Jeder noch so speziellen Zielgruppe ihren eigenen
Film! Das könnte man zumindest denken, wenn man sich die Ausgangssituation
von "Barcelona für ein Jahr" vor Augen führt:
Über das pan-europäische "Erasmus"-Austauschprogramm
gelangt der junge Franzose Xavier an einen Studienplatz in Barcelona.
Das geschieht allerdings in erster Linie auf Druck seines Vaters,
er will nämlich gar nicht so richtig weg aus Paris. Denn hier
hat er seine Freundin, hier kennt er sich aus. Nützt aber alles
nix und nach einer tränenreichen
Verabschiedung
macht Xavier schon im Flugzeug seine ersten neuen Bekanntschaften:
Den netten, etwas biederen Arzt Jean-Michel und dessen schöne,
aber äußerst spröde Ehefrau Anne Sophie. Eigentlich
nicht die Leute mit denen ein junger Student bevorzugt seine Zeit
verbringt, aber aufgrund akuter Wohnungsnot nimmt Xavier das freundliche
Angebot, vorübergehend bei dem Paar zu wohnen, gerne an. Doch
schon bald besteht er den ausgeklügelten Aufnahmetest einer
multikulturellen Wohngemeinschaft und von da an geht es bergauf:
Neue Freunde, aufregende Nächte und eine fast verhängnisvolle
Affäre machen den Aufenthalt in der katalanischen Metropole
zu einem unvergesslichen Jahr. Wären da nur nicht die Probleme
mit der in Paris zurückgebliebenen Freundin und die schleichende
Gewissheit, dass auch dieses Jahr schnell zuende gehen wird.
Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch hat selbst mal
ein derartiges Austauschprogramm durchlaufen und lässt daher
einige seiner autobiographischen Erfahrungen auch gleich mit in
seinen Film einfließen. Dabei sind diese dann vor allem für
jene, die auch schon mal neu in eine unbekannte Stadt in einem fremden
Land gekommen sind absolut nachvollziehbar - denn erst ist alles
neu und man weiß aber auch wirklich GAR nichts und nur ein
paar Monate später sind einem Plätze und Atmosphäre
so vertraut, dass man nie wieder zurück nach Hause möchte.
Viele allerdings machen diese Erfahrung nie und denen fehlt damit
nicht nur das Identifikationspotential, sondern sie werden auch
mit den bunt zusammengewürfelten, eigentlich
oft
auch recht belanglosen Episoden rund um die Studentenclique eher
wenig anfangen können. Wenn sie denn überhaupt den Weg
ins Kino finden, zu einem Film bei dem auch in der offiziellen "deutschen
Fassung" meist nur untertiteltes Englisch und Spanisch zu hören
ist - lediglich die begleitenden Erzähltexte der Hauptfigur
wurden eingedeutscht. Eine überschaubare Zielgruppe aus kulturell
interessierten Programmkinobesuchern also, aber das ist natürlich
kein ernsthafter Kritikpunkt. Denn es spricht ja überhaupt
nichts dagegen, wenn jemand das erzählt und zeigt von dem er
was versteht und das ihm am Herzen liegt.
Schade ist allerdings, dass Klapisch bei der Wahl seiner Figuren
ein wenig zu sehr in die eindimensionale Klischeekiste gegriffen
hat. Vom fleißigen Deutschen über den schweigsamen Dänen
bis zur selbstbewussten Lesbe ist alles dabei und besonders dick
bekommen es die Engländer ins Drehbuch geschrieben: Wahlweise
biedere Kiff- und Partymuffel oder aber laut gröhlend und mit
jeder Menge Vorurteilen um sich schmeißend. In Grunde ihres
Herzens sind sie natürlich alle in Ordnung, aber so richtig
mögen kann man sie meistens nicht. Dazu tragen auch die gehäuften
Seitensprünge
innerhalb
der lebenslustigen Gruppe bei - realistisch vielleicht, aber eben
auch nicht besonders sympathisch. Und wenn dann der arme Xavier
(hübsche Freundin in Paris, attraktive Affäre in Barcelona
und superbeliebt in der Gruppe) über sein total kompliziertes
und chaotisches Leben jammert, fällt es recht schwer ihm beizupflichten
"Ja Junge, Du hast es echt schwer".
Auch auf der formalen Ebene bietet der Film ein recht diffuses Bild. In der ersten Viertelstunde überbietet sich Klapisch geradezu mit kleinen technischen Spielereien: Extrem beschleunigte Kamerafahrten, direkt auf die Linse geklebte Papierschnipsel und ähnliche Mätzchen lassen den Betrachter ein leicht überdrehtes und rasantes Werk erwarten, doch dann hört der Regisseur damit einfach wieder auf und begibt sich in ruhigeres und konventionelles Fahrwasser. Man fragt sich was das denn nun sollte und schüttelt einmal kurz den Kopf. Trotz dieser Unausgegorenheit bietet "Barcelona für ein Jahr" allerdings genug Charme und Atmosphäre sowie die merkbare Leidenschaft der Beteiligten um nicht als misslungen bewertet zu werden. Und da die Dame Audrey Tautou (in einer etwas kleineren Rolle) auch hier mit dabei ist kann man sich den kurzen Vergleich dann doch nicht verkneifen: Einen gewissen Charme hat er ja, aber vom Zauber einer "Amelie" ist dieser Film leider doch ein ganzes Stück entfernt.



gibt viel her für ne facharbeit
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