1994
gründeten die Regisseure Wolfgang Becker ("Das Leben ist
eine Baustelle", "Goodbye,
Lenin!"), Dani Levy ("Väter")
und Tom Tykwer ("Lola rennt", "Der
Krieger und die Kaiserin") zusammen mit dem Produzenten
Stefan Arndt die Produktionsfirma X Filme, um einer simplen Mission
nachzugehen: Durch die Verzahnung sämtlicher kreativer und
produktiver Kräfte einfach bessere Filme zu machen, auf dem
gesamten Spektrum von anspruchsvollem und populärem Kino. Fast
im Alleingang hat X Filme seitdem das deutsche Kino international
wieder salonfähig gemacht, gleichzeitig Kino-Kleinode wie den
mexikanischen "Amores Perros"
erfolgreich nach Deutschland importiert und vielversprechende nationale
Projekte wie die Dokumentation "Black Box BRD" oder die
hervorragende Romanverfilmung "Liegen
lernen" gefördert. Dass das X-Verleihlogo auf dem
Filmplakat für deutsche Filme fast schon einem geprüften
Qualitätssiegel gleich kommt, beweisen die umtriebigen Berliner
ein weiteres Mal mit "Lautlos", dem Spielfilm-Debüt
des Nachwuchsregisseurs Mennan Yapo, und ein Thriller von großem
Format, der keinen internationalen Vergleich scheuen muss.
Beachtlich
ist "Lautlos" schon allein dadurch, weil er sich als konsequent
stilisierter Genre-Film deutlich von der gewohnten Filmkost aus
deutschen Landen absetzt und so gekonnt gängige Vorurteile
gegen das heimische Kino umschifft. Seine Geschichte vom verschlossenen
Profikiller Victor (Joachim Król), der sich bei einem seiner
Aufträge in ein potentielles Opfer (Nadja Uhl) verliebt, und
verfolgt von einem kühl kalkulierenden Polizei-Profiler (Christian
Berkel) auf der einen und einem misstrauisch gewordenen Ex-Auftraggeber
auf der anderen Seite sowohl seine nackte Haut als auch seine neue
Liebe zu retten versucht, wirkt nicht gerade wie deutscher Einheitsbrei.
Ganz im Gegenteil: Mit extrabreitem Cinemascope-Format, massivem
Einsatz von Tele-Objektiven, die gezielt bestimmte Bildelemente
hervorheben, und einem stimmungsvollen Soundtrack setzte Regisseur
Yapo auf Standard-Werkzeuge groß angelegter Kino-Unterhaltung
und macht keine Kompromisse in Richtung Fernsehen, für das
fast jeder
deutsche
Film im Hinterkopf mitproduziert wird, um den Absatz zu sichern:
"Lautlos" schreit nach der großen Leinwand, und
weiß sie beeindruckender und effektiver zu nutzen als die
meisten nationalen Produktionen aus jüngerer Erinnerung. Statt
des handelsüblichen braven Realismus deutscher Filme setzt
Yapo seinem Genre entsprechend auf eine stilisierte Inszenierung,
steigert durch die konkrete Intensivierung akustischer und optischer
Sinneseindrücke die Wirkung auf den Zuschauer und reißt
das Publikum so schon nach wenigen Minuten mit.
Die packende Atmosphäre und der perfekt konstruierte Spannungsaufbau
wären indes nur die halbe Miete ohne die Talente des fulminanten
Hauptdarsteller-Trios, denn "Lautlos" ist ebenso sehr
spannender Thriller wie intensives Psychogramm seiner zentralen
Figuren. Das Skript von Lars-Olav Beier (hauptberuflich eigentlich
renommierter Filmkritiker beim "Spiegel" und diversen
Fachmagazinen) bietet mit seinen reduzierten,
manchmal
fast abgehackt wirkenden Dialogen nur ein grobes Schema, welches
Regisseur und Schauspieler kongenial mit Inhalt füllen: "Lautlos"
spricht mit Bildern, nicht mit Worten. Christian Berkel hat als
Polizei-Profiler noch den meisten Text, weil über seine Figur
dem Publikum auch Hintergründe und Details der Auftragsmorde
von Victor vermittelt werden. Die komplexe Beziehung zwischen Victor
und der von ihm verschonten/geretteten Nina hingegen entsteht fast
wortlos, die Dialoge sprechen oft nur noch aus, was die beiden absolut
brillant agierenden Darsteller schon lange mit ihrer feinfühligen
Gestik transportiert haben. Geradezu unglaublich ist dabei die Metamorphose
von Charakter-Darsteller Joachim Król ("Der
bewegte
Mann", "Zugvögel"):
Der unterzog sich zur Vorbereitung auf die Rolle einem sechsmonatigen
Trainingsprogramm und präsentiert sich hier als körperlich
dermaßen fit und drahtig, dass man ihn kaum wieder erkennt
und fast schon mit Heino Ferch verwechseln möchte. Wo dessen
Killer-Portrait im gänzlich missglückten "Straight
Shooter" vor ein paar Jahren aber in die Hose ging, kann
Król dem Stereotyp des schweigsamen Auftragsmörders
eine ganz eigene Note hinzufügen. Aus einer Handvoll Figuren-Klischees
konstruiert "Lautlos" so eine Konstellation an psychologisch
tief ausgeleuchteten Charakteren, die in ihren besten Momenten selbst
den Vergleich mit Genre-Giganten wie Luc Bessons "Leon, der
Profi" oder Michael Manns "Heat" nicht zu scheuen
braucht.
Hoch spannend bis zur letzten Minute und frei von allem, was die ewigen Nörgler dem deutschen Kino gerne an schlechten Eigenschaften andichten, erweist sich "Lautlos" als durch und durch bemerkenswerter Genre-Film, der auf allen Ebenen wahrlich internationale Klasse beweist. Mit Mennan Yapo scheint hier - nach Oliver Hirschbiegl ("Das Experiment") - die nächste große deutsche Regiehoffnung reüssiert zu haben. Solch einen sicheren und wirkungsvollen Umgang mit den Stilmitteln des modernen Unterhaltungskinos findet man jedenfalls nicht alle Tage. Weder auf deutschem, noch auf internationalem Parkett. Hollywood, horch auf!

Für einen deutschen Thriller ist "Lautlos" ganz gut gelungen, aber ihn gleich mit "Leon", einer meiner Lieblingsfilme zu vergleichen, ist zuviel des Guten.
Die Story hat mich nicht überzeugt und die wenigen guten Ideen hab ich woanders schon besser gesehen. Die Schauspielerleistungen überzeugten mich auch nicht. Einzig die Filmmusik fand ich o.k.
Deshalb nur 6 Augen von mir.
mfg
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