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Labor Day

Labor Day
drama , usa 2014
original
labor day
regie
jason reitman
drehbuch
jason reitman
cast
kate winslet,
josh brolin,
gattlin griffith,
tobey maguire, u.a.
spielzeit
110 Minuten
kinostart
8. Mai 2014
homepage
http://www.laborday-film.de
bewertung

4 von 10 Augen

labor day 1Ein neuer Film von Jason Reitman ist angesichts der bisherigen Filmographie des jungen, immer-noch-irgendwie-Independent-Regisseurs zunächst mal ein Grund zur Freude. Schon sein Erstling „Thank you for Smoking“ war äußerst amüsant, mit den Folgewerken „Juno“ und „Up in the Air“ erklomm Reitman dann aber rasch den Olymp der sowohl geistreichen als auch herrlich selbstironischen Komödie mit ernsthaften Zwischentönen, die zudem auch noch wie locker aus dem Handgelenk geschüttelt wirkten. Hohe Qualität besaß zuletzt auch „Young Adult“, doch war der schmerzhafte Selbstfindungstrip mit Charlize Theron dem Publikum wohl etwas zu bitter geraten, so dass der große Publikumszuspruch diesmal ausblieb. Es war in jedem Fall spannend, ob der Regisseur diesen Weg nun weitergehen oder doch in etwas heitere Gefilde zurückkehren würde. Der nun vorliegende „Labor Day“ beantwortet diese Frage zwar auf unerwartete Weise, doch handelt es sich um eine recht böse Überraschung. Denn der Mix aus Thriller und Liebesdrama ist zwar erneut sehr ernst, aber leider auch arg schablonenhaft und konventionell geraten und wird letztlich ausschließlich von seinen starken Darstellern vor dem kompletten Zusammenbruch bewahrt.

Die amerikanische Kleinstadt Holten in den 1980er Jahren: Das bis dahin zwar geordnete, aber auch recht trostlose Leben der alleinerziehenden Mutter Adele (Kate Winslet) und ihres 13jährigen Sohnes Henry (Gattlin Griffith) gerät nach einer Begegnung mit dem aus einem Krankenhaus geflohenen Häftling Frank (Josh Brolin) aus den Fugen. Dieser zwingt die Beiden ihn in ihrem Haus zu verstecken, sichert aber zu, ihnen nichts zu tun und bald weiterzuziehen. Zwar hat vor allem Adele zunächst gewaltige Angst, doch verändert sich das Verhältnis der drei Menschen zueinander in den folgenden Tagen. Vor allem Henry zeigt bald wachsende Begeisterung für den neuen, auch handwerklich begabten Mann im Haus, doch auch Adele und Frank kommen sich näher, bis schließlich sogar eine Romanze möglich scheint. Doch hat die unter diesen Bedingungen und mit der ständig drohenden Entdeckung wirklich eine Chance?

labor day 2Mit der Glaubwürdigkeit eben dieser Liebesgeschichte, die Reitman auch als Drehbuchautor verantwortet, steht oder fällt natürlich der gesamte Film und "Labor Day" gerät dabei arg ins Taumeln. Da ist einerseits das Tempo mit dem die Angst, Wut und Hilflosigkeit von Adele plötzlich in Zuneigung und sogar Liebe umschlagen, denn die gesamte Handlung spielt sich nur innerhalb weniger Tage ab. Wie praktisch, dass sich Frank da genau die Richtige ausgesucht hat, ist doch Adele derart vereinsamt und psychisch angeschlagen, dass sie offenbar mehr als empfänglich auf einen Mann reagiert, der auch mal nett zu ihr ist (nachdem er sie kurz zuvor allerdings noch an den Stuhl gefesselt hat). Frank wiederum, da hat die dysfunktionale kleine Familie genauso Glück wie der nach Identifikationsfiguren gierende Zuschauer, entpuppt sich rasch als gutmütige verfolgte Unschuld. Die zunächt noch der Spannung dienende bedrohliche Fassade zerbröckelt schon früh, auch wenn man versucht die exakte Auflösung der in Rückblicken erzählten Geschehnisse aus Franks Vergangenheit noch ein wenig hinauszuzögern. Die kompletten Rahmenbedingungen hat man sich hier aber ohne große Mühe so konstruiert bzw. hingebogen, dass es fast zwangsläufig zur Romanze trotz widrigster Umstände kommen muss.

labor day 3Überzeugen kann die trotzdem nicht, auch wenn sich Josh Brolin und vor allem Kate Winslet noch so sehr bemühen, den vom Drehbuch vorgegebenen und behaupteten Emotionen etwas Glaubwürdigkeit zu verleihen. Mit weniger versierten Schauspielern wäre "Labor Day" in höchste Gefahr geraten unfreiwillig komisch zu wirken, doch selbst mit den beiden Genannten schrammt der Film manchmal nur knapp an der Klippe der Albernheit vorbei. Auch dank dem oft unfassbar dämlichen Verhalten der Beteiligten wenn es darum geht, ihr Geheimnis und ihre Pläne für sich zu behalten oder möglichst wenig aufzufallen. Bei auch nur halbwegs cleverem Verhalten wäre die Wahrscheinlichkeit aufzufliegen äußerst gering, doch bevorzugt das Trio lieber das Spiel mit dem Feuer. Sei es, dass Sohn Henry gleich mal eine Mitschülerin einweiht die er kaum kennt oder dass Adele die Entdeckung riskiert, indem sie tatsächlich "Babysitter" für den Nachbarsjungen spielt, obwohl sie gerade einen entflohenen Sträfling bei sich versteckt.

Da fasst man sich schon das eine oder andere Mal an den Kopf und wundert sich doch sehr, was für eine glatte, vorhersehbare Geschichte ein Mann wie Reitman uns vorlegt, ein Werk bei dem wirklich gar nichts mehr zu spüren ist von der feinsinnigen Beobachtung vielschichtiger Charaktere mit liebenswerten Schwächen, die seine vorherigen Filme auszeichnete. Mag sein, dass der Filmemacher einfach mal ein echtes Melodram ohne ironische Brechungen inszenieren wollte, herausgekommen ist dabei jedoch streckenweise eher absurder Kitsch. Nein, diese Richtung führt definitiv in die Sackgasse und lässt einen doch ziemlich ratlos und auch enttäuscht zurück.

 

Volker Robrahn

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