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Lautlos

Lautlos
liebes-thriller , brd 2004
original
lautlos
regie
mennan yapo
drehbuch
lars-olav beier
cast
joachim krol,
nadja uhl,
christian berkel,
peter fitz, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
29. April 2004
homepage
bewertung

9 von 10 Augen

 1994 gründeten die Regisseure Wolfgang Becker ("Das Leben ist eine Baustelle", "Goodbye, Lenin!"), Dani Levy ("Väter") und Tom Tykwer ("Lola rennt", "Der Krieger und die Kaiserin") zusammen mit dem Produzenten Stefan Arndt die Produktionsfirma X Filme, um einer simplen Mission nachzugehen: Durch die Verzahnung sämtlicher kreativer und produktiver Kräfte einfach bessere Filme zu machen, auf dem gesamten Spektrum von anspruchsvollem und populärem Kino. Fast im Alleingang hat X Filme seitdem das deutsche Kino international wieder salonfähig gemacht, gleichzeitig Kino-Kleinode wie den mexikanischen "Amores Perros" erfolgreich nach Deutschland importiert und vielversprechende nationale Projekte wie die Dokumentation "Black Box BRD" oder die hervorragende Romanverfilmung "Liegen lernen" gefördert. Dass das X-Verleihlogo auf dem Filmplakat für deutsche Filme fast schon einem geprüften Qualitätssiegel gleich kommt, beweisen die umtriebigen Berliner ein weiteres Mal mit "Lautlos", dem Spielfilm-Debüt des Nachwuchsregisseurs Mennan Yapo, und ein Thriller von großem Format, der keinen internationalen Vergleich scheuen muss.

Beachtlich ist "Lautlos" schon allein dadurch, weil er sich als konsequent stilisierter Genre-Film deutlich von der gewohnten Filmkost aus deutschen Landen absetzt und so gekonnt gängige Vorurteile gegen das heimische Kino umschifft. Seine Geschichte vom verschlossenen Profikiller Victor (Joachim Król), der sich bei einem seiner Aufträge in ein potentielles Opfer (Nadja Uhl) verliebt, und verfolgt von einem kühl kalkulierenden Polizei-Profiler (Christian Berkel) auf der einen und einem misstrauisch gewordenen Ex-Auftraggeber auf der anderen Seite sowohl seine nackte Haut als auch seine neue Liebe zu retten versucht, wirkt nicht gerade wie deutscher Einheitsbrei. Ganz im Gegenteil: Mit extrabreitem Cinemascope-Format, massivem Einsatz von Tele-Objektiven, die gezielt bestimmte Bildelemente hervorheben, und einem stimmungsvollen Soundtrack setzte Regisseur Yapo auf Standard-Werkzeuge groß angelegter Kino-Unterhaltung und macht keine Kompromisse in Richtung Fernsehen, für das fast jeder deutsche Film im Hinterkopf mitproduziert wird, um den Absatz zu sichern: "Lautlos" schreit nach der großen Leinwand, und weiß sie beeindruckender und effektiver zu nutzen als die meisten nationalen Produktionen aus jüngerer Erinnerung. Statt des handelsüblichen braven Realismus deutscher Filme setzt Yapo seinem Genre entsprechend auf eine stilisierte Inszenierung, steigert durch die konkrete Intensivierung akustischer und optischer Sinneseindrücke die Wirkung auf den Zuschauer und reißt das Publikum so schon nach wenigen Minuten mit.
Die packende Atmosphäre und der perfekt konstruierte Spannungsaufbau wären indes nur die halbe Miete ohne die Talente des fulminanten Hauptdarsteller-Trios, denn "Lautlos" ist ebenso sehr spannender Thriller wie intensives Psychogramm seiner zentralen Figuren. Das Skript von Lars-Olav Beier (hauptberuflich eigentlich renommierter Filmkritiker beim "Spiegel" und diversen Fachmagazinen) bietet mit seinen reduzierten, manchmal fast abgehackt wirkenden Dialogen nur ein grobes Schema, welches Regisseur und Schauspieler kongenial mit Inhalt füllen: "Lautlos" spricht mit Bildern, nicht mit Worten. Christian Berkel hat als Polizei-Profiler noch den meisten Text, weil über seine Figur dem Publikum auch Hintergründe und Details der Auftragsmorde von Victor vermittelt werden. Die komplexe Beziehung zwischen Victor und der von ihm verschonten/geretteten Nina hingegen entsteht fast wortlos, die Dialoge sprechen oft nur noch aus, was die beiden absolut brillant agierenden Darsteller schon lange mit ihrer feinfühligen Gestik transportiert haben. Geradezu unglaublich ist dabei die Metamorphose von Charakter-Darsteller Joachim Król ("Der bewegte Mann", "Zugvögel"): Der unterzog sich zur Vorbereitung auf die Rolle einem sechsmonatigen Trainingsprogramm und präsentiert sich hier als körperlich dermaßen fit und drahtig, dass man ihn kaum wieder erkennt und fast schon mit Heino Ferch verwechseln möchte. Wo dessen Killer-Portrait im gänzlich missglückten "Straight Shooter" vor ein paar Jahren aber in die Hose ging, kann Król dem Stereotyp des schweigsamen Auftragsmörders eine ganz eigene Note hinzufügen. Aus einer Handvoll Figuren-Klischees konstruiert "Lautlos" so eine Konstellation an psychologisch tief ausgeleuchteten Charakteren, die in ihren besten Momenten selbst den Vergleich mit Genre-Giganten wie Luc Bessons "Leon, der Profi" oder Michael Manns "Heat" nicht zu scheuen braucht.

Hoch spannend bis zur letzten Minute und frei von allem, was die ewigen Nörgler dem deutschen Kino gerne an schlechten Eigenschaften andichten, erweist sich "Lautlos" als durch und durch bemerkenswerter Genre-Film, der auf allen Ebenen wahrlich internationale Klasse beweist. Mit Mennan Yapo scheint hier - nach Oliver Hirschbiegl ("Das Experiment") - die nächste große deutsche Regiehoffnung reüssiert zu haben. Solch einen sicheren und wirkungsvollen Umgang mit den Stilmitteln des modernen Unterhaltungskinos findet man jedenfalls nicht alle Tage. Weder auf deutschem, noch auf internationalem Parkett. Hollywood, horch auf!

Frank-Michael Helmke

6

Für einen deutschen Thriller ist "Lautlos" ganz gut gelungen, aber ihn gleich mit "Leon", einer meiner Lieblingsfilme zu vergleichen, ist zuviel des Guten.

Die Story hat mich nicht überzeugt und die wenigen guten Ideen hab ich woanders schon besser gesehen. Die Schauspielerleistungen überzeugten mich auch nicht. Einzig die Filmmusik fand ich o.k.

Deshalb nur 6 Augen von mir.

mfg

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