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Le Mac - Doppelt knallt's besser

Le Mac - Doppelt knallt's besser
gauner-komödie , frankreich 2010
original
le mac
regie
pascal bourdiaux
drehbuch
vincent lambert, thomas langmann
cast
gilbert melki,
josé garcia,
arsène mosca,
jo prestia, u.a.
spielzeit
87 Minuten
kinostart
21. April 2011
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Es ist eine immer wieder beliebte und gern genommene Geschichte für Actionkomödien: Ein Gangster/Agent/Sonstwie-wichtig-und-in-irgendwas-verwickelt wird getötet oder verschwindet und eine wichtige Mission hängt davon ab, dass sein unbeteiligter/unschuldiger/unwissender Zwillingsbruder die Rolle des Bruders einnimmt und auf einmal spannende Abenteuer erlebt. Das haben wir eigentlich schon in allen Varianten erlebt - vor ein paar Jahren versuchte sich Hollywood in "Bad Company" nochmal daran und auch "Avatar" setzte auf dieses Konstrukt auf - und man darf sich fragen: Warum präsentiert man uns im Jahr 2011 nochmals so eine Schote, und dann auch noch aus französischen Landen?
Und da sind wir eigentlich schon beim Knackpunkt. Denn in Frankreich ist man in vielerlei Hinsicht in den 80ern hängengeblieben. Hier gibt's im Fernsehen noch große Varietéshows am Samstagabend mit Wein, Weib und Gesang und das Mainstreamkino ist oft nicht sonderlich subtiler oder moderner als zu der Zeit, in der noch Jean-Paul Belmondo Bösewichte zu Kanonschlägen auf der Synchronspur verdrosch. Und daher nun also auch das Quasi-Retro-Abenteuer "Le Mac", bei dem man sich eigentlich nur wundert, dass dieser Film es zu uns in die Kinos geschafft hat.

Warum gerade "Le Mac"? Vielleicht ist ja jemand bei der Verleihfirma Jose Garcia-Fan. Dieser hierzulande so gut wie unbekannte Schauspieler darf gleich doppelt auftreten, als der im Titel angesprochene Macker sowie als sein unbedarfter Zwillingsbruder. Ersterer nennt sich Ace und ist Zuhälter im Gangstermilieu von Marseille, letzterer hat den sehr viel normaleren Namen Gilbert Chappelle und ist pedantischer Banker in Paris. Als Ace spurlos verschwindet und für tot gehalten wird, wird Chapelle von einem Polizistenduo (Alain Fromager & Laurent Bateau) mit sanfter Gewalt dazu gebracht, sich für seinen Bruder auszugeben. Ein Styling und Training im harten Gangstergehabe später, und Gilbert soll als Ace einen großen Drogendeal seines Bosses Tiago (Gilbert Melki) auffliegen lassen. Aber Gilbert als Ace muss feststellen, dass das süße Gangsterleben zwischen Stripperinnen und Geldeintreiben gar nicht so einfach ist, besonders wenn man mit zwei Handlagern (oft herrlich blöd: Arsène Mosca und Jo Prestia) gesegnet ist, die nicht unbedingt die hellsten Sterne am Firmament sind. Da hat der echte Gilbert als falscher Macker noch einiges zu tun...

"Le Mac" lebt von seinen lustigen kleinen Momenten: Wie Chapelle noch vor seiner Transformation grässlich "Voyage, Voyage" von Desireless mitsingt, das Aufeinandertreffen mit Aces Pitbull oder wie er (in Absprache mit der Polizei) einen Spitzel beseitigen will und dabei konstant den falschen Mann ins Visier nimmt. Da werden schon ganz zarte Erinnerungen an Pierre Richard und seine legendären 80er Jahre-Klamotten wach. Eine der besten und lustigsten Szenen ist eindeutig der Cameo-Auftritt von Fußballer Sylvain Wiltord als er selbst, der von Ace dazu überredet werden soll, bei Arsenal zu unterschreiben. Wie Ace und seine bratzigen Helfer ihn dazu bringen und Wiltords herrlich weinerliches Spiel sorgen für einen der unbestrittenen Höhepunkte von "Le Mac". Auf der negativen Seite dieses harmlosen Filmspaßes finden sich einige kleine Hänger, besonders am Ende. Da muss man eben alles auflösen und obligate Showdowns haben, weswegen der Film dort nicht mehr ganz so ulkig ist wie zuvor.

Wie gesagt, dass ausgerechnet dieser kleine, anders etwa als Besson-Produktionen nicht zwangsläufig auf internationale Kinoauswertung ausgelegte Film es in unsere Kinos geschafft hat, verwundert - und erfreut. Denn es macht halt einfach Laune, so eine altmodische, unbedarfte Gangsterkomödie zu sehen, abseits der hoch gezüchteten Marketingmonster aus Hollywood. Natürlich sollte man seine Erwartungen hier im Zaum halten, mehr als über knapp anderthalb Stunden launig zu unterhalten will und kann der Film nicht. Dieses moderate Ziel erreicht er aber ganz gut und so kann "Le Mac" mit Retro-Charme und französischem Filoudasein punkten. Diesem Macker darf man gerne ein bisschen Zeit schenken.

Simon Staake

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