem Titel durchaus gerecht.

Lebenslänglich“ ist ein zwiespältiger Film. Die Einführungsgeschichte ist mit rund 30 Minuten viel zu lang und völlig unkomisch. Sie soll es aber sein, und deshalb ist der Zuschauer versucht, frühzeitig zu gehen. Als Ray und Claude dann aber endlich im Gefängnis ankommen, beginnt der Spaß und der Film wird kurzweilig und unterhaltsam.
Nur ist es ja eigentlich nicht komisch, ein ganzes Leben unschuldig im Knast zu verbringen Dem trägt der Film ausreichend Rechnung, indem immer wieder ernste und melancholische Momente eingeflochten werden („Unschuldig? Den Gag erzählen mir doch alle hier“ – „Verzeihen Sie, daß ich nicht lache, Sir!“). Während der Trailer zum Film eine unbeschwerte Kömodie vorgaukelt, ist das finale Werk eine etwas unbefriedigende Mischung, da die heiteren und ernsten Teile sich nicht wirklich stimmig zusammenfügen.

Daß Eddie Murphy hier einen gleichwertigen Partner zuläßt ist ungewöhnlich, aber gut. Martin Lawrence („Der Diamanten-Cop“) spielt keineswegs nur die zweite Geige und läßt das Dauergequassel von Murphy erträglicher ausfallen, als wenn dieser den ganzen Film mal wieder als Egotrip nutzen würde. Die Zeitsprünge der im Rückblick erzählten Geschichte lassen natürlich viel Raum für die Arbeit der Maskenbildner beim Alterungsprozeß der Figuren. Dazu kommt ein hübsches Setting der dreißiger Jahre, das einem über den zähen Beginn hinweghilft.
Das Fazit? „Lebenslänglich“ ist zumindest keiner der geglätteten Familienfilme aus Murphys jüngster Vergangenheit. Die Klasse seiner Frühwerke erreicht er allerdings auch nicht; dafür ist er zu unausgegoren, obwohl er in Ansätzen wirklich wie eine kleine, dreckige Komödie aus besseren Zeiten wirkt. Und damit ist man heutzutage ja schon fast zufrieden.

Volker Robrahn

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